Aktuell 04. Mai 2017, 18.30h

Diskussion mit Barrie Kosky: Annäherung an Wagner aus queerer Perspektive

 

Diesen Sommer inszeniert mit Komische-Oper-Intendant Barrie Kosky erstmals ein selbsterklärtes „schwules jüdisches Känguru“ bei den Bayreuther Festspielen. Eine Konstante in der Arbeit des australischen Regisseurs ist die queere Perspektive – so auch bei den Werken Richard Wagners.

Aber was genau ist diese queere Perspektive? Und wie erlebt ein schwuler Australier wie Kosky die orgiastische Überwältigungsmusik von Richard Wagner? Kosky sagt in bestem Facebook-Deutsch zu seinem Wagner-Verhältnis: „It’s complicated.“

Die komplizierte Beziehung teilt er mit vielen Schwulen der Vergangenheit. Bereits 1873 veröffentlichte ein gewisser Dr. Th. Puschmann Richard Wagner: Eine psychiatrische Studie und meinte, der Komponist sei „psychisch nicht mehr normal“ wegen seines Interesses an „Männerliebe“. 1895 beschreibt Oskar Panizza in Bayreuth und Homosexualität den Parsifal als „Ersatzbefriedigung für Päderasten“. Der italienische Kriminologe Cesare Lombroso nennt Wagner 1897 in Genio e degenrazione „un psicopatico sessuale“. Walter Pater – Lehrer von Oscar Wilde – schreibt 1877 über den Tannhäuser-Mythos. Wobei Tannhäuser als Geschichte zwischen Sinnestaumel im Venusberg und keuscher Ritterwelt von Homosexuellen gern als Metapher auf ihr eigenes Leben interpretiert wurde. Auch von Oscar Wilde in Das Bildnis des Dorian Gray (1890/91). Siegfried Wagner nannte Tannhäuser seine Lieblingsoper und inszenierte sie 1930 bei den letzten von ihm geleiteten Festspielen – ein homoerotischer Triumph, trotz Protesten von konservativ-völkischen Wagnerianern.

Wie reagieren Zuschauer_innen und Kritiker_innen heute, wenn man Wagner queer interpretiert? Laufen sie immer noch Sturm, wie 1930? Was für Erfahrung hat Barrie Kosky im Laufe der Jahre mit Homophobie im Opernbetrieb gemacht, welche macht er noch immer als Intendant der Komischen Oper? Wie geht er mit den permanenten Anfeindungen um, vor allem von schwulen Großkritikern?

Barrie Kosky ist unser Gast im Rahmen der Siegfried-Wagner-Ausstellung und wird mit Kurator Dr. Kevin Clarke über Wagner diskutieren, nachdem die beiden bereits 2016 für RBB über Tschaikowsky und Homosexualität gemeinsam auf dem Podium in der Behrenstraße saßen.

In einem Statement für die Siegfried-Wagner-Ausstellung sagt Kosky übrigens zu Richard Wagner: „Seine in den letzten Jahrzehnten aufgedeckte Besessenheit für rosa Seidenunterwäsche und Korsette deutet darauf hin, dass Wagner ein Cross-Dresser war. Parsifal in Dessous komponiert! Was für eine Vorstellung!!!“

Was er sonst zu sagen hat, auch über Siegfried Wagner und dessen Homosexualität,  erfährt man am 4. Mai um 18.30 Uhr. (Eintritt: 4 Euro)

Aktuell 05. Mai 2017, 19.00h - 05. Mai 2017

Performance: Spiegel der Gnosis mit Michael Daoud

Das Leben ist zu kurz und zu fabelhaft um sich in Selbstmitleid zu suhlen. Meine eigenen Mentoren fand ich erst langsam während meiner Reise. Sie inspirierten mich dazu, mein Leben daran auszurichten wie ich es leben will und nicht, wie es andere von mir verlangen. Wenn man erst realisiert, dass niemand auf der Erde perfekt ist, findet man die Kraft sich selbst zu akzeptieren. Das befähigt uns, ein großartiges Leben zu führen.

Wenn wir unseren eigenen Wert erkennen, schauen wir zurück und sehen, dass unsere Reise keine einfache war. Ich stand mit dem Rücken zur Wand, bevor ich anfing dagegen zu halten.

Deshalb kann ich bezeugen, dass ich nicht immer so war. Mein eigenes Licht fand ich erst, als es nicht mehr dunkler werrden konnte, als ich keine Tränen mehr weinen und nirgends mehr hingehen konnte. Endlich ging ich auf mich selbst zu und fand meine eigene Stimme. Es war magisch.

Spiegel der Gnosis ist eine fiktionale Dokumentation über die endlose Reise von Neuankömmlingen, ihrer kulturellen Reflektionen, Demarkationen und sexuellen Orientierung. 

Eine Performance mit Michael Daoud. (Website | Facebook)

Aktuell 07. Mai 2017, 16.00h

Artist Talk: Ming Wong & Aykan Safoğlu

Seit 2010 haben die Berliner Künstler_innen Ming Wong und Aykan Safoğlu ihre künstlerische Freundschaft und kreativen Kollaborationen auf ihren Reisen von Kreuzberg 36 bis in die Hintergassen von Istanbul vertieft - und dabei den Widerhall der längst vergangenen "gazino" Nachtclubs und die Nachabbildungen verlassener Kinos reflektiert.

Kommt vorbei und habt daran Teil, wenn sie sich ihre Herzen mit Klatsch, Analysen und Fragen an das queere Vermächtnis des türkischen Kinos und den Popkulturen von Erinnerung, Zugehörigkeit und Identität ausschütten und an den Rändern der künstlerischen Praxis, der Ethik und Gemeinsamkeiten mäandern, informiert durch ihre eigene queere, künstlerische Migration entlang der Grenzen zwischen Europa und Asien.

Aktuell 07. Mai 2017, 18.30h - 07. Mai 2017

Queer Kitchen - Was auf dem Spiel steht: Politische Kämpfe mit und ohne Identität

Lange Zeit war die Überzeugung, ein gemeinsames und identisches Diskriminierungsschicksal zu teilen, Dreh- und Angelpunkt sexueller, geschlechtlicher und anderer, z.B. antirassistischer Emanzipationspolitiken. Das Bekenntnis zu einer solchen gemeinsamen Identität, die im politischen Kampf stark und wertvoll gemacht werden soll, gehört klassischerweise zum schwulen und lesbischen Comingout. Queerpolitik hat seit den 1990er Jahren diese Gemeinsamkeit infrage gestellt und Identität als Grundlage politischer Organisation abgelehnt, weil mit der sogenannten Identitätspolitik Vereinheitlichungszwänge einhergehen würden und andere Ungleichheitsverhältnisse in den Hintergrund träten. Neuerdings sieht sich "Queer" aber selbst dem Vorwurf ausgesetzt, Identitätspolitik zu betreiben. Die Siege der Rechtpopulist*innen würden auf das Konto einer übertriebenen, auch queeren, Identitätspolitik gehen.

