Führung 01. März 2017 - 30. April 2017

Öffentliche Führungen im Schwulen Museum*

Samstag, 1. April um 16:00 Uhr Kurator_innenführung zu Siegfried Wagner auf Deutsch.

FÄLLT LEIDER AUS Donnerstag, 6. April um 18:00 Uhr Führung zu Lightest Shade of Aflatoon auf Englisch.

Samstag, 8. April um 16:00 Uhr Kurator_innenführung zu ğ – queere Formen migrieren auf Englisch.

Donnerstag, 13. April um 18:00 Uhr Führung zu Lightest Shade of Aflatoon auf Deutsch.

Samstag, 15. April um 16:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.0 ("Rock Hudson und die AIDS-Krise") auf Deutsch.

Donnerstag, 20. April um 18:00 Uhr Kurator_innenführung zu Siegfried Wagner auf Deutsch.

Samstag, 22. April um 16:00 Uhr Kurator_innenführung zu ğ – queere Formen migrieren auf Englisch/Türkisch.

Donnerstag, 27. April um 18:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.0 ("Rock Hudson und die AIDS-Krise") auf Englisch.

Samstag, 29. April um 16:00 Uhr Führung zu Lightest Shade of Aflatoon auf Englisch.

Die Führungen sind kostenlos, bezahlt werden muss nur der Eintrittspreis für das Museum* selbst.

Führungen für private Gruppen, Bildungsreisen etc. können unter fuehrungen(at)schwulesmuseum.de angefragt und gebucht werden. Für Führungen durch das Museum und seine Ausstellungen empfehlen wir eine Gruppengröße von maximal 25, für Führungen durch das Archiv maximal 15 Personen.

Aktuell 30. April 2017, 16.00h - 30. April 2017

Special Gallery Weekend

Das „Special Gallery Weekend“ setzt sich aus einer Lesung und einem Workshop zusammen.

 

"LESUNG (Englisch): 'Tragedy of a Beardless Boy': Ausgewählte Kapitel mit Gökcan Demirkazık" 15 Uhr - Schwules Museum*

“Tragedy of a Beardless Boy" ist der Titel eines Gedichts des sozialistischen und queeren Poeten Arkadaş Z. Özger (1948-1973), dessen außergewöhnliches Werk trotz der Kürze seines Lebens in Vergessenheit geriet. Ausgehend von Intersubjektivität und der Debatte über Gender- Symbole in Özger’s Gedicht, wird Gökcan Demirkazık das Fehlen eines Gründungsmythos für queere Kunst aus der Türkei reflektieren und das Konzept von „Mobilität“ anhand von Beispielen individueller künstlerischer Praxis (Taner Ceylan, Lukas Duwenhögger, Gülsün Karamustafa, Aykan Safoğlu, Metehan Özcan und Nil Yalter) nachzeichnen. In der Lesung wird auch von einem persönlichen Standpunkt ausgehend untersucht werden, inwiefern queere Geschichtsschreibung zu einer Voraussetzung für queere Zukunft wird.

Gökcan Demirkazık lebt als Autor und Kurator in Istanbul. Seine bisherigen Texte erschienen bei Artforum, Frieze, ArtAsiaPacific, Hyperallergic, m-est.org, ArtUnlimited und Istanbul Art News. Derzeit arbeitet er als Research/Editorial Assistant bei SALT.

Die Lesung ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung 'ğ - das weiche G - queere Formen migrieren'

 

WORKSHOP / LESUNG: "Fucking Germany - Das letzte Tabu oder mein Leben als Escort" mit Esma Gülsoy, Adir Jan Tekin, Emrah Gökmen, Birol Işık. 16 Uhr - Schwules Museum* (auf Deutsch)

“Cem ist ein professioneller Escort. Er lässt sich für Sex bezahlen. Knapp 100 Euro kostet es, sich eine Stunde lang die Bedürfnisse nach schnellem Sex, nach Erniedrigung und Autorität, nach Zuwendung und Geborgenheit befriedigen zu lassen. Das ist nicht ganz unbekannt. Gänzlich unbekannt sind die Ausmaße dieses speziellen Zweiges der Dienstleistungsbranche, der hohe Grad an Organisiertheit sowie die Vielfältigkeit der Kundschaft: Manager, Messebesucher, die Parfümverkäuferin, Hartz-IV-Empfänger oder der Nachbarpapi. Cem Yildiz erzählt aus einer Welt, in der Exzesse, Gewalt, Drogen, aber auch grenzenlose Hoffnungslosigkeit herrschen und in der zwischen Pissoir, Hotelsuite, verzweifelten Strichjungen und Drei-Sterne-Escorts alles vertreten ist. Ein Insiderbericht, der es in sich hat!” Lesung aus dem Buch ‚Fucking Germany- Das Letzte Tabu oder mein Leben als Escort’, Westend Verlag, 2009."

