Lesung 14. April 2010, 19.30h

Angela Steidele - Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens

Adele Schopenhauer – Schriftstellerin, Künstlerin, die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer – und die "Rheingräfin" Sibylle Mertens-Schaaffhausen verband eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Seit 1828 waren sie ein Paar: "am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie – so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen", schrieb Adele ihrer Freundin Ottilie von Goethe. Sibylle Mertens war eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit, Musikerin, Komponistin, Archäologin, Antikensammlerin und Mäzenin.
Anhand vieler bisher unveröffentlichter Quellen erzählt Angela Steidele die Geschichte zweier ungewöhnlicher Frauen: Pionierinnen, die in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt in ihrem Privatleben Grenzen einrissen – zu einer Zeit, als es Liebe zwischen Frauen offiziell gar nicht geben durfte.

Führung 16. Mai 2010

Internationaler Museumstag

Sonderführungen durch die beiden Sonderausstellungen: Der androgyne Blick - Elfi Mikesch und Maria, Magdalena und all die andern.

Lesung 16. Mai 2010

Tagebuch einer männlichen Braut

Zur Jahreswende 1899/1900 fiel auf den Berliner Homobällen Alma de Paradeda besonders wegen ihrer eleganten und teuren Kleidern auf. Als sie sich dann in Paris in einen Lehrer verliebte, sogar verlobte, drohte die Maskerade aufzufliegen: sie war zumindest keine biologische Frau. Der Fall ging 1906 als "Eine männliche Braut" durch die Presse.
Anlässlich dieses Falles veröffentlichte der Schriftsteller Walter Homann die fiktive Geschichte eines Zwischenwesens, das sich schließlich als Damenimitator seinen Lebensunterhalt verdingte. Das Buch spielt in einer Zeit, als es noch keinen Begriff von jenem Phänomen gab, dem Magnus Hirschfeld schließlich den Namen Transvestitismus gab.
Jens Dobler, Leiter des Archivs und der Bibliothek des Schwulen Museums, hat das Buch in der Reihe Bibliothek rosa Winkel neu herausgegeben und sowohl über den Fall, den Autoren und die Geschichte des Buches Akten ausgewertet und Fakten zusammengetragen, die bislang unbekannt waren.

 

 

Lesung 17. Mai 2010, 19.00h

Wolfgang Bödiger liest Texte von Robert T. Odeman

Der Kabarettist Robert T. Odeman lebte während der Nazizeit in Hamburg und Berlin und arbeitete als Komponist und Autor für Rundfunk, Kabarett und Theater. Im Jahr 1943 bereits zum zweiten Mal wegen „Widernatürlicher Unzucht nach nach §175“ verhaftet und verurteilt, wurde er im Dezember 1944 ins KZ Sachsenhausen überstellt. Auf dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ Sachsenhausen im April 1945 gelang ihm gemeinsam mit zwei Freunden die Flucht.
Nach dem Krieg kehrte Odeman nach Berlin zurück und tauchte wieder ein in das aufblühende kulturelle Leben - als Text- und Musikautor, Kabarettist und Sänger. In den 50er Jahren erlangte er mit seinen in rascher Folge publizierten Büchern immense Popularität. Seit 1959 lebt er zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem Schauspieler Günther Nöring. Im selben Jahr begann er eigene Texte und Lieder für die Schallplattenfirma Telefunken aufzunehmen, die mit ihrer Serie Wort & Stimme in den 60er Jahren Rekordauflagen erzielte. In den 70er Jahren wurde es still um den beliebten Humoristen der leisen Töne. Er starb am 15. Januar 1985 in Berlin.
Aus dem literarischen Werk von Robert T. Odemann liest Wolfgang Bödiger, ehemaliger Redakteur und beliebter Moderator beim Südwestdeutschen Rundfunk (SWR).

Lesung 29. Juli 2010, 19.00h

Ich komm mir vor wie´ne Witzfigur: 50 Jahre Ralf König

Kurator Boris von Brauchitsch liest aus Die Welt der Knollennasen. Eine sozio-rhinologische Unter­suchung von Xaver Rammbock. Autor Xaver Rammbock ist Teil der "Knollen­nasenmatrix" und analysiert das Figurenuniversum von Ralf König quasi aus der Innen-Perspektive. Diese Wissenschaftsparodie ist komisch und aufschlussreich und ein Spass für alle Ralf-König-Fans. Dieses Universum hat viele Besonderheiten. Die Geschichten spielen in der Realität, die Figuren sind (abgesehen von einzelnen physischen Besonderheiten) echte Menschen, die als solche auch dem Alterungsprozess unterliegen, und der Witz der Geschichten wird aus den Eigenheiten und Angewohnheiten dieser realen Menschen gewonnen.
Was liegt also näher, als den Versuch zu unternehmen, all die in fast dreißig Jahren entstandenen Geschichten einmal gründlich zu analysieren und das "Weltbild" herauszuarbeiten, das ihnen zugrunde liegt.