Was ist dran an diesem Vorwurf? Was steht bei politischen Kämpfen mit und ohne Identität jeweils auf dem Spiel, und müssen sie sich überhaupt ausschließen? In dieser Queer Kitchen wollen wir nach einem kurzen Input von Volker Woltersdorff zur Geschichte und Zielsetzung von Identitätspolitiken gemeinsam darüber diskutieren, welches Verhältnis wir zu welchen Identitäten einnehmen können und wollen. Wir wollen respektvoll unterschiedliche Beweggründe austauschen und ausloten, welche Konfliktlinien sich daraus ergeben und wie wir sie bearbeiten können.

Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe ist freischaffender Kulturwissenschaftler und Queertheoretiker und daneben ist er Bio-Bauer auf einen kleinen Hof im Berliner Speckgürtel.

Aktuell 14. Mai 2017, 16.00h

A presentation on porn by Emre Busse

Emre Busse setzt sich in seinem Vortrag mit deutschen Pornos auseinander, die in der Türkei produziert wurden.

Nachdem Şevket Şahin in den 1970er Jahren nach Deutschland immigrierte, gründete er 1998 die Porno-Produktionsfirma TRIMAX in Hessen, Deutschland. Für seine Firma produzierte er Filme in der Türkei und Deutschland, bei denen er auch Regie führte. TRIMAX ist gewachsen und war eine der Kräfte, die den „ethnischen“ Pornografie-Trend innerhalb Deutschlands und Europas Mainstream Pornografie vorantrieben.

Als die Hamburger Porno-Produktionsfirma Zip Production die zunehmende Popularität von TRIMAX mitbekam, stieg sie auch in diesen Produktionszweig ein. Nachdem Zip im Jahr 2000 anfing in der Türkei Filme zu drehen produzierten sie innerhalb von sechs Jahren ungefähr fünfzehn Schwulen-Pornos in nahezu zehn Städten. Sie arbeiteten mit Amateurdarstellern, um ein Städte-basiertes, poetisches Narrativ in verschiedenen Städten zu kreieren und produzierten Filme wie ‚Männer aus Adana’, ‘Männer aus İstanbul’, ‘Männer aus Antalya’, ‘Männer aus İzmir’, ‘Männer aus Ankara’, ‘Männer aus Bursa’ und ‘Männer aus Edirne’ die sie in ihrer Reihe ‚Ahmeds Fuck Tour‘ herausbrachten.

In den gleichen Jahren begann TRIMAX die schwule Porno Reihe ‚Istanbul Boys‘ in der Türkei zu drehen. Die Filme der Reihe haben Titel wie ‚Burning Asses’, ‘Let’s Enjoy It From the Butt’, ‘Horny Youngsters’, ‚Every Night From the Ass’, ‘C’mon and Drive Me’, ‘My Jealous Guy’, ‘Hungry For Ass’ und ‘Fuck Me Ali’.

Emre Busse – einer der beiden Kuratoren der Ausstellung ‚ğ – queere Formen migrieren‘ – arbeitet zu Pornografie und Repräsentationen des Körpers. Busse wird anhand von Beispielen aus den Filmen von TRIMAX und Zip Productions der 2000er Jahre eine Präsentation zu ethnisch-poetischer Pornografie und der mainstream homo-orientalistischen, sex-positiven Körper-Repräsentation des Nahen Ostens geben.

Die Veranstaltung ist ab 18 Jahren.

Die Presentatsion ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung 'ğ - das weiche G - queere Formen migrieren'

„ğ – das weiche g“ wird unterstützt vom Regierenden Bürgermeister von Berlin –Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.

Weitere Informationen: www.schwulesmuseum.de

#dasweicheg #thesoftg

Eintritt:
4 EURO (Das Ticket ist nur für die jeweilige Veranstaltung gültig und berechtigt zum Eintritt in die Sonderausstellungen im Schwulen Museum*. Einlass ab 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung)

Aktuell 17. Mai 2017, 18.00h

Artist talk - Keith King & Hasan Aksaygin

Keith King ist ein ugandischer LGBTQ -Aktivist und Künstler. In den vergangenen vier Jahren arbeitete er in der queeren Community in Uganda. Er ist Gründer und Kreativdirektor des Queer Collective, einer Künstlerinitiative, die mithilfe von queerer Kunst und Kultur für LGBTQ-Rechten in Uganda eintritt.

Veranstaltung auf Englisch.

Aktuell 18. Mai 2017, 18.30h

Szenen und Gesänge aus Opern von Siegfried Wagner

Das auf CD verfügbare Siegfried-Wagner-Repertoire wäre deutlich ärmer ohne die Einspielungen der Sopranistin Rebecca Broberg. Neben zahlreichen Liederabenden in den USA und in Deutschland faszinierte sie mit intensiver Darstellung auf der Bühne, etwa in der Uraufführung von "Father, Have You Cursed Me?" (The Siegfried Wagner Story) in Philadelphia sowie als Venus, Kundry, Senta, Elsa, Brünnhilde und Isolde. Im WDR und Deutschlandradio Kultur war sie in der Übertragung der Oper "Der Heidenkönig" von Siegfried Wagner als Gelwa zu erleben (auch auf CD), ebenso in Deutschlandradio Kultur und im BR mit der weiblichen Hauptpartie in Siegfried Wagners "Der Kobold" (Foto oben), als Friedelind in Siegfried Wagners "Der Schmied von Marienburg", als Königin in Anton Urspruchs "Das Unmöglichste von Allem" sowie als Katherlies’chen in der Übertragung von Siegfried Wagners "An Allem ist Hütchen Schuld!" in Deutschlandradio Kultur (die DVD erscheint demnächst bei Naxos).

Von ihrer intensiven Beschäftigung mit deutschsprachigen Liedern zeugen eine Reihe von Liederabenden und diverse CDs, u. a. mit sämtlichen Liedern von Siegfried Wagner (Marco Polo), mit sämtlichen Liedern von Ludwig Thuille und ausgewählten Liedern von Alexander Zemlinsky und Anton Urspruch, sowie mit einer Gesamteinspielung der Lieder und Gesänge von Erich J. Wolff (auf 6 CDs).

Ulrich Urban, geboren in Frankfurt/Oder, studierte an der Hochschule für Musik in Leipzig, wo er ab 1991 eine Professor für Klavier innehatte. Er spielte als Solist u. a. mit der Hamburger und Dresdner Philharmonie, dem Gewandhaus Leipzig, dem Berliner Sinfonieorchester, der Staatskapelle Weimar, mit Orchestern im europäischen Ausland und südlichen Afrika. Mit einer Reihe deutscher Rundfunkorchester hat er mehr als zwanzig Klavierkonzerte aufgenommen, darunter C. Ph. E. Bach, Haydn, Mozart, Weber, Dvorak, Pfitzner, Reger, Richard Strauss, Ravel, und weitere Werke des 20. Jahrhunderts. Dabei wurde immer wieder seine durchsichtige und erlebnishafte Wiedergabe der kompakt verdichteten Werke aus der Zeit der Spätromantik hervorgehoben.
Oftmals war er als Kammermusikpartner namhafter Instrumentalisten und Sänger tätig und über einen begrenzten Zeitraum auch als Dirigent an einigen mitteldeutschen Orchestern.

