Ausstellung 28. Oktober 2016 - 30. Januar 2017

„Es ist also ein Mädchen“: Hommage an Erika und Klaus Mann

Vernissage: 27. Oktober um 19:00 Uhr, Schwules Museum*

 

Ausstellungen zu Klaus Mann (1906-1949), dem enfant terrible der Literatenfamilie Mann, gab und gibt es viele, auch zu seiner Rolle als prominenter Repräsentant schwuler Literatur im 20. Jahrhundert. Mit der von Wolfgang Theis kuratierten Ausstellung „Es ist also ein Mädchen“: Hommage an Erika und Klaus Mann wird erstmals das Leben und Wirken der beiden ältesten Thomas-Mann-Kinder gezeigt, an einem programmatischen Ort wie dem Schwulen Museum*.

Erstmals bewusst ins Zentrum gerückt wird Erika Mann (1905-1969). Sie war der Prototyp einer modernen, emanzipierten „Neuen Frau“: sie fuhr Autorennen, hatte diverse lesbische Affären mit prominenten Liebhaberinnen, und ihre Beziehung zu ihrem homoerotisch veranlagten Vater Thomas (1875-1955) war besonders eng. Schon früh gerieten Erika und Klaus in Opposition zum erstarkenden Nationalsozialismus und nahmen den Kampf gegen Hitler auf, eine selbstgestellte Aufgabe, die sie im Exil noch intensiver verfolgten: Erika warb unermüdlich für den Kriegseintritt der USA gegen Nazi-Deutschland und arbeitete gegen alle Widerstände als weibliche Kriegsberichterstatterin, während Klaus sowohl mit eigenen Zeitschriften als auch als Journalist für die US-Armeezeitung gegen den Faschismus anschrieb. Der erste Teil der Ausstellung widmet sich dem Leben der „famous Mann twins“  (wie sie in den USA genannt wurden) bis zum einsamen Tod von Klaus am 21. Mai 1949 in Cannes, an einer Überdosis.

Im Zentrum des zweiten Teils der Ausstellung steht Erikas Verhältnis zu ihrem Vater Thomas Mann und ihrer Verwaltung von dessen Nachlass – ebenso wie die der Betreuung des Nachlasses ihres Bruders. Erika ist maßgeblich für dessen posthumen Ruhm und die Veröffentlichung des Erfolgsromans Mephisto verantwortlich, gegen die juristischen Proteste der Erben schwulen Schauspielers und NS-Theaterstars Gustaf Gründgens (mit dem Erika vorübergehend verheiratet war).

„Es ist also ein Mädchen“: Hommage an Erika und Klaus Mann behandelt die sexuellen Orientierungen der Geschwister, anders als es großen Mann-Schauen der Vergangenheit taten, als roten thematischen Faden bei der Beschäftigungen mit deren Vita und Oeuvre, aber dies geschieht mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit. Dabei spielen ebenfalls die Selbstvorwürfe Thomas Manns eine Rolle, der lange Zeit damit haderte, als homophiler Mann leibliche Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Ebenfalls zur Sprache kommt der private Umgang der Familie Mann mit den homoerotischen Fantasien des Vaters Thomas und die Frage, welche Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder die homoerotische Kunst im großbürgerlichen Haushalt der Manns in München hatte.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf die Gemälde von Ludwig von Hofmann (1861-1945) einzugehen. Thomas Mann schaffte 1913 das homoerotische Hofmann-Gemälde Die Quelle für sein Arbeitszimmer an, wo es bis zu seinem Tod hing. Während dieses Gemälde heute im Thomas-Mann-Archiv in Zürich hängt und trotz diverser Anfragen nie ans Schwule Museum* entliehen wurde, zeigt die Ausstellung ein anderes (vergleichbares) Originalgemälde Hofmanns aus dem Kunstmuseum Tempelhof-Schöneberg. Ebenfalls werden in der Ausstellung die Unterlagen zu Erika Mann und Briefe / Texte aus der Monacencia in München gezeigt.

 „Es ist also ein Mädchen“: Hommage an Erika und Klaus Mann läuft vom 28. Oktober bis zum 30. Januar 2017 im Schwulen Museum* in Berlin. Die Ausstellung wird von Wolfgang Theis kuratiert und ensteht in Zusammenarbeit mit der Monacencia München. Das Projekt wurde außerdem unterstützt von Irmela von der Lühe und Uwe Naumann. Sie setzt die Reihe unserer Familie-Mann-Schauen im Schwulen Museum* fort: bislang wurden Golo und Thomas Mann jeweils mit Einzelausstellung vorgestellt.

Es wird zur Ausstellung ein Begleitprogramm mit Lesungen und Vorträgen geben; die Termine geben wir zeitnah auf unserer Homepage bekannt. Die Ausstellung ist Deutsch und Englisch beschriftet, es wird keinen Katalog geben.