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14. November 2009 - 08. März 2010
„FIRST SERVICE“

Positionen zeitgenössischer Kunst


Ausstellung

Im EG des Schwulen Museums
Kuratiert von: Ulrich Dörrie und Jörg Leidig

Eröffnung: 13. November 2009, 19 Uhr



Dennis Kuhlow
Selbstbildnis, Polyurethan, mixed Media, 2009


Jean-Ulrick Désert
Morgenglück (Ehepaar Gertrud Perlig & Gustav Sabac el Cher)
aus der Serie "Guten Morgen Preußen"
Cyanotypie auf Büttenpapier mit Künstlerstempel, 2009
(Courtesy Werkstattgalerie, Berlin)


Jean-Ulrick Désert
Mother Delta (Anna Sabac el Cher)
aus der Serie "Guten Morgen Preußen"
Cyanotypie auf Büttenpapier mit Künstlerstempel, 2009
(Courtesy Werkstattgalerie, Berlin)


Grit Hachmeister, Starkes Mädchen, C-Print, 2003 (courtesy Galerie ASPN Leipzig und Galerie Fiebach & Minninger Köln)


Amir Fattal, Hole, Mixed Media Installation with Bathroom Cabinets, 2009


Dennis Kuhlow, Buddy, Epoxidharz, 2007
Inwieweit beeinflusst die sexuelle Identität eines Menschen dessen künstlerische Produktion?

FIRST SERVICE will sich dieser Frage über die Positionen von acht Künstler_innen annähern und bildet damit den Auftakt zu einer Ausstellungsreihe mit zeitgenössischer Bildender Kunst im Schwulen Museum. Es werden schwule und lesbische Künstler_innen – die meisten in Berlin beheimatet - aus den Bereichen Malerei und Zeichnung, Foto-, Video- und Objektkunst, Plastik und Installation vorgestellt, die sich in ihren Arbeiten sowohl mit Sexualität und Identität als auch mit Themen auseinandersetzen, die nicht explizit diesen Fragestellungen zugeordnet sind und herkömmliche Erwartungen an schwule/lesbische Kunst unterlaufen.

Das Schwule Museum beabsichtigt, auf Dauer ein Archiv künstlerischer Statements zusammenzutragen, das die Vielfalt queerer Kunstproduktionen erfasst und kommentiert. Diese Sammlung soll aufzeigen, welche Aspekte schwulen und lesbischen Selbstverständnisses in die Prozesse aktueller Kunstproduktion einfließen.

Persönliche Stellungnahmen der Künstler und Künstlerinnen vermögen sowohl Frage- als auch Antworthilfen zu geben und beleuchten Hintergründe, aus denen heraus das eigene Kunstschaffen bewertet wird:

„Mir geht es um Liebe überhaupt. Das unendliche Universum birgt so vieles, da will ich mich nicht beschränken oder festlegen. Ich bin ganz viel und ich befinde mich in einem ständigen Prozeß. Mit Hilfe von Kunst kann ich Behauptungen aufstellen, die bleiben, auch wenn sie gar nicht mehr stimmen. Vielleicht bin ich ja gar nicht lesbisch, sondern seh nur so aus [...]“ (Grit Hachmeister)

“I would consider myself first 'queer' rather than gay. My art praxis is primarily concerned with revealing what is often: invisible, difficult to see, discuss and express with simple words. Like poetry, my artworks are often "conceptually" 3-dimensional and always offer a small queer observation as part of a universal structure of reality […]” (Jean-Ulrick Désert)

Die künstlerischen Strategien und Methoden sind dabei ebenso individuell und vielfältig wie die inhaltlichen Positionen selbst:

D-L Alvarez (Film, Zeichnung) befragt Konzepte der Wahrnehmung: er überführt das Pressefoto zweier Katzen, die ihrem Besitzer einst das Leben retteten, ins Medium der Zeichnung und filmt Cruiser und Fußgänger auf der Löwenbrücke im Tiergarten. Jon Campbell (Malerei) entfremdet in malerischen Prozessen die Porträts von Freunden und erfindet surreale Landschaften und Bilderzählungen. Jean-Ulrick Désert (Cyanotypie/Digitaldrucke) thematisiert die Tabuisierung männlicher Prostitution und befragt im historischen Verfahren der Cyanotypie, einem Vorläufer der Blaupause, die preußische Geschichte eines nubischen Jungen und dessen Nachfahren. Amir Fattal (Fotografie/Objekt) inszeniert einen privaten Playroom als Landschaftsporträt und Stilleben und konstruiert aus leuchtenden Alibertschränken ein multidimensionales „Loch“. Grit Hachmeister (Installation/mixed media) kombiniert wandfüllend eine Vielzahl von Zeichnungen und Fotos, die das Themenfeld der Selbstbefragung und -verortung im Spannungsfeld von Körper-, Beziehungs- und Gefühlsinszenierungen umkreisen. Dennis Kuhlows (Skulptur) Figuren im Hasenkostüm wirken selig oder aggressiv und eröffnen eine Vielzahl an Projektions- und Assoziationsräumen. Sein Selbstbildnis reflektiert auf multiplen Ebenen die Gesetze tradierter Bildpräsentation. Sophie von Stillfrieds (Malerei/Skulptur) großformatige Bildausschnitte offerieren Figurenszenen im Spiel begrenzter Sichtbarkeiten und subjektiver Intimität. Sascha Weidner (Fotografie) komponiert in einer Wandinstallation einen lyrisch-melancholischen Bild-Track, im Dickicht eines Pariser Parks entdeckt er den verborgenen Tatort illlegaler Handlungen.


Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
D-L Alvarez, Jon Campbell, Jean-Ulrick Désert, Amir Fattal, Grit Hachmeister, Dennis Kuhlow,
Sophie von Stillfried, Sascha Weidner

Führungen: 14tägig jeweils mittwochs 19 Uhr
(25.11./ 09.12./ 23.12./ 06.01. usw.)



Grit Hachmeister
touch me, make me cry, desire me, Triptychon, C-Prints, 2004 (Courtesy Galerie ASPN Leipzig und Galerie Fiebach & Minninger, Köln)



Jon Campbell, untitled, Acrylic and Tempera on Paper, 2009



Sascha Weidner, Trial II, Diasec, 2008 (courtesy Galerie Conrads, Düsseldorf)

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