Konzerte und Meisterkurse führten ihn auch mehrfach nach Südamerika, Japan, Südafrika und in die USA, zuletzt 2009 mit einem Klavierabend zum 200. Geburtstag Mendelssohns in der Nationalgalerie Washington. Seine zahlreichen CD-Aufnahmen umfassen alle Stilepochen seit Bach, setzen jedoch einen Schwerpunkt in der Musik des Überganges vom späten 19. zum frühen 20. Jahrhundert.

Gemeinsam mit Rebecca Broberg spielte er zwei CDs ein und gestaltete u. a. das Konzert am Vorabend der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2013 – mit Szenen und Arien von Richard und Siegfried Wager.

Eintritt: 4 Euro

In Zusammenarbeit mit der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft e. V. und pianopianissimo-musiktheater, Berlin.

Aktuell 25. Mai 2017, 15.00h

Haarsalon mit Sabuha Salaam

Sabuha  ist eine queere Person des öffentlichen Lebens. Sie arbeitet gerne mit Menschen als Friseur/in, Bauchtänzer/in, Kaffeesatz und  Kartenleger/in. Außerdem ist sie Mitorganisator/in des Oriental Party Gayhane für LGBTQ Menschen. Sie hätte nicht gedacht, dass sie im Laufe ihres Berufswegs mal im Museum landet - aber jetzt ist es soweit!

Veranstaltung auf Deutsch.

Aktuell 25. Mai 2017, 18.30h

Die Verschwörung der Opernschwulen. Oder: Homophobie im internationalen Opernbetrieb. Eine Podiumsdiskussion

Man könnte meinen, das Thema Homosexualität in der Opernwelt sei heute kein Problem mehr – aber weit gefehlt. Erst im September 2016 schilderte die Kritikerin Eleonore Büning in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass „auffallend viele Schwule Oper toll“ fänden, aber dass ihre Begeisterung so „wahnsinnig anstrengend“ sei. Mehr noch: Die Opernschwulen würden sich neuerdings auch als politische Gruppe zusammenrotten, um Künstler_innen wie der georgischen Sopranistin Tamar Iveri das Berufsleben schwer zu machen, nachdem diese homophobe Bemerkungen auf Facebook gepostet hatte. Die Folge: Das gay friendly Opernhaus Sydney, wo Iveri auftreten sollte, schmiss sie raus! Büning findet das unerhört und unfair. Später erklärte sie gegenüber dem Schwulen Museum*, dass sie auch über unsere Siegfried-Wagner-Ausstellung voraussichtlich nicht berichten könne, weil das nicht in die FAZ passe. Warum genau, muss offen bleiben. Und wieso Le Monde aus Frankreich und El Mundo aus Spanien darüber berichten konnten, nicht aber die FAZ, bleibt weiterhin ein Geheimnis der deutschen Medienlandschaft.

Da fragt man sich schon, wie offen der Umgang mit dem Thema Homosexualität in der Opernwelt eigentlich ist. Der Blogger Johannes Kram hat eine gepfefferte (analytische) Büning-Replik veröffentlicht unter dem Titel „Die Verschwörung der Opernschwulen“ und gezeigt, dass es hier um knallharte Machtpolitik geht, die sich hinter einer schöngeistigen Feuilletonfassade versteckt. Und es geht um ideologische Grundsätze: Indem man manchen Themen keine Plattform gibt, verschafft man entsprechenden Gruppen keine Sichtbarkeit. Und wenn, dann nur eine negative, vor der man sich fürchten muss!

Unlängst brannte die Diskussion abermals auf, als ZEIT-Opernkritikern Christine Lemke-Matwey das komplette Kreativteam der Eduard II-Premiere an der Deutschen Oper Berlin „outete“ und beklagte, dass nicht mal Schwule selbst in der Lage seien, ein schwules Sujet künstlerisch wertvoll auf die Opernbühne zu bringen. Mit dem Verweis: Da sollten die Operntunten doch lieber Musik auf einer Gay Cruise im Mittelmeer machen, statt Staatssubventionen zu vergeuden. Es hagelte Proteste, u. a. vom Deutschen Bühnenverein. Aber war der satirisch zugespitzte Artikel von Lemke-Matwey wirklich homophob? Geht es nicht auch um homosexuelle Souveränität im Umgang mit Kritik?

Und wie homophob sind schwule Kritiker selbst, wenn sie sich lautstark über zu viel Cross-dressing und nackte Männerhaut in Inszenierungen von Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin beklagen oder wenn sie ihrerseits Eduard II verteufen? Wer darf da im aktuellen gesellschaftlichen Klima wie über wen sprechen? Frau Lemke-Matwey sagt selbst, sie habe das Gefühl, dass sich linker wie rechter wie schwuler Diskurs derzeit auf eine höchst ungute Art gegenseitig verstärken. "Humor wird da ebenso wenig verlangt wie freies Denken."

Über all diese Aspekte diskutieren wir im Rahmen der Siegfried-Wagner-Ausstellung mit Johannes Kram (Nollendorfblog), dem Opernkritiker Manuel Brug (Die Welt) und mit Christine Lemke-Matwey (Die Zeit) selbst. Hat sich das Klima in den letzten Jahren verändert, wie steht das deutsche Feuilleton im internationalen Vergleich da und gibt’s inzwischen mehr offen schwul-lesbische oder Trans* Künstler_innen im Opernbetrieb? Wieso kann ein Stardirigent wie Christian Thielemann nicht über deine sexuelle Orientierung und über seinen Lebenspartner in Interviews sprechen? Schadet ein „Outing“ nach wie vor einer Karriere im wertkonservativen Klassikbetrieb? Wieso sind ausgerechnet hochgebildete elitäre Opernfans (und Opernkritiker_innen) so reaktionär?

Die Moderation übernimmt Kurator Dr. Kevin Clarke; Fragen des Publikums sind erwünscht.

Eintritt 4 Euro

 

 

Aktuell 26. Mai 2017, 17.00h

Mama ğ - Ein Gespräch zwischen dem queeren Künstler Aykan Safoğlu und seiner Mutter Nevin Safoğlu

„Meine Mama – Nevin Safoğlu - ist 1942 in Istanbul geboren, wo sie weiterhin lebt. Sie ging, kurz nachdem sie mich mit 42 Jahren zur Welt gebracht hatte, in Rente. Nach ihrer Karriere bei einer Bank arbeitet sie heute, als 75–Jährige, für eine Kosmetikfirma. 2009 habe ich sie für Kaos GL - ein queeres Magazin aus Ankara - interviewt. Dieses Gespräch haben wir, mit einem Aufnahmegerät ausgestattet, in meiner Küche in Berlin begonnen, wo sie mich besuchen kam. Es war nicht einfach, eine gemeinsame Sprache zu finden. Nach einer Weile haben wir begonnen zu streiten, weil ich ihr Sohn und sie meine Mutter war. Ich sagte ihr, dass das, was sie da sagte, nicht der Wahrheit entsprach, sie hingegen bestand darauf, dass sie sich nicht ausdrücken könne…

Es war nicht ohne Spannung, uns an die Momente zu erinnern, in denen wir uns nicht zugehört hatten. Auf dem Höhepunkt der Anspannung haben wir das Aufnahmegerät beiseite gelegt und mit Papier und Stift weitergemacht. Ich schrieb die Fragen auf. Und sie die Antworten… Als Mutter und Sohn hatten wir eine Methode gefunden, die half zu verhindern, dass unsere vergangenen Sprachlosigkeiten oder die Sachen, die wir nicht hatten gemeinsam erleben können, dieses Gespräch heute und hier verbauten. Wie Grundschulkinder, die Stadt-Land-Fluss spielen, wollten wir von einander abschreiben – und dabei ist ein etwas missmutiges Gespräch entstanden.

