Ausstellung 17. August 2005 - 27. November 2005

Die Journalistin Elisabeth Leithäuser (1914-2004) - Biografien in der Dauerausstellung Nr. 2

Bevor dieser Gedenksommer zu Ende geht, präsentiert das Schwule Museum einen Rückblick auf die Berlinerin Elisabeth Leithäuser. Gleich im Sommer 1945 wurde sie Journalistin beim Berliner Rundfunk. Der Wechsel drei Jahre später zum RIAS war politisch motiviert. Dort schuf sie den Jugendfunk, führte Interviews mit Opfern des Nazi-Regimes, schrieb Hörspiele und war verantwortlich für Leserbriefe und Frauenfragen.

Die Frauenliebe war nie vordergründig in ihrem Leben und dennoch eine ständige Kraft. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit wusste sie sich in den diversen Redaktionen umgeben von Gleichgesinnten, wobei Diskretion und gegenseitige Unterstützung sich bedingten. In den 50er Jahren arbeitete sie beim Telegraf, unter anderem als Frau Renate. Sie erteilte Ratschläge für alle Lebenslagen und verhalf auch lesbischen Leserinnen auf Anfrage zu einer Partnerin. Das 1956 publizierte Gedenkbuch zum 10jährigen Bestehen des Telegraf würdigte die sehr beliebten Tagesausflüge von Frau Renate mit ihren Leserinnen.

Elisabeth Leithäuser entwickelte sich schon früh zur Individualistin mit politisch fortschrittlichen Überzeugungen. Als Jungkommunistin wurde sie 1934 wegen Hochverrats angeklagt, doch dank eines Meineides zu ihren Gunsten freigesprochen. Nach wiederholten Besuchen von Gestapo-Beamten, die sich sowohl für ihre politischen Ansichten als auch für Aktivitäten in lesbischen Frauenkreisen interessierten, zog sie sich mit ihrer Lebensgefährtin ins Private zurück. Sie meldete sich nie beim Arbeitsdienst und schlug sich als Privatsekretärin durch.

In den Kriegsjahren hörte Leithäuser Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität), war aber zum größten Teil Autodidaktin. Das Rundfunkhandwerk lernte sie von einem Freund und in der Praxis. Als sie schon über 50 war, machte sie noch einen radikalen Umschwung zum psycho-sozialen Management.

Sie engagierte sich in der Frauen- und Lesbenbewegung der 70er Jahre, und freute sich zuletzt über die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Elisabeth Leithäuser war Interviewpartnerin für die bekannte Lesbenforscherin Claudia Schoppmann und berichtete über ihr Leben in deren Publikation Zeit der Maskierung.

Das Schwule Museum verschafft einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsgeschichte von Elisabeth Leithäuser mittels Dokumenten und Fotos. Die Präsentation ist Teil der Dauerausstellung Selbstbewusstein und Beharrlichkeit. 200 Jahre schwule Geschichte, in der Einzelbiografien im Wechsel präsentiert werden und somit ein Licht auf die verschiedenen Lebensentwürfe homosexueller Männer und Frauen werfen.