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2. Juni 2006 bis 18. September 2006
Paradiese - Schätze aus der Sammlung Sternweiler
ausgewählt von J. M. Krüger |
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![]() Ludwig von Hofmann, Jünglinge beim Baden, Radierung, um 1918 ![]() Im Café, Holzschnitt eines unbekannten deutschen Künstlers, Mitte der 1920er Jahre ![]() Hans John, Badende in Märkischer Landschaft, Ölgemälde, 1931 ![]() Peter Martin Lampel, Fürsorgezöglinge, Freunde, um 1929, Öl auf Leinwand, Berlin ![]() Zeus küsst Ganymed, Kupferstich nach einem Fresko, aus: Winckelmann's gesammelte Werke, Band 5 (Dresden 1812) ![]() Thomas Piroli nach Michelangelo Ausschnitt aus dem Jüngsten Gericht in der Sixtina, Umrissradierung, Paris 1808 ![]() Starpostkarte des Damenimitators Bobby Walden, Berlin, um 1900 ![]() C. Ghisi, Die Skulptur Pan und Daphnis in der Sammlung Cesi in Rom, Kupferstich, 16. Jahrhundert ![]() Gott erbost sich über das Treiben in Sodom, Illustration aus Le pot pourri de Loth, 1871 |
In unterschiedlichsten
Versionen haben sich Menschen zu allen Zeiten ursprüngliche ideale
Welten erdacht, aus denen sie stammen und in die sie sich zurücksehnen.
Diese Traumwelten bekamen Namen wie Paradies, Elysium, Olymp, Himmel oder
das verlorene Arkadien. Es ging dabei um die Transponierung von Glückseligkeit,
von menschlichen Gefühlen und Sehnsüchten auf eine andere Ebene
und zumeist in eine weit entfernte Vergangenheit.
Zwei entgegengesetzte Konzeptionen beeinflussten die Vorstellung vom Paradies: Die Vielfalt mythischer Gestaltungen in der Antike und die christlich-jüdische Vorstellung vom Garten Eden. Das verlorene Paradies von Adam und Eva bedingte die christliche Vorstellung von einer Zweiteilung der Welt in Gut und Böse, in Himmel und Hölle. Die Antike war seit ihrem Untergang eine gelungene Projektionsfläche für unterschiedlichste Ansichten, Ideen und Wünsche. Der zentrale Unterschied war die Einstellung zu Sexualität, Hetero- wie Homosexualität. Im Christentum wurde sie verteufelt und zum Grund für die Vertreibung aus dem Paradies erklärt. In der Antike hatte sie einen positiven Stellenwert in der Götterwelt, in den Mysterien, der Philosophie und im Leben. Die Wiederentdeckung antiker Texte und Kunstwerke im Mittelalter, verstärkt aber in der Renaissance führten zur Übernahme derartiger antiker Vorstellungen vom Leben für die Gegenwart. Dies bedingte immer auch freiere Ansichten zu Homosexualität. Daneben konnten zeitgenössische Orte der Liebe und Unbefangenheit wie Badehäuser und Schwimmplätze, aber auch die Prostitution in den Städten zu Plätzen antiker Freiheit stilisiert werden. Dem folgten die französischen Liebesinseln und Liebestempel des 18. Jahrhunderts. Italien wurde als neues Paradies besungen. All diese Fluchtbewegungen boten auch den Homosexuellen eine Möglichkeit, sich auf die Suche nach Arkadien zu begeben. Paradiesvisionen waren von zentraler Wichtigkeit als Stütze für das Erdulden einer unbefriedigenden Wirklichkeit. Sie hatten eine politische Dimension. Das Imaginieren von positiven Gegenwelten konnte zum Kampfmittel gegen Unterdrückung und Verfolgung werden, zu Manifesten der Selbstbehauptung. Der Fremdwahrnehmung und Entäußerung wurden solche Bilder der Selbstdarstellung entgegengehalten. Die Ausstellung bietet einen Gang durch die Jahrhunderte und versammelt
in zehn Themenbereichen künstlerische Arbeiten aus der Sammlung Sternweiler.