Am 26. Mai werden wir noch einmal versuchen uns in einem öffentlichen Gespräch anzunähern. Dabei werden wir natürlich auch über Eltern-sein (parenting), queerness, meine künstlerische Praxis, unsere ausgewählten Familien und Migration reden.“

Dieses Gespräch wird in Türkischer Sprache stattfinden und konsekutiv ins Deutsche übersetzt.

Aktuell 28. Mai 2017, 21.30h

Screening: »Trans X Istanbul«

Der Film Trans X Istanbul(OmEU) wird im Urban Spree (Revaler Str. 99/Friedrichshain) unter freiem Himmel in Berlin gezeigt. Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion. (auf Türkisch und Deutsch)

Tausende Trans*Frauen leben in den großen Städten der Türkei. Zunehmend werden sie ermordet doch die Täter gehen meist straffrei aus. Ebru, eine Trans*Frau aus Istanbul, kämpft gegen die Morde an ihren Weggefährtinnen mit Humor, Selbstironie und politischem Scharfsinn. Umstrukturierung Istanbuls und die Proteste um den Gezi Park 2013 schwingen mit.

Website Trans X Istanbul

Preis: Special Mention Face Award 2014

Aktuell 29. Mai 2017, 18.00h

Finissage - Künstler_innen-Gespräch: Erinç Seymen

Hiermit möchten wir euch herzlich zu der Finnisage unserer Ausstellung "ğ – queere Formen migrieren“ einladen. Aus diesem Anlass heraus wird der an unserer Ausstellung beteiligte Künstler Erinç Seymen ein Podiumsgespräch über seine künstlerische Praxis mit dem Co-Kurator Emre Busse führen.
Erinç Seymen wurde in Istanbul geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er studierte an der Mimar Sinan Universität und der Technischen Universität Yıldız. Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen unter anderem die Einzelausstellung The Seed and The Bullet, Rampa, Istanbul (2012), Man Jam, Finnisches Museum für Fotografie, Helsinki (2007), sowie die Gruppenausstellungen Berliner Herbstsalon, Maxim Gorki Theater, Berlin (2013) und Panorama. Landscapes 2013–1969, Museo del Palacio de Bellas Artes, Mexico City (2013).

Veranstaltung auf Englisch.

„ğ – das weiche g“ wird unterstützt vom Regierenden Bürgermeister von Berlin –Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.

Bild: Erinç Seymen - Sweet Memories 1

Aktuell 01. Juni 2017, 18.30h

Szenen aus Opern Siegfried Wagners II

Mit Einführungen und Werkerläuterungen von Peter P. Pachl (Siegfried-Wagner-Biograph<wbr />).

Die ungarisch-rumänische Sopranistin Annamária Kászoni hatte bereits 2002 auf der Klavierolympiade in Rumänien den 3. Platz erobert. Ihr Gesangsstudium begann sie am Konservatorium in Wien. Anschließend studierte sie an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, die sie nach Meisterkursen bei Dalia Schaechter und Christoph Pregardien 2016 mit dem Master-Abschluss beendete.

Im Wiener Konzerthaus, sang sie in Produktionen wie Le Grand MacabreCarmina Burana„Ich bin der Welt abhandengekommen“ (Gustav Mahler), gestaltete die weiblichen Hauptpartien in Operetten von Jacques Offenbach sowie die Olympia in Hoffmanns Erzählungen.

In Peter P. Pachls Neuinszenierung von Siegfried Wagners Oper An Allem ist Hütchen Schuld, 2016 in Bochum, sang und spielte sie das Hexenweibchen, die Müllerin und den Stern und wird in diesen Partien auch auf der demnächst bei Marco Polo erscheinenden DVD zu erleben sein.

Igor Horvat begann sein Konzertfachstudium Klavier an der Musikakademie der Universität Zagreb. 2011/12 erhielt er ein Stipendium, welches ihm ein Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in den Klassen von Prof. Noel do Carmo Flores und Prof. Jan Jiracek von Arnim ermöglichte. Sein Magisterstudium Klavier Konzertfach schloss er 2014 ab und setzt seine Ausbildung als Pianist mit einem Vokalkorrepetitionsstudium bei Prof. Carolyn Hague an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien fort.

Schon während seines Klavierstudiums konnte er erste Theatererfahrungen sammeln an der VIOA (Vienna International Opera Academy). Zudem unterstützte er kürzlich Alma Deutscher bei den musikalischen und szenischen Proben für ihre Uraufführung der Oper Cinderella in Wien unter der Schirmherrschaft von Zubin Mehta. Darüber hinaus wurde er zum Aspen Music Festival und School als Vocal Coach Fellow eingeladen. Dort wird er im Sommer 2017 für die Einstudierung der dortigen Opernproduktionen (Ravel’s L’enfant et les sortilegès und Bedford’s Seven Angels) zuständig sein.

Gespielt wird ein Flügel A-170 der Bayreuther Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne. www.steingraeber.de

In Zusammenarbeit mit Pianopianissimo-Musiktheater.

 

 

Aktuell 03. Juni 2017, 20.00h

Femmosphere - Screening of Short Films by Coral Short and Lo Pecado

Coral Short und Lo Pecado zeigen eine Auswahl von kurzen, harten und zärtlichen Filmen, in denen Weiblichkeit gefeiert, verehrt und tiefergehend betrachtet wird. Von einer dystopischen Sicht von Femmes - bedroht durch Unsichtbarkeit, Misogynie und emotionaler Arbeit - über die utopische Fröhlichkeit weiblicher Magie laden sie die Zuschauer_innen ein, in die verschiedenen Facetten des Femme einzutauchen und ihre hexerischen Fähigkeiten und heilenden Energien im Museum* aus nächster Nähe zu erleben.

Die Filme werden in englischer Sprache gezeigt werden. Einlass ab 20:00, das Screening beginnt um 21:00. Danach Bar.

Aktuell 04. Juni 2017, 19.00h

QUEER, KUNST + UTOPIE - filmscreening und artist talk

Der Dokumentarfilm QUEER, KUNST + UTOPIE zeigt zeitaktuelle Kurzportraits von Queeren Künstler*innen in Berlin. In den 82 Filmminuten sprechen sie authentisch & persönlich über sich selbst, ihre Kunst und Visionen. In ihrer Kunst werden die miteinander verwobenen Themen Gender und Körper verhandelt, letzteres insbesondere als Projektions- und Reflektionsfläche. Doch die Queere Kunst bleibt nicht in der Genderdimension verhaftet: Gesellschaftskritik, eigens erlebte Ausgrenzungserlebnisse, Zugehörigkeit zu Minderheitengruppen verschiedenster Couleur (Trans*, Herkunft, Sexarbeit, Polyamourie, BDSM, u.a.). Diese Multidiversität der Themen, die sich teils überschneidenden Arbeitsansätze und Motivationen, spiegelt die Bandbreite der interviewten Queeren Künstler*innen wieder und gibt Einblicke in eine Berliner Oase im Jahr 2016.