Der Workshop ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung 'ğ - das weiche G - queere Formen migrieren'

„ğ – das weiche g“ wird unterstützt vom Regierenden Bürgermeister von Berlin –Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.

 

Eintritt:
4 EURO (Das Ticket ist nur für die jeweilige Veranstaltung gültig und berechtigt zum Eintritt in die Sonderausstellungen im Schwulen Museum*. Einlass ab 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung)

Aktuell 04. Mai 2017, 18.30h

Diskussion mit Barrie Kosky: Annäherung an Wagner aus queerer Perspektive

 

Diesen Sommer inszeniert mit Komische-Oper-Intendant Barrie Kosky erstmals ein selbsterklärtes „schwules jüdisches Känguru“ bei den Bayreuther Festspielen. Eine Konstante in der Arbeit des australischen Regisseurs ist die queere Perspektive – so auch bei den Werken Richard Wagners.

Aber was genau ist diese queere Perspektive? Und wie erlebt ein schwuler Australier wie Kosky die orgiastische Überwältigungsmusik von Richard Wagner? Kosky sagt in bestem Facebook-Deutsch zu seinem Wagner-Verhältnis: „It’s complicated.“

Die komplizierte Beziehung teilt er mit vielen Schwulen der Vergangenheit. Bereits 1873 veröffentlichte ein gewisser Dr. Th. Puschmann Richard Wagner: Eine psychiatrische Studie und meinte, der Komponist sei „psychisch nicht mehr normal“ wegen seines Interesses an „Männerliebe“. 1895 beschreibt Oskar Panizza in Bayreuth und Homosexualität den Parsifal als „Ersatzbefriedigung für Päderasten“. Der italienische Kriminologe Cesare Lombroso nennt Wagner 1897 in Genio e degenrazione „un psicopatico sessuale“. Walter Pater – Lehrer von Oscar Wilde – schreibt 1877 über den Tannhäuser-Mythos. Wobei Tannhäuser als Geschichte zwischen Sinnestaumel im Venusberg und keuscher Ritterwelt von Homosexuellen gern als Metapher auf ihr eigenes Leben interpretiert wurde. Auch von Oscar Wilde in Das Bildnis des Dorian Gray (1890/91). Siegfried Wagner nannte Tannhäuser seine Lieblingsoper und inszenierte sie 1930 bei den letzten von ihm geleiteten Festspielen – ein homoerotischer Triumph, trotz Protesten von konservativ-völkischen Wagnerianern.

Wie reagieren Zuschauer_innen und Kritiker_innen heute, wenn man Wagner queer interpretiert? Laufen sie immer noch Sturm, wie 1930? Was für Erfahrung hat Barrie Kosky im Laufe der Jahre mit Homophobie im Opernbetrieb gemacht, welche macht er noch immer als Intendant der Komischen Oper? Wie geht er mit den permanenten Anfeindungen um, vor allem von schwulen Großkritikern?

Barrie Kosky ist unser Gast im Rahmen der Siegfried-Wagner-Ausstellung und wird mit Kurator Dr. Kevin Clarke über Wagner diskutieren, nachdem die beiden bereits 2016 für RBB über Tschaikowsky und Homosexualität gemeinsam auf dem Podium in der Behrenstraße saßen.

In einem Statement für die Siegfried-Wagner-Ausstellung sagt Kosky übrigens zu Richard Wagner: „Seine in den letzten Jahrzehnten aufgedeckte Besessenheit für rosa Seidenunterwäsche und Korsette deutet darauf hin, dass Wagner ein Cross-Dresser war. Parsifal in Dessous komponiert! Was für eine Vorstellung!!!“

Was er sonst zu sagen hat, auch über Siegfried Wagner und dessen Homosexualität,  erfährt man am 4. Mai um 18.30 Uhr. (Eintritt: 4 Euro)

Aktuell 05. Mai 2017, 19.00h - 05. Mai 2017

Performance: Spiegel der Gnosis mit Michael Daoud

Das Leben ist zu kurz und zu fabelhaft um sich in Selbstmitleid zu suhlen. Meine eigenen Mentoren fand ich erst langsam während meiner Reise. Sie inspirierten mich dazu, mein Leben daran auszurichten wie ich es leben will und nicht, wie es andere von mir verlangen. Wenn man erst realisiert, dass niemand auf der Erde perfekt ist, findet man die Kraft sich selbst zu akzeptieren. Das befähigt uns, ein großartiges Leben zu führen.

