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16. März 2007 bis 28. Mai 2007
AUSSENSEITER : HANS MAYER
19. März 1907 - 19. Mai 2001
Hommage zum 100. Geburtstag

Herlinde Koelbl: Hans Mayer am 3.4.1987 in Tübingen

"Mach Dein Schwulsein öffentlich!" hieß in den 1970er Jahren eine der Forderungen der sich neu formierenden Schwulenbewegung. Damals ein radikaler Aufruf, dem nur wenige folgten. Umso erstaunlicher war 1975 das Erscheinen von Hans Mayers Bekenntnisbuch "Außenseiter", in dem er genau dieser Forderung Nachdruck verlieh. Im Zentrum des Buches stand Mayers These, dass die bürgerliche Aufklärung gescheitert sei, gescheitert an ihrem Gleichheitspostulat, das die existenziellen Ungleichheiten von Frauen, Schwulen und Juden nicht zur Kenntnis nimmt, sie als das Fremde aus dem bürgerlichen Leben ausblendet oder gar verfolgt.
Flankiert von den Frauen, die eigentlich keine Minderheit sind, aber mit ihrer Emanzipation den Ängsten der Männer Vorschub leisten, und den Juden als der klassischen Minderheit in einer christlich fundierten Gesellschaft steht Mayers Bewohner von Sodom, der vor Gott und den Menschen ein Ärgernis ist. Hans Mayer hat in seinen Erinnerungen vehement bestritten, dass seine "Außenseiter" autobiographisch zu deuten seien: "Ich habe unter meiner Herkunft und meiner Veranlagung nie je gelitten". Er fand das Schwulsein an sich eher langweilig und war, wie es Reich-Ranicki ausdrückte, wohl immer sehr einsam. Ähnlich wie bei Golo Mann, muss man auch in seinen Erinnerungen zwischen den Zeilen zu lesen verstehen. Der Intellektuelle Hans Mayer verschweigt und verweigert durchgängig private Empfindungen. Zusammenstöße mit einer feindlichen Gesellschaft, die ihn nicht nur als Juden, sondern auch als Schwulen bedrohen - wie seine Verurteilung wegen Verführung eines jungen Mannes in der Schweiz, die eine Gefängnisstrafe nach sich zog - werden zur Wirtshausschlägerei geschönt. Hans Mayer, eigentlich Jurist, war auch in seiner beruflichen Karriere als Professor der Germanistik ein Außenseiter, der sich zwischen allen Stühlen wieder fand. Ein Wanderer zwischen den Welten: als Jude blieb ihm die junge Bundesrepublik unheimlich, aber auch sein Engagement, für die Sache des Sozialismus erwies sich als schwierig.

Dieses Gefühl der Fremdheit erklärt die ungeheure literarische Produktion. Hans Mayer hat sich seinen Platz in der deutschen Nachkriegswelt, Ost wie West, buchstäblich erschrieben. Dass er dabei zum Egomanen wurde, war wohl unumgänglich. Das Schwule Museum widmet Hans Mayer zu seinem 100. Geburtstag eine Ausstellung, die Leben und Werk am Beispiel seines Buches "Außenseiter" illuminiert. Unsere Empfehlung: Hans Mayer lesen!

Wolfgang Theis




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Pressestimmen



 
Junge Welt, 17. April 2007
Ohne Geheimnis [...] Nun also Hans Mayer, der schwule deutsche Jude, der einmal bekannte: »Ich habe unter meiner Herkunft und Veranlagung nie je gelitten.« Seine Weggefährten haben das dem marxistischen Literaturwissenschaftler allerdings nicht abnehmen wollen. Marcel Reich-Ranicki hielt ihn gar für den »unglücklichsten Menschen, den man sich denken kann«, wie er 2001 in seinem Nachruf schrieb. Im Schwulen Museum muß man zuerst eine Ausstellung über die wie Mayer 1907 geborene »Nazischlampe« (Alf Bold) Zarah Leander durchqueren, um zu ihm zu gelangen. [...] Wenn Kurator Wolfgang Theis davon spricht, daß mit der Ausstellung Leben und Werk Hans Mayers am Beispiel der »Außenseiter« illuminiert werden sollen, dann fragt man sich allerdings, worin diese Illumination bestehen mag? Und worin sie über den gängigen Schluß, daß jemand, der über schwule Themen schreibt, auch selbst schwul sein muß, hinausgeht? Denn Hans Mayer war keiner »von uns« im Sinne einer heutigen gay community, und es gibt bei ihm auch kein zwischen den Zeilen zu bergendes Geheimnis. [...] Florian Neuner
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