Einlass um 19:00, Screening um 20:00. Im Anschluß: Künstler*innengespräch und Bar. Eintritt 3-6 EUR.

Ein Film von sissi. Beteiligte Künstler*innen: Yori Gagarim, Kay Garnellen, Sigrid Grajek, Kaey, Malte, Henna Räsänen, Mimi Monstroe, Tomka Weiss, Jenny Tale, Atlanta Athens, Tali Tiller, Lun Ario, Linda Havenstein, Mascha, Simon Schultz, Türe Zeybek, Magda Wystub, Alex Giegold, Ann Antidote und sissi. 

dokumentarfilm, 82 min, 2017, sissi // www.zweizwei.com

Aktuell 08. Juni 2017, 18.30h

Szenen aus Opern Siegfried Wagners III

Mit Einführungen und Werkerläuterungen von Peter P. Pachl (Siegfried-Wagner-Biograph).

Thorsten Scharnke erhielt seine Gesangsausbildung an der Hamburger Musikhochschule. Er war Ensemblemitglied am Stadttheater Würzburg, an den Städtischen Bühnen Münster und am Staatstheater Oldenburg. Gastverträge führten ihn u. a. an das Staatstheater Kassel, die Deutsche Oper Berlin, die Sächsische Staatsoper Dresden, die Staatsoper Hamburg, das Staatstheater Darmstadt, die Deutsche Oper am Rhein, die Staatsoper Hannover sowie an das Nationaltheater Mannheim. Sein Repertoire umfasst Partien wie Loge (Das Rheingold), Siegmund (Die Walküre), Max (Der Freischütz), Erik (Der fliegende Holländer), Florestan (Fidelio) sowie die Titelpartien in Tannhäuser und Parsifal. In der Uraufführung von Siegfried Wagners Oper Die heilige Linde gestaltete er den Fritigern (auch auf CD).

Der Pianist Werner Marihart, in Wien geboren, studierte zunächst bei Prof. S. Dressler Klavier. Er ist erster Preisträger des Gisela-Gurtner-Klavierwettbewerbes. An der Hochschule seiner Heimatstadt absolvierte er bei Prof. H. Swarowsky zusätzlich ein Studium zum Kapellmeister. Werner Marihart ist Kammermusikpartner u.a. von Werner Hink (Konzertmeister der Wiener Philharmoniker), dem Wiener Philharmonischen Streichquartett und dem Telemann Collegium Herford. Als Lied- und Arienbegleiter musizierte er international u.a. mit Karl Ridderbusch, Dale Duesing, Gaetano Bardini und Mark Coles sowie mit Doreen deFeis auf Einladung in Taipeh. Gemeinsam mit der Mezzosopranistin Ulrike Meyer-Krahmer bildet er das "Duo M". Als Dirigent gastiert er regelmäßig mit der Nordwestdeutschen und der Südwestfälischen Philharmonie sowie der Neuen Philharmonie Westfalen. Seit Jahren unterrichtet Werner Marihart an der Musikhochschule Detmold, Abteilung. Münster, an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, an der Landesmusikakademie in Heek und in der musikalischen Bildungsstätte Schloss Weikersheim. Seine Konzerttätigkeiten führten ihn nach Griechenland, Italien, Österreich, in die Niederlande und nach Taiwan.

Gespielt wird ein Flügel A-170 der Bayreuther Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne. www.steingraeber.de

In Zusammenarbeit mit dem Pianopianissimo-Musiktheater

Aktuell 11. Juni 2017, 18.30h

Queer Kitchen: Queeres Engagement und Politik in der Migration Gespräch mit Birolina Ana(l)Dill

In der nächsten Queer Kitchen haben wir Birolina Ana(l)Dill zu Gast. Der „Berliner Türke mit queerer Ana(l)zunge“ erzählt von seinen persönlichen und politischen Stationen in der Berliner queeren Migrant_innen-Community seit 1990. Er berichtet von seiner Migration und dem Leben in der Illegalität, vom Coming Out und von interkultureller Arbeit im HIV/AIDS-Bereich; vom Netzwerk SLIB (Schwul-lesbische Internationale in Berlin e.V.), von der Arbeit bei GLADT e.V. (Gay and Lesbians aus der Türkei in Deutschland) und von seinem neuen Projekt Cabaret Sultana. Wir diskutieren mit ihm über Rassismus in der Berlin-deutschen Queer-Szene und migrantischer anti-rassistischer Organisation.

Aktuell 13. Juli 2017, 20.00h

»Mein wunderbares Westberlin« - Panel zum Film

Ergänzend zu den Kinovorführungen in ganz Berlin zeigt das Schwule Museum* zusammen mit der Edition Salzgeber und Galeria Alaska Productions  am 13. Juli 2017 Ausschnitte aus Mein wunderbares West-Berlin, in Anwesenheit des Regisseurs Jochen Hick. Anschließend diskutiert ein Panel bestehend aus Hick, Dr. Birgit Bosold, Dorothée von Diepenbroik, Khary Polk, Naomi No Donath und Karl-Heinz Steinle den Film und seine Entstehung.

Mein wunderbares West-Berlin nimmt uns mit auf eine faszinierende schwule Zeitreise: Durch die lebendige Subkultur der 50er und 60er im Schatten des § 175; in die 70er, jene Zeit der bahnbrechenden Emanzipationsbewegungen und gesellschaftlichen Umbrüche; und in die 80er, die geprägt waren von einer Ausdifferenzierung queerer Lebensentwürfe, aber auch den verheerenden Folgen von Aids. Dabei lässt der Regisseur Jochen Hick prominente und weniger prominente Protagonisten zu Wort kommen: Aktivisten und Lebenskünstler, Travestie-Stars und Museumsgründer, Filmregisseure und Clubbetreiber, Modemacher und DJs. Sie erzählen von persönlichen und gesellschaftlichen Kämpfen, erinnern sich an heimliche Blicke und rauschhaften Sex, legendäre Partys und wütende Demonstrationen, leidenschaftliche Streits und ungeahnte Bündnisse. Zusammen mit zum Teil noch nie gesehenem Archivmaterial, unter anderem aus dem Archiv des Schwulen Museums*, entsteht so ein faszinierendes Panorama des schwulen West-Berlins – und von dessen gesellschaftlichen Folgen für heute.

Dorothée von Diepenbroick (Filmemacherin), Khary Polk (Kulturkritiker und Schriftsteller) und Naomi Noa Donath (Videoaktivistin) haben sich praktisch und theoretisch mit der filmischen Darstellung der Geschichte von Gruppen der LGBTIQ*-Community beschäftigt. Dr. Birgit Bosold (Vorstand Schwules Museum*) Jochen Hick (Regisseur und Produzent) und Karl-Heinz Steinle (Historiker) berichten am Beispiel von Mein wunderbares West-Berlin von den Herausforderungen, Dokumente zu recherchieren und zu beschaffen, Protagonisten anzusprechen und einen historischen Dokumentarfilm zu gestalten, zu produzieren und heraus zu bringen. Dabei geht es um die Frage, wie Filme über die LGBTIQ*-Community entstehen und zukünftig entstehen können.

