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16. März 2007 bis 28. Mai 2007
Kann denn Liebe Sünde sein?
Zarah zum Hundersten |
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Zarah Leander, 1959, Quelle: Deutsche Kinemathek |
Zarah Leander hat wie keine andere die Sehnsucht der Deutschen nach dem geheimnisumwitterten Weib gestillt. Ihre heroischen Frauenfiguren entsprachen so gar nicht dem faschistischen Frauenbild und bestätigten es dennoch. Sie war ein Naturereignis, ihre tiefe Stimme bezauberte ganz Europa, ihr traumwandlerischer Blick sollte über die Abgründe des Dritten Reiches hinweg täuschen. Täter wie Opfer verehrten den Star mit dem biblischen Namen Zarah. Als sie 1943, noch vor dem Fall von Stalingrad, in ihre schwedische Heimat zurückging, fühlten sich die Deutschen verlassen. Ihre Filme liefen aber weiterhin im Kino, die Ufa konnte und wollte nicht auf die enormen Einnahmen verzichten. |
| Aufgebaut wurde sie als deutsche
Greta Garbo und als Ersatz für die nach Hollywood entschwundene Marlene
Dietrich. Sie war der Vamp mit Bodenhaftung, die Diva, die in DIE GROSSE
LIEBE (1942) zur Soldatenfrau mutiert und damit bis zum Kriegsende über
27 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte. Hier spiegelten und vermischten
sich die realen Erfahrungen ihrer Zuschauer und Zuschauerinnen mit der unterschwelligen
Propaganda. In Schweden wurde sie nach 1942 als Nazi-Star angefeindet, die
Rückkehr ins Rampenlicht war mühsam. In Deutschland hatte man
sie nicht vergessen, vor allem in der Bundesrepublik konnte sie als Sängerin
mühelos an ihre alten Erfolge anknüpfen. Zarah Leander war trotz
ihres Lampenfiebers süchtig nach der Zuneigung ihres Publikums. Selbstironisch
bis zur letzten Butterfahrt war sie nicht von Auftritten abzuhalten.
Böse Zungen behaupteten, dass ihre Konzerte immer montags stattfänden, weil da die Frisöre frei hätten. Zarah hatte immer ein Herz für die Schwulen, die es ihr mit übergroßer Anhänglichkeit und Zuneigung dankten. Kein anderer Star hat den - auch nach dem Dritten Reich verfolgten - Schwulen so nahe gestanden wie Zarah Leander. War's ihre tiefe Stimme, ihre ironische Mütterlichkeit, die Anstrengung, die es sie kostete, auch im Alter den Vamp zu geben oder doch eher ihre frivolen Liedtexte? Sie bot den Schwulen ein Gefühl des Verstandenseins. Nicht ganz unschuldig daran war ihr bevorzugter Songtexter Bruno Balz, der, selber schwul und mehrfach in die Mühlen der Justiz geraten, wusste, wovon er schrieb und welche Sehnsüchte seine Texte bedienten. Die Hommage des Schwulen Museums zum hundertsten Geburtstag der Diva
zeigt opulentes Material aus ihrem Schaffen von Bühne und Film, beleuchtet
die Freundschaft zu Bruno Balz und Michael Jary und dokumentiert die schwule
Verehrung. Die Exponate stammen aus den Beständen der Deutschen Kinemathek,
aus dem Nachlass Bruno Balz, aus der Sammlung von Paul Seiler und vielen
weiteren privaten Leihgebern und Verehrern. |
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Pressestimmen
![]() taz, 24. März 2007 Die große Liebe der Soldaten [...] Das Schwule Museum macht wieder einmal eine Diva zum Thema einer Ausstellung, und wie immer wird die Diva von den Ausstellungsmachern rückhaltlos geliebt: Zarah Leander, die in diesem Monat ihren hundertsten Geburtstag hätte feiern können. [...] Überhaupt sind die Nazis zugleich abwesend und anwesend in diesem Fanprojekt. Die große "Zarah" selbst erscheint wie von allen Vorwürfen reingewaschen. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass sie eine notorische Nazisse war. Sie kroch - anders als etwa Heinz Rühmann - nicht ganz so tief in den Enddarm des Reichspropagandaministers. Man muss sogar anerkennen, dass sie, wenn auch erst 1942, das Reich floh und eben nicht durchhalten wollte bis zuletzt. Das ändert aber nichts daran, dass sie spielte, dieweil andere wie eben die Dietrich sich auch mit Unmengen von Geld nicht locken ließen. Sie log sich vor: "Beim Film gibt es keine Nazis." Zarah Leander ging erst 1942 endgültig in ihre schwedische Heimat zurück, nach dem Wehrmachtsdebakel von Stalingrad, das bereits vom Untergang Nazideutschlands kündete. [...] Jörg Sundermeier zur Homepage | |
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