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Es gibt Perlen, die findet keine Sau
Eine Re-Installation der Sammlung Siegmar Piske |
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![]() Zwei Räume aus der Wohnung Sigmar Piske (copyright: Boris v. Brauchitsch) |
Beim Betreten der Dachwohnung duftet es nach ätherischer Rose und von draußen dringt Straßenlärm durch die Isolierfenster. Im schummrigen Flur stehen Vitrinen mit Büchern über mächtige Politiker und ferne Orte. Dazwischen Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen und auf dem Boden Stapelweise Papiere. Der Flur teilt die Wohnung in zwei Teile. Links, zur lauten Torstraße die beiden Zimmer zum Wohnen und zum Schlafen , rechts Küche, Bad und eine Kammer. Hier die „Lebensräume“, dort die Nutzräume. Doch die Wohnung ist noch in anderer Hinsicht zweigeteilt. Es gibt den Salon, der sich auf seine Weise um Repräsentation bemüht und auf den der ehemalige Bewohner des Apartments nicht ohne Stolz blickte, und den Rest der Wohnung, die Privatgemächer. Dort tummeln sich deutlich mehr Nackte diesseits und jenseits der Pornografie. Und dort finden sich auch vermehrt die gestickten Deckchen, die der Bewohner zu hunderten sammelte und die meist mit moralischen Sinnsprüchen versehen wurden. Die Wände aller Räume sind, soweit es das Mobiliar zulässt, vom Boden bis zur Decke mit Bildern aller Art angefüllt. Davor stehen Möbel aller Art. Ein Polstersessel, ein Gründerzeitesstisch, Sofas, Couchtische, Beistelltische, Teetische, Nähtische, Nachttische. Der Bewohner dieser Wohnung, Siegmar Piske (1942 2009), ehemals Oberkonsistorialrat (Jurist) der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, ist nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Aber als er noch lebte und bei Gesundheit war, verbrachte er viel Zeit mit Exkursionen und Studienreisen sowie dem Sammeln von Dingen: darunter auch Münzen, Porzellan und Kleinskulpturen, Zeitungsartikel und Bildchen von Models und jungen Männern, die er in Alben klebte, hinter Spiegel steckte, mit Magneten am Kühlschrank befestigte oder über den Kupfertöpfen auf dem Herd. Etwas muss jedoch vorgefallen sein war es der Tod seiner großen Liebe, waren es Probleme mit dem Coming Out oder auch nur die Enttäuschung über die Wiedervereinigung? dass eine Dachgeschoßwohnung zum Rückzugsort für ihn wurde. Dort oben entstand eine schwule Welt. Und diese Welt geht nun als Erbe an das Schwule Museum. Die „schwulen Objekte“ sollen in den Besitz des Museums übergehen, die anderen sollen versteigert werden. Doch wo ist hier die Grenze zu ziehen? Ist die KPM-Vasen-Sammlung nicht am Ende viel schwuler als die Kollektion von Pornos oder die Skulpturen nackter Männer, die zu Dutzenden in allen Winkeln arrangiert sind? Bevor dieses Mosaik aus persönlichen Erinnerungen und Sehnsüchten auseinandergerissen, eingelagert oder verkauft wird, soll ein Teil dieser Wohnung für kurze Zeit in den Räumen des Schwulen Museums als Rekonstruktion ins Bewusstsein der Öffentlichkeit treten. |
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