Neben einer kritischen Diskussion soll die Veranstaltung vor allem auch ein Diskussionsforum für und Erfahrungstransfer an alle Gruppen der LGBTIQ*-Community sein, um zu überlegen, wie andere und weitere Filme über gemacht werden können und welche Herausforderungen dabei jeweils mit der Sicherung von Archivmaterialien, Gewinnung von Protagonisten, mit der Finanzierung auftreten können.

Einlass: 20:00 | Screening: 20:30 | Facebook-Event | Tickets

Aktuell 20. Juli 2017, 16.30h

“Keep on Dancing Till The World Ends”

Genau vor dem legendären ehemaligen „Eldorado“ – heute ein Bio-Supermakt – wird Dusty Whistles, postmenschlicher_Drag_Monolith und Königin der Nacht eine Beschwörung inszenieren, die die Verbindungen zwischen der Vergangenheit unserer queerer Vorfahren und unseren sehr unsicheren Zukunftsaussichten zieht, durchnässt in der Schwangerschaft unseres weltlichen Werdens. Es ist ein Aufruf zu Stärke, ein erneutes Zentrieren im Kampf und ein Lied der Dankbarkeit an diejenigen, die wir verloren haben, der sich in eine Parade verwandelt, die durch die lokale „gayborhood“ läuft und von Musik, Gedichten, Tanz und Drag Performance begleitet wird. Die Parade Strecke überquert den Nollendorfplatz und endet am Schwulen Museum*.

Dusty Whistles ist ein post_menschlicher Drag Performer und multidisziplinärer Künstler aus New York. Ihre Drag Persona ist ein lebendiges Netzwerk aus Beziehungen, gebildet aus multiplen Zugehörigkeiten von Lebensformen und Erfahrungen. Seit 10 Jahren lebt sie in Berlin und engagiert sich in der politischen Gegenkultur und künstlerischen Communities der Stadt. Sie ist Autodidaktin und wurde von der unsterblichen Drag Performerin Olympia Bukkakis aufgezogen. Dusty ist die Gründungsmutter von Faux Real, Berlins erste und einzige Drag Performanz Nacht, die ausschließlich der Kunst von Frauen und Trans Drag Performer*innen gewidmet ist. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Drag Performance Abenden im Berliner Nachtleben gezeigt ebenso wie in namhaften Institutionen wie dem nGbK, das Schwule Museum*, die Gemäldegalerie, die Volksbühne Roter Salon, dem Ballhaus Naunynstrasse und in der Kunstfabrik am Flutgraben.

Treffpunkt: Motzstraße 24, Ecke Kalckreuthstraße. Englisch mit deutscher Übersetzung.

Aktuell 20. Juli 2017, 19.00h - 22. Juli 2017

Reconnective Cruising™

Mehrmals im Laufe des Ausstellungszeitraums wird Daniel Bernhard Cremer (aka GAIABOI, seine ökosexuelle Hippie-Persona) körperlich anwesend und als Teil der Ausstellung zu besichtigen sein. Seine Präsenz als lebendes Exponat im Schwulen Museum* dient dabei augenscheinlich dem Zweck, die schwulen Kulturtechniken des "Cruising" zu demonstrieren und zugleich allen Besucher_innen von Odarodle die Möglichkeit intimer Begegnung anzubieten. Ähnlich wie ein Komparse in einem folkloristischen Freilichtmuseum oder das lebende Schaustück einer ethnologischen Sammlung, wird GAIABOI symbolische Gesten und Formen sozialen Austauschs auf eine Weise performen, die so sehr Authentizität behauptet wie sie fiktional ist. Seine offensichtlich verkörperte Positionierung als weiß, cis-männlich, Deutsch und möglicherweise schwul übertreibt dabei die Positionierung des unterstellten "Subjekts" des Schwulen Museums* selbst, was als eine nicht unbeabsichtigte Problematisierung einer Repräsentatierbarkeit des "Anderen" impliziert. Durch die Betonung der grundsätzlichen Fiktionalität des ethnologischen Blicks und das Spiel mit den Kraftverhältnissen von "Schauen und Angeschaut-Werden", nimmt sich GAIABOI nicht nur vor, schwules "Cruising" als sexuell vieldeutige Performance nachzubilden, sondern erprobt zugleich eine Neudefinition dessen, was intime Begegnung und Austausch zwischen Fremden bedeuten kann – ganz seinem persönlichen Wunsch folgend, ein "Walking Retreat Center" zu werden. 100% Anonym und Diskret, 100% Bedingungslos!

Daniel Bernhard Cremer / GAIABOI (1983, Mönchengladbach, Westdeutschland) arbeitet als Autor, Performer und Regisseur. Als Regisseur inszenierte er Opern, gestaltete kollektiv erdachte Theaterstücke mit und initiierte partizipatorische Projekte. Nachdem er zwischen 2010 und 2014 eine Serie performativer Simulationen unter dem Label TALKING STRAIGHT herausbrachte, wurde er eines der Gründungsmitglieder der gleichnamigen Theatergruppe, mit der er bis Ende 2016 arbeitete. Mit TALKING STRAIGHT trat er am Studio R / Maxim-Gorki-Theater, Theater Neumarkt Zürich, an den Münchner Kammerspielen und dem "Stückemarkt" des Berliner Theatertreffens auf. Solo-Performances wurden u.a. am Theater Bremen, dem Theater Basel und in der Berlinische Galerie, der Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen und der nGbK Berlin (Christopher Street Denial, 2014) gezeigt. Seinem Interesse folgend, neue Ausdrucksformen sexueller Lust und Intimität zu schaffen, sieht Daniel sich als Teil der ökosexuellen Bewegung, einer Strömung in der zeitgenössischen Kunst und Sexualitätspolitik, die die Erde als Geliebte_n ansieht und darauf abzielt, neue Praktiken zu erfinden, mit der Natur und miteinander in Verbindung zu sein. Mit dem Künstlerinnen/Aktivistinnen-Paar Annie Sprinkle und Beth Stephens, die diese Bewegung stark inspiriert haben, kollaborierte er kürzlich bei der documenta 14 in Kassel, wo er als Performer und Ko-Regisseur an der "Ecosexual Walking Tour" der beiden Künstlerinnen teilnahm und in ihrer Performance "Sidewalk Sex Clinic" kostenlose ökosexuelle Beratung anbot. Seine nächste Soloshow, "BORN TO MAKE YOU HAPPY", wird am 16. September 2017 am Mousonturm in Frankfurt (Main) Premiere haben, als Teil des Musikfests Fankfurt.

20.07. 19:00-End; 21.07.2017 14-18 Uhr; 22.07.2017 14-19 Uhr; 

Diese Veranstaltung ist Teil des öffentlichen Begleitprogrammes des Ausstellungsprojektes »Odarodle- Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017«, welches vom 21. Juli zum 16. Oktober 2017 im Schwulen Museum* läuft. »Odarodle« wird gefördert im Programm Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes. Präsentiert von SIEGESSÄULE – we are queer Berlin.