Diese wurde in den letzten 20 Jahren parallel zur Entwicklung des Schwulen
Museums von dem Kunsthistoriker Dr. Andreas Sternweiler und seinen Eltern
Anneliese und Dieter B. Sternweiler aufgebaut. Es handelt sich dabei um
Sicherungskäufe von Materialen, die im Antiquariats-, Kunst- und
Auktionshandel auftauchten, vom Schwulen Museum wegen des fehlenden Etats
nicht angekauft werden konnten und sonst in alle Winde verstreut worden
wären. Der Schwerpunkt dieses Bestandes liegt bisher auf der Zeit von 1950 bis
heute. Die Sammlung Sternweiler umfasst hingegen Material aus den Bereichen
Kunst, Fotografie, Sozialgeschichte, Travestie und Schwulenbewegung von
1500 bis 1950. Zahlreiche Leihgaben aus der Sammlung Sternweiler wurden
bisher schon in unseren Ausstellungen gezeigt und sind unabkömmlicher
Bestandteil der Dauerausstellung. In der Ausstellung Paradiese ist nur
ein Teil der künstlerischen Arbeiten zu sehen. Jetzt bietet sich erstmals für das Schwule Museum die Chance, unter
Mithilfe staatlicher Gelder einen großen Ankauf zu tätigen
und die Sammlung Sternweiler als eine der umfassendsten privaten Sammlungen
zur schwulen Geschichte und Kunst zu erwerben. Dies wäre die ideale
Vergrößerung und Ergänzung der Bestände des Schwulen
Museums und ein krönendes Geschenk zu seinem 20jährigen Bestehen.
Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf der Sammlung
Sternweiler mit 50.000 Euro. Diese nicht unerhebliche Summe ist eine Anerkennung
der langjährigen Arbeit des Schwulen Museums, die von ehrenamtlichen
Mitarbeitern und ohne kontinuierliche staatliche Förderung erbracht
wird. Ein Teil der Ankaufssumme soll von weiteren privaten und öffentlichen
Stiftungen und Institutionen eingeworben werden. Das Schwule Museum wird
einen Betrag von 40.000 Euro aus Vermächtnissen, die es schon erhalten
hat, aufbringen. Weitere 40.000 Euro möchten wir durch eine Sammelaktion
während der Ausstellung Paradiese von Besuchern und Sponsoren aus
der schwulen und lesbischen Community zusammenbringen. Dafür benötigen
wir jetzt Ihre Unterstützung. Jede kleine oder größere
Spende trägt zu diesem Ziel bei und wird dankend entgegengenommen.
In kontinuierlicher Arbeit haben der Verein der Freunde eines Schwulen Museums und seine Mitarbeiter eine voll funktionstüchtige Institution nicht nur innerhalb der schwulen Community, sondern auch für die Stadt Berlin aufgebaut. Als weltweit erste und noch immer einzige Institution seiner Art ist das Schwule Museum in seinem Aktionsradius international ausgerichtet und als Ansprechpartner u.a. des Holocaust Museums in Washington oder des Deutschen Historischen Museums in Berlin gefragt. Zahlreiche Ausstellungen, Filme und wissenschaftliche Arbeiten konnten durch unsere Mithilfe und die Nutzung unserer Bestände gefördert werden. Wir benötigen Ihre Unterstützung! Mit Ihrer Spende tragen auch
Sie dazu bei, die Zukunft des Schwulen Museums zu sichern und auszubauen! |
![]() K. Oechsler, Nach dem Picknick, Öl auf Karton, um 1930 ![]() Alexander (Sascha) Schneider, Gymnasion, (nach dem Ölgemälde "Knabenriege"), um 1912, Kunstdruck |
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Pressestimmen
![]() Berliner Zeitung, 24. Juni 2006 Geheime Paradiese [...] Muss man schwul sein, um in Rosso Fiorentinos Herkules an ein Pornomodell von heute zu denken? So lasziv präsentiert er sein Hinterteil, als wollte er für alle Zeit seine aufreizende Virilität demonstrieren. Sind die Augen erst einmal geöffnet, dann findet man überall in der Kunst - sei es bewusst oder unbewusst - Andeutungen auf Homoerotisches. Ausführlich wie noch nie ist das jetzt im Schwulen Museum in Berlin zu erleben. [...] Die Ausstellung bietet ein unerschöpfliches Bildreservoir aus dem geheimen und offenen Leben der "Päderasten" und "Sodomiten", als welche die Homosexuellen Jahrhunderte lang verfolgt wurden. Zu rühmen sind die ausführlichen Beischriften, die uns kundig durch die schwule Kulturgeschichte führen. Sie öffnen uns die Augen für versteckte Orte der Liebe wie Badehäuser oder antike Latrinenruinen, lassen uns Freundschaftsbilder verstehen, die erst nach 1900 zunehmend freimütiger wurden. [...] Sebastian Preuss zum Artikel Der Tagesspiegel, 25. Juni 2006 Von Göttern umarmt [...] Nackte Männer, wohin man schaut. Junge athletische Fischer geben sich gemeinsamen Badefreuden hin. Antike Götter umarmen Sterbliche. Lederboys pinkeln in Champagnergläser. Homoerotische Fantasien von Michelangelo bis Bruce of zum Artikel |
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