Ausstellung 07. Dezember 2013 - 10. März 2014

Friedrich Wilhelm Murnau - Die privaten Fotografien

Friedrich Wilhelm Murnau (1888 – 1931) gehört zu den international bedeutendsten Regisseuren des frühen Films. Weltruhm erlangte er 1922 mit dem Horrorklassiker Nosferatu. Als Visitenkarte für seine Hollywoodkarriere diente der 1924 realisierte Film Der letzte Mann, der mit entfesselter Kamera die Filmindustrie elektrisierte. Murnaus Homosexualität wurde von den Zeitgenossen mehr oder weniger elegant umschrieben. Er selbst hat sie nie öffentlich thematisiert. Sein Tod bei einem Autounfall 1931 auf der Küstenstraße von Santa Barbara gab der Mythenbildung kräftigen Auftrieb. Unsere Ausstellung in Kooperation mit der Deutschen Kinemathek präsentiert Murnau als Fotografen, zeigt Privataufnahmen aus Tahiti, entstanden bei den Dreharbeiten zu seinem letzten Film Tabu und dokumentiert den Kreis von Mitarbeitern, Freunden und Liebhabern. Tabu galt in kargen Zeiten derAbstinenz schwuler Themen und Figuren im Film als die rare Ausnahme. Eine Abfolge homoerotischer Wunschbilder in eine heterosexuelle Liebesgeschichte gebettet, die tragisch endet. Im schwulen Diskurs spielte er eine nicht zu unterschätzende Rolle. Murnau wurde zum Vorzeigeschwulen und in die Ahnenreihe bedeutender Vorkämpfer eingereiht. Ihn selbst hätte das wohl eher befremdet. Die Stereobilder, die wir in neuen Prints präsentieren, gehen auf einen Fund des Murnau-Forschers Heinrich Gräfenstein zurück. 1993 stieß er in einem Karton von Filmresten zu Tabu auf rund 200 stereoskopische Negative, die in ihrer Konsistenz bereits erheblich geschädigt waren. Da aber bei denStereoaufnahmen zu jedem Motiv zwei Aufnahmen in leichter Achsenverschiebung vorhanden sind, konnte Gräfenstein in jahrelanger Arbeit mit dem Fotorestaurator Klaus Pollmeier zumindest die Motive retten. In unserer Ausstellung werden sie nun erstmals in einem größeren Zusammenhang gezeigt. Die restaurierten Originalnegative erwarb die Deutsche Kinemathek 1994 von Murnaus Erben. Die Abendsonne wirft lange Schatten. Murnau ist mit Freunden im Segelboot unterwegs. Man erkundetdie Gewässer rund um Berlin. Ruth Landshoff berichtet in ihren Biographischen Impressionen - Klatsch, Ruhm und kleine Feuer von dem Ausflug und erwähnt Hans Jahnke, einen Zeitungsausträger, mit dem sie befreundet war und der offensichtlich auch Murnaus Wohlgefallen fand. Auf den erhaltenenStereonegativen aus Murnaus Nachlass ist er mit und ohne Badehose verewigt. Zu sehen sind auch die Jungs, die Murnau an einem Pool in Hollywood fotografierte. Ihre Posen sind gestellt, schon wegen der langen Belichtungszeit. Die meisten blicken verlegen in die Kamera, einige sind sich ihrer Wirkung aufden Fotografen bewusst - sie kokettieren. Die Bilder dokumentieren Murnaus Verlangen. Distanzierter sind die Photos die sich von der Besatzung seiner Jacht erhalten haben, mit der er in die Südsee stach, um zusammen mit Robert Flaherty einen Film über das Leben der Insulaner zu drehen.

Zeitgleich zur Ausstellung erscheint bei Schirmer/Mosel ein Bildband zu Murnaus privaten
Fotografien.

 

Kurator: Wolfgang Theis

 

 

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