Aktuell 21. Juli 2017, 18.00h

»Die fünf Weltalter« Performance by Benny Nemerofsky Ramsay

Eine florale Archäologie, die die symbolische Beziehung zwischen menschlicher Historie und Pflanzenwelt, besonders im Kontext queerer Ästhetik, erforscht. Das Kunstwerk ist hauptsächlich von Postkartenbildern der „Weissbierstube“ im ehemaligen Berlin Museum beeinflusst – Örtlichkeit für die „Eldorado“-Ausstellung 1984. Die Weissbierstube war legendär für ihr sonntägliches Brunch-Buffet und Treffpunkt für Westberliner schwule und lesbische Aktivist_innen, Künstler_innen und Akademiker_innen. Die Postkarten zeigen ein Buffet mit üppigen Blumenbouquets zur Dekoration. Der Künstler hat aus diesen Bildern seine Inspiration gezogen.

Er wählt fünf Blumen aus, die fünf eigene Momente in der Geschichte von "El Dorado" symbolisieren. Die Blumen weisen sowohl auf die Inkarnation von „El Dorado“ als Nachtlokal und Ausstellung, als auch auf die ursprüngliche Bedeutung hin: ein sagenhafter, ferner Ort voller utopischer Sehnsucht. Die Blumen stehen in einer Keramikvase, die vom Künstler speziell für diesen Zweck entworfen wurde. Die Vase hält für jede Blume eine eigene Öffnung bereit, arrangiert die Blumen so, dass sie kontrapunktisch interagieren und erschafft so ein Bouquet der kollidierenden und überlappenden Zeitlichkeit. Eine Führung begleitet die Kunstinstallation, in der der Künstler die Geschichte der fünf Zeitalter nacherzählt, während er die Blumen in der Vase anordnet.

Benny Nemerofsky Ramsay (*1973 in Montréal, Kanada) ist Künstler und Tagebuchschreiber. Seine künstlerischen Herangehensweisen sind Sound, Video und Text, die die Geschichte des Gesangs, die Übersetzung von Liebe und Emotion in Sprache und das Wiedererwachen und die Manipulation von Stimmen – gesungen, gesprochen oder geschrien – eingehend betrachten. In seiner Arbeit findet man Glocken, Blumensträuße, verwunschene Wälder, Raumteiler, schwule Leitfiguren, Glitter, Blattgold, Liebesbriefe, fingierte Gemälde, Madrigale, Megaphone, Spiegel, nackte Männer, Gebärdensprache, Untertitel und die Stimmen von Vögeln, Knabensopranisten, Altistinnen, Countertenöre und Sirenen. Nemerofskys Arbeiten wurden umfassend in Kanada, Europa und Ostasien gezeigt. Seine Arbeiten finden sich in der permanenten Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien, im Polin Museum für die Geschichte der polnischen Juden in Warschau, in der Thielska Galleriet in Stockholm und in der National Gallery von Kanada. Nemerofsky ist aktuell Doktorand am Edinburgh College of Art. 

Veranstaltung auf Deutsch und Englisch.

www.nemerofsky.ca

Diese Veranstaltung ist Teil des öffentlichen Begleitprogrammes des Ausstellungsprojektes »Odarodle- Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017«, welches vom 21. Juli zum 16. Oktober 2017 im Schwulen Museum* läuft. »Odarodle« wird gefördert im Programm Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes. Präsentiert von SIEGESSÄULE – we are queer Berlin.

Photo Credits: Weissbierstube im Berlin Museum, Lindenstraße 14

Aktuell 23. Juli 2017, 18.30h

Diane Torr: A Man for a Day Forever!

Am 31. Mai ist Diane Torr im Alter von 68 Jahren gestorben. Die Bodyworkerin, Performerin, Autorin und „physische Philosophin“ hielt nicht nur eine Reihe von akademischen Abschlüssen, sondern auch den schwarzen Gürtel dritten Grades in Aikido. Nach ihrem Studium ging sie 1976 nach New York und war dort eine der wichtigsten Protagonistinnen der Kunst- und Performance-Szene. Zusammen mit Bridge Markland kuratierte sie 2002 das legendäre go drag!-Festival in Berlin und wurde in den darauffolgenden Jahren international bekannt mit ihren Man for a Day-Workshops, die die Filmemacherin Katarina Peters in ihrem gleichnamigen Film für die Ewigkeit festgehalten hat. Am 23. Juli wollen wir zur Gedenkveranstaltung Diane Torr: A Man For A Day Forever einladen. Erstmals zu sehen ist an dem Abend ein von Katarina Peters produzierter Zusammenschnitt von Highlights aus Dianes Performances, im Anschluss sprechen Bridge Markland und Katarina Peters über ihre Arbeit und Freundschaft mit Diane.

Eintritt gegen Spende | Facebook-Event

Aktuell 25. Juli 2017, 20.00h

Babyhay (takesallday)

In einer fortwährenden Partyperformance am Ort des ursprünglichen „Eldorado“ Kabaretts – heute ein Schwuler Fetisch Club – tritt Babyhay in Drag auf und versinnbildlicht den Geist queerer Berliner Vergangenheit und Zukunft. Von ihrem Bett im Darkroomkeller des Mutschmann’s aus projiziert Babyhay ihre Bilder in die dichte Leere des Online Raumes. Inhalte, Ziele der Show und ihre Identität sind absichtlich unklar, sodass die einzige Konstante darin besteht, dass sie (uns) unaufhörlich zurück anschaut. Sie lebt in einer simulierten Welt, in der alles angenehm und leicht erscheint und diese laissez-faire Haltung – die Traumwelt des Internets – eine Atmosphäre kreiert, die uns verführt, einlullt – hypnotisiert. Sie kann uns nur deshalb anschauen, weil wir sie anschauen: die Performance wird bei Facebook und Instagram, zwei der am meist genutzten sozialen Plattformen live übertragen. Sie geht Dich an, wo auch immer du sein magst und nimmt deinen Bildschirm ein. Ist sie niedlich oder lästig, ist das angenehm oder unheimlich? Wer ist sie, nein, was ist sie, ist sie überhaupt eine „sie“? Dieses permanente Mitschneiden, die Bloßlegung des Selbst, die wachsende Selfie-Tyrannei die alle Feeds und Streams, alle Kommunikationswege ausreizt wird erreicht durch die lange Dauer der Performance ebenso wie dadurch, dass alle möglichen Apparaturen verwendet werden, von Computern über Smartphones bis hin zu Tablets. Das Event ist sowohl offen für das Publikum vor Ort, als auch online verfügbar und wird von einem live Dj Set, Drinks und der aktiven Teilnahme des Publikums begleitet.

