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7. Dezember 2009 - 15. März 2010

„Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919-1969"

Die Ausstellung thematisiert die Verfolgung von homosexuellen Frauen und Männern aus Hamburg in der Weimarer Republik, unter dem Nationalsozialismus und in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik - ein ebenso umfassender wie vielseitiger Blick in die Lebenssituation von Schwulen, Lesben uns Transsexuellen in einer von Unterdrückung geprägten Zeit.

Eröffnung: So., 6. Dezember 2009, 11 Uhr

Ort: Schwules Museum, 2. OG (Aufgang 1. Hof), Mehringdamm 61, 10961 Berlin
Autoren: Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann, Co-Autor: Gottfried Lorenz

Begleitprogramm: sie unten



Ingrid Liermann in den 60er Jahren in den Ikastuben, Hamburg. © privat



Herrmann Kieß, Gottfried verkehrt im Stadt-Casino © Staatsarchiv Hamburg

Die Urheber der Ausstellung und zugleich Autoren des gleichnamigen Buches - Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann sowie Co-Autor Gottfried Lorenz - haben die Resultate ihrer umfangreichen Recherchen in Hamburger Archiven auf 48 großformatigen Schautafeln ansprechend visualisiert.
Anhand von vielen, bisher unveröffentlichten Originalquellen wie Strafjustizakten, Aufzeichnungen Hamburger Behörden und Zeitzeugeninterviews ist es den Ausstellungsmachern gelungen, ihre Forschungsergebnisse zu einem informativen Gesamtbild über die Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg zusammenzufügen.
Obwohl geographisch begrenzt auf den Hamburger Raum, stehen die hier gezeigten Sachverhalte und Schicksale durchweg repräsentativ für die Verfolgungssituation in anderen deutschen Städten. Die Themen reichen dabei von der Denunziation Homosexueller aus der Bevölkerung, der so genannten „freiwilligen Entmannung“ über die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz (dem Entzug der ärztlichen Approbation, der Aberkennung von akademischen Titeln) bis hin zur Verschleppung und Ermordung im KZ. Die Ausstellung zeichnet viele individuelle Lebenswege nach und macht so die allgegenwärtige Unterdrückungs- und Bedrohungssituation unmittelbar anschaulich.
Als Beispiel für die Verfolgung bis 1945 sei das Schicksal des ehemaligen Direktors des Barmbeker Krankenhauses, Prof. Dr. Andreas Knack, genannt, einem Mitbegründer der Homosexuellenbewegung der Weimarer Zeit. Nachdem er 1933 seines Amtes enthoben wurde, ließ er sich als praktischer Arzt in Hamburg-Eimsbüttel nieder. 1934 entzog man ihm die Approbation. Das Ende des NS-Regimes erlebte er in der Emigration in Mukden/China.
Unrühmliche Aspekte der Unterdrückung homosexueller Männer in der Nachkriegszeit sind die „Rosa Listen“ sowie das „Tanzverbot“ und das „Toilettenverbot“. Während kastrierte homosexuelle Männer und KZ-Überlebende keine Entschädigung erhielten, konnten die Täter ihre Karrieren fortsetzen. Staatsanwalt Nicolaus Siemssen, in der NS-Zeit in Hamburg einer der Hauptankläger gegen Homosexuelle, wurde zum Oberstaatsanwalt befördert und war als Chefankläger in Entnazifizierungsverfahren beim Spruchgericht in Bergedorf tätig.
Ausführlich thematisiert wird auch die Lebenssituation lesbischer Frauen. Obwohl es keinen Strafparagrafen für lesbische Handlungen gab, gerieten auch sie ins Visier der NS-Politik. Als „moralisch schwachsinnig“ abgestempelt, hatten sie keine Chance auf gesellschaftliche Anerkennung und ein bürgerliches Leben. In der Adenauer-Ära blieben lesbische Frauen weiterhin unsichtbar, waren offiziell nicht vorhanden und erlebten so eine diskriminierende Ignoranz.

Sowohl das Buch wie auch die Ausstellung basieren auf den Ergebnissen der Arbeit der Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer“
http://www.hamburg-auf-anderen-wegen.de/stolpersteine/index.html

Die Realisierung der Ausstellung wurde ermöglicht durch zahlreiche Spenden sowie die Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg.


Das Buch zur Ausstellung

„Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919–1969“
von Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann
und Gottfried Lorenz

Paperback, 316 Seiten mit
ca. 300 Abbildungen
Lambda Edition, € 24,80
ISBN 978-3-925495-32-8





Clara Schröder mit Freundin, ca. 1935, Plankammer aus 242-4, Kriminalbiologische Sammelstelle © Staatsarchiv Hamburg


Begleitprogramm zur Ausstellung

„Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919-1969“

Do., 14. Januar 2010, 19.00 Uhr

Vortrag

"Die Verfolgung der Homosexuellen während  der NS-Zeit in der schöngeistigen Literatur der 50er und 60er Jahre“
Der Vortrag geht der Frage nach, ob und wie die Homosexuellenverfolgung in die deutsche Literatur Eingang gefunden hat. Wie reagierten die deutschen Schriftsteller auf dieses Kapitel deutscher Geschichte? Ging von ihnen eine Gegenbewegung zur Verfolgung Homosexueller aus?

Do., 25. Februar 2010, 19.00 Uhr

Vortrag

"Hamburg als Homosexuellenhauptstadt während der 50er Jahre und die Hamburger Unterstützerszene für die Abschaffung des § 175 während der 60er Jahre"
In diesem Vortrag geht es um das homosexuelle Leben in Hamburg, der größten Stadt Westdeutschlands, in den 50er Jahren. Ist die Bezeichnung Hamburgs als Homosexuellenhauptstadt und als liberaler Hochburg ein Mythos oder beruht sie auf Realität? Welche Hamburg-typischen Entwicklungen gab es? Welcher Personenkreis setzte sich für die Abschaffung des § 175 ein?


Beide Vorträge von Dr. Gottfried Lorenz, Co-Kurator der Ausstellung und Co-Autor des Buches „Hamburg auf anderen Wegen“ (www.dr-lo.de)


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Öffentliche Führungen durch die Ausstellung finden statt:

Fr., 15. Januar 2010, 16.00 Uhr
Sa., 6. Februar 2010, 16.00 Uhr
Fr., 26. Februar 2010, 16.00 Uhr
Fr. 12. März 2010, 16.00 Uhr

Alle Führungen: Dr. Gottfried Lorenz
Termine für Sonderführungen möglich.
Info unter 030 – 69599050 oder kontakt@schwulesmuseum.de


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