Ausstellung 11. Mai 2012 - 06. August 2012

Aufklärung und Aufregung – 50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO

Mehrere Generationen von Jugendlichen sind mittlerweile mit ihr aufgewachsen und wurden durch sie aufgeklärt: BRAVO. Die BRAVO – im Jahr 1956 erstmals erschienen – ist heute weder aus der Mediengeschichte noch aus der der populären Jugendkultur Westdeutschlands wegzudenken. In der DDR gab es BRAVO nicht zu kaufen, an der Grenze wurde sie konfisziert. Dennoch fanden einige Exemplare illegal ihren Weg auch in die Hände junger Leser_innen im Osten. Wie aber ging diese Zeitschrift, deren Lektüre für so viele Jugendliche prägend war, mit dem Thema Homosexualität um? Fanden sich Lesben und Schwule im Heft wieder? War es auch für sie gemacht? Unsere Ausstellung dokumentiert fünf Jahrzehnte Homo-Berichterstattung in BRAVO.

Homosexualität, zunächst tabu, wurde in BRAVO erst ab Mitte der 60er Jahre thematisiert – als krankhafte Abweichung vom Normalen. Berichterstattung oder Aufklärungsbeiträge zum Thema warnten die Jugend vor "Verführung zum Abnormen" und vor Abweichung. Im Jahr 1969 übernahm Dr. Martin Goldstein alias Dr. Sommer die Aufklärungs-Rubrik. Er war weitaus offener und ging zeitgemäß mit dem Thema um. Als er im Jahr 1972 in einem Beitrag gleichgeschlechtliche Erlebnisse schilderte – unter anderem seine eigenen – wurde BRAVO auf den Index der jugendgefährdenden Schriften gesetzt und stand kurz vor dem Aus. Auch im Musikteil der Zeitschrift gab es seit den 70er Jahren immer wieder Bezüge: Den Anstoß für einen der ersten Beiträge über Homosexualität bot beispielsweise die amerikanische Popgruppe Village People mit ihrem Hit Y.M.C.A. (1979). Mit Smalltown Boy wurde Jimmy Somerville 1984 zu einer wichtigen Identifikationsfigur (nicht nur) der jungen Schwulenbewegung. Viele weitere Protagonist_innen der Populärkultur outeten sich später – was BRAVO mitunter explizit begleitete.

Kurator: Erwin In Het Panhuis