Frühere Ausstellungen                                               
18. September 2007 bis 31. Oktober 2007
Gertrude and Alice: 100 Years, 100 Roses
100. Jahrestag des Zusammentreffens von Gertrude Stein und
ihrer Partnerin Alice B. Toklas in Paris

Alice B. Toklas (li,) und Gertrude Stein in Venedig im Sommer 1908, etwa 9 Monate nachdem sie sich das erste Mal getroffen hatten.


Alice B. Toklas (li,) und Gertrude Stein in Venedig im Sommer 1908


Alice B. Toklas (li.) und Gertrude Stein, frühe 1920er Jahre, in ihrem Ford, der den Namen "Godiva" bekommen hatte, weil das Auto nach Alice' Meinung "nackt", d.h . ohne Uhr, Aschenbecher und Zigarettenanzünder, bei ihnen eingetroffen war.


Alice B. Toklas (li.) und Gertrude Stein in ihrem Garten auf ihrem Landwohnsitz in Bilignin, Südostfrankreich, mitte der 1930er Jahre.


Alice B. Toklas (hinten) und Gertrude Stein mit ihrem Pudel Basket II, 1946 in Paris, Gertrude Steins Todesjahr.

Alle Fotos: Yale Collection of American Literature, Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University

Gertrude Stein und Alice B. Toklas: "Das berühmteste Liebespaar der Literaturgeschichte." (Ulrike Bergermann)

Gertrude Stein (1874-1946) gilt heute als Mitbegründerin der literarischen Avantgarde und "Mutter der Moderne", die sich selbst auf eine Stufe mit James Joyce stellte und so schreiben wollte wie Picasso malte. Ihre Texte waren nicht erzählerisch im gewöhnlichen Sinn, vielmehr ging es ihr um die Auflösung des Linearen, um das Assoziative von Wörtern und ihren Klang. Sie verzichtete weitestgehend auf Satzzeichen, verwendete sie nur sparsam. Berühmt wurde sie jedoch nicht mit ihren oft schwer zugänglichen, abstrakten Texten, sondern mit der Autobiografie von Alice B. Toklas (1933, dt. 1985). Am Bekanntesten ist jedoch ihre Zeile "a rose is a rose is a rose is a rose", die auch Einfluss auf den Titel der Ausstellung hatte. Darüber hinaus war sie Kunstsammlerin und Mäzenin zeitgenössischer Künstler. Insbesondere zu Picasso hatte sie ein freundschaftliches Verhältnis.

Alice B. Toklas (1877-1967) kommt 1907 nach Paris und trifft dort auf Gertrude Stein, mit der sie fortan ihr Leben teilt. Sie schreibt selbst, führt den kleinen Verlag Plain Edition, in dem Stein einige ihrer Texte veröffentlicht, und assistiert ihre Partnerin bei der Arbeit. Ihr bekanntestes Buch ist Das Alice B. Toklas Kochbuch (1954), das neben einer besonderen Auswahl von Kochrezepten historisch wie kulturell höchst interessante Texte von Toklas enthält. Zusammen mit Stein führt sie einen der bedeutensten Künstlersalons fort, der jeden Samstag in ihrer Pariser Wohnung in der Rue de Fleurus 27 stattfindet und der von Stein und ihrem Bruder ins Leben gerufen wurde. Hier sind Künstler wie George Braque, Ernest Hemingway, Picasso, Matisse und viele mehr zu Gast.

Die Ausstellung im Schwulen Museum:
Neben wertvollen Erstausgaben, Autographen und Fotografien werden Zeitschriften sowie Arbeiten von Künstlern und Karikaturisten gezeigt, die sich mit Gertrude Stein und Alice B. Toklas auseinandergesetzt haben. Das Schwule Museum Berlin ist eine weitere Station der international tourenden Ausstellung, die ebenfalls in New York, Los Angeles, San Francisco, Lancaster und Teipei zu sehen sein wird.

Ein die Ausstellung begleitendes Programm ist nicht nur Ergänzung, sondern vielmehr mediale Extension der Ausstellung, um die unterschiedlichen Facetten des Lebens und der Arbeit von Gertrude Stein und Alice B. Toklas zu betonen und sicht-, hör- und schmeckbar zu machen.

Begleitprogramm der Ausstellung:
Am 25. September laden wir ein zu einer Soiree, die die kulinarischen und literarischen Seiten Steins und Toklas' zusammenführt: Ein Buffet, gesponsort vom Berliner Cateringservice "Aromaoffensive", mit authentischen Gerichten aus dem Alice B. Toklas Kochbuch wird begleitet von einer Auswahl vorgetragener Texte durch die Schauspielerin Maren Kroymann.

Im Oktober folgen drei weitere spannende Events:
Zunächst findet am 4. Oktober ein Vortrag zum Thema der Verbindung von Literatur und bildender Kunst in den Texten von Gertrude Stein statt, den Prof. Dr. Ulla Haselstein vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin zu diesem Anlass vortragen wird. Birgit Michaelis, ebenfalls von der FU, wird das interessierte Publikum dann in einem weiteren Vortrag am 17. Oktober in das spannende und sinnliche Verhältnis zwischen Literatur, Essen und Erotik einführen.

Den Abschluss bildet eine Abendveranstaltung am
24. Oktober
, zu der die international bekannte Filmemacherin Greta Schiller und ihre Partnerin, die Autorin Andrea Weiss anwesend sein werden. Sie werden über ihre Erfahrungen und Erlebnisse während ihrer Arbeit an dem Buch- und Filmklassiker Paris was a Woman berichten, der nicht nur für das lesbische Publikum von Interesse sein dürfte. Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Edition Salzgeber statt, die zu diesem Anlass den Film in einer Neuauflage wieder auf DVD herausbringen wird.

Andrea Weiss wird zudem am 25. Oktober im Rahmen des Forschungskolloquiums der Abteilungen Literatur und Kultur am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien eine Lecture zu Gertrude Stein halten. Diese Veranstaltung findet mit der freundlichen Unterstützung der Freien Universität Berlin statt. Ort: John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Freie Universität Berlin, Landstraße 7-9, 14195 Berlin.

www.gertrudeandalice.com

Der Kurator:
Kuratiert wird die Ausstellung von Hans Gallas aus San Francisco. Der Sammler Hans Gallas wurde in Berlin geboren und ging in den frühen 1950er Jahren zusammen mit seinen Eltern in die USA. Seit mehr als 20 Jahren sammelt er Material über Gertrude Stein und Alice B. Toklas und betreibt außerdem die Homepage www.gertrudeandalice.com. Derzeit arbeitet er an einer Anthologie zu den Texten von Alice B. Toklas sowie an einem Bilderbuch für Kinder über Gertrude Stein und Alice B. Toklas.

Kontakt: Michael Fürst, wissenschaftlicher Mitarbeiter
E-Mail: michael.fuerst@schwulesmuseum.de





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