Wenn wir unseren eigenen Wert erkennen, schauen wir zurück und sehen, dass unsere Reise keine einfache war. Ich stand mit dem Rücken zur Wand, bevor ich anfing dagegen zu halten.

Deshalb kann ich bezeugen, dass ich nicht immer so war. Mein eigenes Licht fand ich erst, als es nicht mehr dunkler werrden konnte, als ich keine Tränen mehr weinen und nirgends mehr hingehen konnte. Endlich ging ich auf mich selbst zu und fand meine eigene Stimme. Es war magisch.

Spiegel der Gnosis ist eine fiktionale Dokumentation über die endlose Reise von Neuankömmlingen, ihrer kulturellen Reflektionen, Demarkationen und sexuellen Orientierung. 

Eine Performance mit Michael Daoud. (Website | Facebook)

Aktuell 18. Mai 2017, 19.30h

Szenen und Gesänge aus Opern von Siegfried Wagner

Das auf CD verfügbare Siegfried-Wagner-Repertoir<wbr />e wäre deutlich ärmer ohne die Einspielungen der Sopranistin Rebecca Broberg. Neben zahlreichen Liederabenden in den USA und in Deutschland faszinierte sie mit intensiver Darstellung auf der Bühne, etwa in der Uraufführung von "Father, Have You Cursed Me?" (The Siegfried Wagner Story) in Philadelphia sowie als Venus, Kundry, Senta, Elsa, Brünnhilde und Isolde. Im WDR und Deutschlandradio Kultur war sie in der Übertragung der Oper "Der Heidenkönig" von Siegfried Wagner als Gelwa zu erleben (auch auf CD), ebenso in Deutschlandradio Kultur und im BR mit der weiblichen Hauptpartie in Siegfried Wagners "Der Kobold" (Foto oben), als Friedelind in Siegfried Wagners "Der Schmied von Marienburg", als Königin in Anton Urspruchs "Das Unmöglichste von Allem" sowie als Katherlies’chen in der Übertragung von Siegfried Wagners "An Allem ist Hütchen Schuld!" in Deutschlandradio Kultur (die DVD erscheint demnächst bei Naxos). 
Von ihrer intensiven Beschäftigung mit deutschsprachigen Liedern zeugen eine Reihe von Liederabenden und diverse CDs, u. a. mit sämtlichen Liedern von Siegfried Wagner (Marco Polo), mit sämtlichen Liedern von Ludwig Thuille und ausgewählten Liedern von Alexander Zemlinsky und Anton Urspruch, sowie mit einer Gesamteinspielung der Lieder und Gesänge von Erich J. Wolff (auf 6 CDs). 
Ulrich Urban, geboren in Frankfurt/Oder, studierte an der Hochschule für Musik in Leipzig, wo er ab 1991 eine Professor für Klavier innehatte. Er spielte als Solist u. a. mit der Hamburger und Dresdner Philharmonie, dem Gewandhaus Leipzig, dem Berliner Sinfonieorchester, der Staatskapelle Weimar, mit Orchestern im europäischen Ausland und südlichen Afrika. Mit einer Reihe deutscher Rundfunkorchester hat er mehr als zwanzig Klavierkonzerte aufgenommen, darunter C. Ph. E. Bach, Haydn, Mozart, Weber, Dvorak, Pfitzner, Reger, Richard Strauss, Ravel, und weitere Werke des 20. Jahrhunderts. Dabei wurde immer wieder seine durchsichtige und erlebnishafte Wiedergabe der kompakt verdichteten Werke aus der Zeit der Spätromantik hervorgehoben.
Oftmals war er als Kammermusikpartner namhafter Instrumentalisten und Sänger tätig und über einen begrenzten Zeitraum auch als Dirigent an einigen mitteldeutschen Orchestern.
Konzerte und Meisterkurse führten ihn auch mehrfach nach Südamerika, Japan, Südafrika und in die USA, zuletzt 2009 mit einem Klavierabend zum 200. Geburtstag Mendelssohns in der Nationalgalerie Washington. Seine zahlreichen CD-Aufnahmen umfassen alle Stilepochen seit Bach, setzen jedoch einen Schwerpunkt in der Musik des Überganges vom späten 19. zum frühen 20. Jahrhundert.
Gemeinsam mit Rebecca Broberg spielte er zwei CDs ein und gestaltete u. a. das Konzert am Vorabend der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2013 – mit Szenen und Arien von Richard und Siegfried Wager.
Eintritt: 4 Euro

