Ausstellung 16. August 2012 - 17. November 2012

Trans*_homo - von lesbischen Trans*schwulen und anderen Normalitäten

„Also früher warst Du lesbisch, und jetzt bist Du schwul?“
Trans* ist ein Oberbegriff für Menschen, die ihr Geschlecht anders definieren, als es ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Trans* umfasst ein breites Spektrum von Identitäten und Lebensweisen, neben transsexuellen und transidenten auch solche, die sich geschlechtlich nicht als Mann oder Frau verorten (lassen) möchten. Auch setzt sich die Erkenntnis durch, dass Trans* weniger mit Sexualität als vielmehr mit Identität zu tun hat.

Was bedeuten ‚schwul‘ und ‚lesbisch‘, wenn die Begriffe „Mann“ oder „Frau“ nicht mehr klar zuzuordnen sind? Welche Sprache muss dafür neu gefunden werden, welche Worte können eine Person beschreiben, die zum Beispiel früher als Frau lebte, jetzt als Mann, und sich selbst als lesbisch bezeichnet, welches Wort für ihre_n Partner_in?

Das Ausstellungsprojekt trans*_homo im Schwulen Museum Berlin wird auf diese Fragen keine abschließenden Antworten geben. Es will mit Ausstellung, Mediathek, Begleitbuch und Veranstaltungsprogramm einen Raum eröffnen, in dem Trans*Personen die Definition über sich selbst haben und einbringen, in dem vieles sichtbar und denkbar wird. Internationale künstlerische Arbeiten aus Trans*Perspektiven (Installationen, Videos, Fotografie, Comics, Malerei und Skulpturen), aktivistische und historische Dokumente aus unterschiedlichen Kontexten entwickeln intersektionale Bezüge zueinander. Dabei gibt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr soll dem Ausstellungspublikum die Möglichkeit gegeben werden, selbst Stellung zu nehmen: Im interaktiven Teil der Ausstellung können eigene Begriffe erfunden, entwickelt und weiterentwickelt werden.
trans*_homo wirft Schlaglichter auf Trans* und seine Beziehungen und Konflikte zu schwulen und lesbischen Szenen, auf die Bereiche des Rechts und der Medizin bzw. Psychologie. Als Expert_innen kommen in diesem Fall nicht Wissenschaftler_innen zu Wort, die eine Außenperspektive auf Trans* einnehmen, stattdessen werden Wissenschaften zu Objekten der Reflexion. Das Ausstellungsprojekt untersucht unter anderem strukturelle Gewalt und ihre historischen Hintergründe in der Gesetzgebung und in der Sexualwissenschaft.

Eine Besonderheit der Ausstellung sind vier Projektpartner_innenschaften, in denen Künstler_innen und Wissenschaftler_innen bzw. Aktivist_innen gemeinsam prozesshaft neue Arbeiten entwickeln. Zu den Themenfeldern Sprache, Recht, Medizin/Psychologie und Monster/Medien entstehen Auseinandersetzungen zum Thema Trans*_Homo.

Die Ausstellung als Trans*Projekt findet im Schwulen Museum als einem Ort schwuler Geschichte und Tradition statt: So spiegelt sich im Projekt selbst das Ausstellungsthema wider. Wird sich der Ort verändern, oder wie wird sich der Ort verändern, nach drei Monaten voller Trans* Kunst, Veranstaltungen, Filmen?

trans*_homo ist ein Schritt hin zur Öffnung von Räumen, zum Austausch, zum Dialog, zum Weiterdenken. Es ist ein Prozess, der Diskussionen aufgreift, die an vielen Orten – von lesbischen Sportvereinen bis zum Schwulen Museum – aktuell geführt werden. Das Projekt versucht, Leerstellen sichtbar zu machen, und macht dabei selbst Leerstellen auf. Es kann nicht „die“ Kulturgeschichte von Trans*erzählen. So vertreten die künstlerischen Arbeiten zumeist westliche und Weiße Perspektiven, und so ist das große Spektrum von Trans*Lebensweisen und (Mehrfach-)Zugehörigkeiten nur ausschnitthaft repräsentiert. Unser Wunsch ist es, ins Gespräch zu kommen, Differenzen zu artikulieren, über Möglichkeiten der Öffnung von Räumen zu reden und nach neuen Allianzen zu suchen.

Website der Ausstellung

 

Kuratiert von: Justin Time

Beirat: Jens Borcherding, Sabine Ercklentz, Jannik Franzen, Ulrike Klöppel, Adrian de Silva, Else Westerman

Beteiligte: Adrian de Silva, Andreas Riegler, Anja Weber, Anna Heger, Anthony Clair Wagner, Coco Lores, Del LaGrace Volcano, eddie gesso, Else Westermann, Hans Scheirl, image-shift, Ins A Kromminga, J. Jackie Baier, Jakob Lena Knebl, Jakob Schmidt, Jannik Franzen, Jason Elvis Barker, Jens Borcherding, Justin Time, Nathan Gale, Manuel Garcia, Markus Hausleitner, Melanie Humann, Minette Dreier, Persson P. Baumgartinger, Rainer Herrn, Risk Hazekamp, Sabine Ercklentz, Sandra Alland, Sanja Utech, Sara Davidmann, Simon Croft, Susan Stryker, Tom Weller, Toni Schmale, Trystan Cotten, Ulrike Klöppel u.a.