Event 28. August 2010, 18.00h

Lange Nacht der Museen

Im Rahmen der Sonderausstellung Glitter and be Gay. Erik Charell und die schwule Operette präsentiert Kurator und DJ Kevin Clarke immer zur vollen Stunde ein heiteres Ratespiel mit Operettenmelodien. Als Preis winkt unter anderem das Original Broadway Cast Album vom WHITE HORSE INN - eine absolute Rarität mit quietschbuntem Booklet. Im Anschluss an die Quiz-Runden steht der Kurator für Fragen rund um die Ausstellung zur Verfügung.
Comic-Autor Ralf König gibt kurze Geschichten aus seiner Feder zum Besten - multimedial vorgelesen, bunt gemischt und kreuz und quer durch die Jahre und die Werke geblättert. Wer ihn einmal als Vortragenden erlebt hat, kann nicht umhin, sein schauspielerisches Talent zu bewundern.

Event 10. September 2010, 18.00h

HIP HOP COMING OUT

Kommerziell erfolgreicher deutscher Hip Hop arbeitet gern und immer wieder mit Gewalt verherrlichenden und obszönen Inhalten und bedient sich dabei sowohl rassistischer als auch sexistischer Stereotypisierungen. Das ist natürlich einerseits die Politik der Rapper und ihrer Label, hat aber andererseits auch mit den Medien zu tun, denen das immer noch berichtenswert erscheint ­ Sex(ism) sells! Wenig bekannt ist, dass sich auch queere Künstler_innen im Hip Hop, RnB, Soul, Funk Bereich angesiedelt haben. Sie entwerfen Hip Hop und Rap jenseits von Seximus, Homophobie und Rassismus. Mit ihren queeren Positionen setzen sie sich gezielt vom Mainstream ab und zeigen, dass HIP HOP auch anders politisch agieren kann. Auf diese Seite des HIP HOP wollen wir aufmerksam machen und darauf, dass HIP HOP mehr ist als Machismo, Autos und Goldkettchen. HIP HOP ist Beat, Message und Lebenshaltung, ­ HIP HOP ist Community und Aufruf zu friedlichem, respektvollen Umgang miteinander.

Lesung 30. September 2010, 19.00h

Ralf König: Antityp

Der Meister der Knollennasen Ralf König präsentiert sein neuestes Buch Antityp. Nach Adam in Prototyp und Noah in Archetyp begegnet uns im dritten Band der Trilogie nun der heilige Paulus in Knollennasen­form. Auch dessen post-biblische Geschichte interpretiert Ralf König wieder mit unnachahmlicher Ironie. Für das Schwule Museum gibt der Zeichner und Autor heute Abend Auszüge aus seinem Werk zum Besten, sehr unterhaltsam multimedial vorgelesen.

Lecture 05. November 2010, 19.30h

Gender_Cards: Vergessene Travestie-Stars im 19. und 20. Jahrhundert

Travestie-Artist_innen, Damenimitatoren, Herrendarstellerinnen, Verwandlungskünstler, Travestiekomiker_innen. Das Schwule Museum besitzt über 200 Abbildungen zu diesem Bühnengenre, bei denen es sich überwiegend um Künstlerpostkarten handelt. Die meisten Biografien sind heute vergessen, nur noch die Bilder erhalten. Sie zeugen von der Lust an der Verwandlung, dem Spiel mit den Geschlechterrollen, an dem unsere Ur-Großeltern offenbar großen Spaß hatten. Wir öffnen diese sehr spezielle Sammlung erstmalig im Rahmen der Ausstellung Gender_Gap und lassen in einem Lichtbildervortrag von Jens Dobler (Archivleiter des Schwulen Museums) die beinahe vergessenen Travestie-Welten wieder auferstehen.

Event 20. November 2010, 14.00h

Tribaden, Femmes und Kesse Väter: Langer Tag der Lesbengschichte(n) im Schwulen Museum

Am 20. November widmet das Schwule Museum einen ganzen Samstag mit verlängerten Öffnungszeiten der Lesbengeschichte. Mit Führungen, Vorträgen und Künstlerinnengesprächen in den laufenden Ausstellungen und einem Bühnen- und Filmprogramm im SchwuZ.

Lesung 25. November 2010, 20.00h

Lesemarathon „Stadt, Land, Buch“: Zwei Lieben

Im Rahmen des Lesemarathons Stadt, Land, Buch liest Rainer Vollath aus seinem Roman Zwei Lieben: Sachsenhausen, Flossenbürg, Berlin Nollendorfplatz – die Lebensstationen eines bewegten Lebens, einer bewegenden Geschichte.
Berlin 1938. Der 28-jährige Fritz wird im Berliner Tiergarten von der Gestapo ertappt, verhaftet und ins KZ gebracht. Sieben Jahre verbringt er in Sachsenhausen und Flossenbürg. Was ihm beim Überleben hilft, ist seine Liebe zu dem jungen Häftling Jan aus Warschau. Bei Kriegsende trennen sich jedoch ihre Wege für immer. Aus Angst vor Repressalien führt Fritz nach dem Krieg in Berlin jahrzehntelang ein Doppelleben und traut sich nicht, zu seinem Schwulsein zu stehen. Doch dann wird 1969 der Paragraph 175 entschärft, ein frischer Wind weht in der Metropole. Fritz versucht, eine Entschädigung für die im KZ erlittenen Qualen zu bekommen – und er lernt Will kennen.