Aktuell 25. Mai 2017, 18.30h

Die Verschwörung der Opernschwulen. Oder: Homophobie im internationalen Opernbetrieb. Eine Podiumsdiskussion

Man könnte meinen, das Thema Homosexualität in der Opernwelt sei heute kein Problem mehr – aber weit gefehlt. Erst im September 2016 schilderte die Kritikerin Eleonore Büning in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass „auffallend viele Schwule Oper toll“ fänden, aber dass ihre Begeisterung so „wahnsinnig anstrengend“ sei. Mehr noch: Die Opernschwulen würden sich neuerdings auch als politische Gruppe zusammenrotten, um Künstler_innen wie der georgischen Sopranistin Tamar Iveri das Berufsleben schwer zu machen, nachdem diese homophobe Bemerkungen auf Facebook gepostet hatte. Die Folge: Das gay friendly Opernhaus Sydney, wo Iveri auftreten sollte, schmiss sie raus! Büning findet das unerhört und unfair. Später erklärte sie gegenüber dem Schwulen Museum*, dass sie auch über unsere Siegfried-Wagner-Ausstellung voraussichtlich nicht berichten könne, weil das nicht in die FAZ passe. Warum genau, muss offen bleiben. Und wieso Le Monde aus Frankreich und El Mundo aus Spanien darüber berichten konnten, nicht aber die FAZ, bleibt weiterhin ein Geheimnis der deutschen Medienlandschaft.

Da fragt man sich schon, wie offen der Umgang mit dem Thema Homosexualität in der Opernwelt eigentlich ist. Der Blogger Johannes Kram hat eine gepfefferte (analytische) Büning-Replik veröffentlicht unter dem Titel „Die Verschwörung der Opernschwulen“ und gezeigt, dass es hier um knallharte Machtpolitik geht, die sich hinter einer schöngeistigen Feuilletonfassade versteckt. Und es geht um ideologische Grundsätze: Indem man manchen Themen keine Plattform gibt, verschafft man entsprechenden Gruppen keine Sichtbarkeit. Und wenn, dann nur eine negative, vor der man sich fürchten muss!

Unlängst brannte die Diskussion abermals auf, als ZEIT-Opernkritikern Christine Lemke-Matwey das komplette Kreativteam der Eduard II-Premiere an der Deutschen Oper Berlin „outete“ und beklagte, dass nicht mal Schwule selbst in der Lage seien, ein schwules Sujet künstlerisch wertvoll auf die Opernbühne zu bringen. Mit dem Verweis: Da sollten die Operntunten doch lieber Musik auf einer Gay Cruise im Mittelmeer machen, statt Staatssubventionen zu vergeuden. Es hagelte Proteste, u. a. vom Deutschen Bühnenverein. Aber war der satirisch zugespitzte Artikel von Lemke-Matwey wirklich homophob? Geht es nicht auch um homosexuelle Souveränität im Umgang mit Kritik?

Und wie homophob sind schwule Kritiker selbst, wenn sie sich lautstark über zu viel Cross-dressing und nackte Männerhaut in Inszenierungen von Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin beklagen oder wenn sie ihrerseits Eduard II verteufen? Wer darf da im aktuellen gesellschaftlichen Klima wie über wen sprechen? Frau Lemke-Matwey sagt selbst, sie habe das Gefühl, dass sich linker wie rechter wie schwuler Diskurs derzeit auf eine höchst ungute Art gegenseitig verstärken. "Humor wird da ebenso wenig verlangt wie freies Denken."

Über all diese Aspekte diskutieren wir im Rahmen der Siegfried-Wagner-Ausstellung mit Johannes Kram (Nollendorfblog), dem Opernkritiker Manuel Brug (Die Welt) und mit Christine Lemke-Matwey (Die Zeit) selbst. Hat sich das Klima in den letzten Jahren verändert, wie steht das deutsche Feuilleton im internationalen Vergleich da und gibt’s inzwischen mehr offen schwul-lesbische oder Trans* Künstler_innen im Opernbetrieb? Wieso kann ein Stardirigent wie Christian Thielemann nicht über deine sexuelle Orientierung und über seinen Lebenspartner in Interviews sprechen? Schadet ein „Outing“ nach wie vor einer Karriere im wertkonservativen Klassikbetrieb? Wieso sind ausgerechnet hochgebildete elitäre Opernfans (und Opernkritiker_innen) so reaktionär?

Die Moderation übernimmt Kurator Dr. Kevin Clarke; Fragen des Publikums sind erwünscht.

Eintritt 4 Euro