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Biografien in der Dauerausstellung Nr. 3 english
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Eberhardt Brucks bei seiner Ausstellung 1951 im Rathaus Tempelhof,Foto von Kurt Sommer ![]() Der Traum vom Winde, Federzeichnung von Eberhardt Brucks 1951 |
29. November 2005 bis 5. April 2006
Der Künstler Eberhardt Brucks
Präsentation im Rahmen der DauerausstellungEberhardt Brucks gehört zu der Generation deutscher Homosexueller, die im liberalen Klima der Weimarer Republik aufgewachsen sind, deren Ausbildung und Coming-out jedoch in die Zeit der zunehmenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten fielen. 1917 in Berlin-Lichtenrade als letztes von drei Kindern geboren, wuchs Eberhardt Brucks in einer Familie auf, die trotz Krieg und Weltwirtschaftskrise versuchte, den Kindern eine unbeschwerte Jugend zu ermöglichen. Nach Abschluss des Reform-Real-Gymnasiums besuchte er ab 1936 die Textil- und Modeschule Berlin am Warschauer Platz. Hier studierte er Kostüm- und Bühnenbildnerei in der Theaterklasse von Waldemar Kohlund. In diese Zeit fielen seine ersten homosexuellen Erlebnisse. Gelegenheit boten ihm die Heimlichkeit und Verschwiegenheit der Dampfbäder. Brucks berichtet auch von Besuchen im Lokal Bei Barth in der Fasanenstraße, das sich in jenen Jahren trotz der Repressionen als Homosexuellentreffpunkt halten konnte. Noch vor Abschluss seiner Ausbildung wurde Eberhardt Brucks 1938 zum Arbeitsdienst eingezogen. Wehrdienst und Dienstverpflichtung als Soldat folgten. Aufgrund einer Behinderung blieb er bis Ende des Krieges im Restkommando Flak-Regiment 32 in Berlin-Schulzendorf stationiert. Auch während dieser Zeit nutzte Brucks die kleinen Freiheiten, die sich ihm boten. |
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Er besuchte Aktzeichenkurse an der Hochschule für Bildende Künste
am Steinplatz und nutzte noch bis 1943 Freifahrten, die ihm als Soldat
zustanden, vornehmlich zum Nacktbaden auf die Insel Sylt, wofür er
auch seine Kameraden begeistern konnte. Beim Einmarsch der Russen kam
er in Gefangenschaft nach Fürstenwalde, aus der er im Oktober 1945
entlassen wurde. Wegen einer unausgeheilten Hepatitis, die sich Brucks als Soldat zugezogen
hatte, gestatteten ihm die Alliierten 1947 einen 18-monatigen Aufenthalt
bei Verwandten in Lugano. Über neugewonnene Freunde hörte er
erstmals von der Züricher Homosexuellenorganisation Der Kreis.
Im Frühjahr 1948 erlebte Brucks eine Zusammenkunft der Kreis-Mitglieder
in Zürich. Hier lernte er die ungezwungene Atmosphäre unter
Gleichgesinnten kennen und lieferte fortan Zeichnungen und Gedichte für
die internationale Zeitschrift der Organisation. Über das Netzwerk
der Organisation erfuhr Brucks von der sich neu formierenden Homosexuellenbewegung.
Er nahm Kontakt u.a. zu Hermann Weber auf, der im August 1949 in Frankfurt/Main
den Verein für humanitäre Lebensgestaltung gründete. Die Originale hiervon gelten als verschollen. Der Jurist Laserstein wurde
nach Erscheinen des Buches strafversetzt und nahm sich wegen angedrohten
Berufsverbots das Leben, Über eine Kontaktanzeige im Amicus-Briefbund lernte Eberhardt Brucks 1951 den Berliner Hans Pählke kennen. Mit Hansi, wie Brucks den fünf Jahre jüngeren Angestellten der GASAG nannte, fand er die Freundschaft seines Lebens. Gemeinsame Reisen führten immer wieder auf die Insel Sylt, die Brucks schon vor 1945 wegen seiner Vorliebe für Freikörperkultur besucht hatte. Pählke wiederum eröffnete Brucks die Welt der Musik. Die Freundschaft zu Hans Pählke wurde von Brucks´ Mutter Martha akzeptiert. Mit ihr lebte der Künstler nach dem Tode des Vaters in der elterlichen Wohnung. Sein Zimmer war zugleich Atelier. Es war eine Zufluchtsstätte für Hansi, dessen Mutter Homosexualität ablehnte. Die zeitbedingten Vorurteile mündeten in ein familiäres Drama: 1963 nahm sich Hans Pählke das Leben, wenige Wochen später beging seine Mutter Selbstmord. Den Verlust des Freundes suchte Brucks künstlerisch zu verarbeiten.
Die Bilder der folgenden Jahre beinhalten religiöse Motive. In den
60er Jahren wirkte er beim Berufsverband Bildender Künstler
und nutzte dessen Ausstattung zur Herstellung von Radierungen. Neben der
Übernahme kleiner Filmrollen war Eberhardt Brucks bis in die 80er
Jahre als freischaffender Grafiker tätig und lebt heute in Berlin. |
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