 

Antonio Onio (1989) studierte Tanz an der SNDO, School for New Dance Development, in Amsterdam. Seit 2011 entwickelt Antonio sowohl Solo Projekte als auch Arbeiten in Kooperation mit Miguel Pereira, Tian Rotteveel, Igor Dobricic, Diego Gil, Tiago Guedes und anderen. 2013 erhielt er das DanceWeb Stipendium in Wien, Österreich. Seit 2010 konzentriert er sich in seiner künstlerischen Herangehensweise auf die feinen Grenzen zwischen dem Privaten und dem Persönlichen sowie auf den Körper als Hilfsmittel. Seine Arbeiten beschäftigen sich hauptsächlich mit queeren Thematiken, hinterfragen die Funktionen des Selbst innerhalb westlicher Gesellschaften, das Fortbestehen von Homophobie und Patriarchat. Er verfolgt die Strategie, die eigene Verletzlichkeit, Sanftmut und Nachgiebigkeit so stark zu machen, dass sie zu Waffen werden im Kampf gegen das System, dass uns jeden Tag gefangen hält.

Diese Veranstaltung findet auf Englisch (ohne Übersetzung) im Mutschmann's (Martin-Luther-Straße 19, 10777 Berlin-Schöneberg) statt.

Diese Veranstaltung ist Teil des öffentlichen Begleitprogrammes des Ausstellungsprojektes »Odarodle- Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017«, welches vom 21. Juli zum 16. Oktober 2017 im Schwulen Museum* läuft. »Odarodle« wird gefördert im Programm Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes. Präsentiert von SIEGESSÄULE – we are queer Berlin.

Photo Credit: Courtesy of the artist

Aktuell 30. Juli 2017, 18.30h

Lesbisches Gedenken in der Diskussion

Die sogenannte "Gedenkkugel" - das von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten bislang nicht genehmigte Gedenkzeichen für lesbische Frauen in Ravensbrück - kommt ins Schwule Museum*!

Seit den 1980er-Jahren haben lesbisch-feministische Initiativen gegen erhebliche Widerstände versucht, ihr Gedenken an lesbische Frauen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, auf dem Gelände des größten ehemaligen nationalsozialistischen Frauenkonzentrationslagers, sichtbar zu machen. Zum wiederholten Mal hat nun die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten den Antrag der "Autonomen feministischen FrauenLesben aus Deutschland und Österreich" auf ein entsprechendes Gedenkzeichen vertagt. Die Initiative setzt sich seit Langem dafür ein, ein Gedenkzeichen - der Entwurf sieht eine Gedenkkugel vor - auf dem Gelände zu installieren. Vehementer Gegner dieser Initiative ist Alexander Zinn, Vertreter des LSVD Berlin-Brandenburg im Beirat der Stiftung mit der Begründung, dass ein solches Zeichen die "Legende einer Lesbenverfolgung" befördere und sich auf "zweifelhafte Einzelfälle" stützend "unseriös" sei.

In Kooperation mit der Gedenkkugel-Initiative wird das Schwule Museum* die bislang nicht genehmigte Gedenkkugel nun in seinen Ausstellungsräumen präsentieren. Wir protestieren damit ausdrücklich gegen die Entscheidung der Stiftung wie gegen die des LSVD, mit Alexander Zinn einen expliziten Gegner lesbischen Gedenkens in den Stiftungsrat zu entsenden.

Grußwort von Monika von der Lippe, Landesbeauftragte für die Gleichstellung
von Frauen and Männern im Ministerium fur Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen and Familie des Landes Brandenburg.

Die Veranstaltung am 30. Juli ist eine Kooperation mit der Initiative "Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich". Für die Initiative spricht Wiebke Haß.

Corinna Tomberger von der FU Berlin hält einen Vortrag über "Die Ordnung des Gedenkens. Soziale Ein- und Ausschlüsse in der Erinnerungskultur".

Im Anschluss Diskussion und Enthüllung der Gedenkkugel in den Räumen von Tapetenwechsel 2.1

Foto: Agnes Witte / www.sichtungen.agneswitte.de

Veranstaltung auf Deutsch.

Führung 01. August 2017 - 30. September 2017

Öffentliche Führungen im Schwulen Museum*

Donnerstag, 17. August um 18:00 Führung zu Odarodle - Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017 auf Deutsch.

Donnerstag, 24. August um 18:00 Führung zu Winckelmann - Das göttliche Geschlecht auf Englisch.

Samstag, 26. August um 16:00 Führung zu Tapetenwechsel 2.1 auf Deutsch.

Donnerstag, 31. August um 18:00 Führung zu Odarodle - Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017 auf Englisch.

Samstag, 02. September um 16:00 Führung zu Tapetenwechsel 2.1 auf Englisch.

Sonntag, 03. September um 16:30 Kuratorenführung mit Dr. Wolfgang Cortjaens zu Winckelmann - Das göttliche Geschlecht auf Deutsch.

Donnerstag, 07. September um 18:00 Führung zu Winckelmann - Das göttliche Geschlecht auf Englisch.

Samstag, 09. September um 16:00 Führung zu Odarodle - Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017 auf Englisch.

Donnerstag, 14. September um 18:00 Führung zu Tapetenwechsel 2.2 auf Deutsch.

Samstag, 16. September um 16:00 Führung zu Odarodle - Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017 auf Englisch.

Donnerstag, 21. September um 18:00 Führung zu Winckelmann - Das göttliche Geschlecht auf Deutsch.

Samstag, 23. September um 16:00 Führung zu Tapetenwechsel 2.2 auf Englisch.

Donnerstag, 28. September um 18:00 Führung zu Odarodle - Sittengeschichte eines Naturmysteriums, 1535-2017 auf Deutsch.

Samstag, 30. September um 16:00 Führung zu Tapetenwechsel 2.2 auf Englisch.

Die Führungen sind kostenlos, bezahlt werden muss nur der Eintrittspreis für das Museum* selbst.

Führungen für private Gruppen, Bildungsreisen etc. können unter fuehrungen(at)schwulesmuseum.de angefragt und gebucht werden. Für Führungen durch das Museum und seine Ausstellungen empfehlen wir eine Gruppengröße von maximal 25, für Führungen durch das Archiv maximal 15 Personen.

Aktuell 03. August 2017, 19.00h

Im Schatten von Eros. Winckelmann und die "Knabenliebe"

Nach griechischen Überlieferungen gilt Eros als der mächtigste unter den Göttern. Selbst Aphrodite, seine Mutter, als auch Zeus, ja immerhin der Götterkönig, konnten seinem Einfluss nicht wiederstehen. Im philosophischen Diskurs wurde Eros als eine schöpferische und die Welt bewegende Kraft wahrgenommen, welche die gesamte Natur, also auch die Aktivitäten der Menschen, bestimmt.

Winckelmann, der in die Texte der griechischen Literatur sehr gut eingearbeitet war, kannte diese antiken Vorstellungen über Eros. Dadurch konnte er die ideale Schönheit der antiken Kunstwerke verstehen und erfassen, wie seine umfassenden Schriften zu dieser Thematik eindeutig zeigen Dieser Vortrag setzt sich zum Ziel zu zeigen, wie Winckelmann sein Leben im Schatten des Eros lebte.

Gian Franco Chiai ist Archäologe und Historiker und habilitiert derzeit zur Religionsgeschichte von Phrygien von der Hethiterzeit bis zur Ankunft des Christentums im Fach Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin.

Aktuell 10. August 2017, 19.00h

An Eldorado of Sensual Love - Primitivität, Arbeit und sexuelle Identitäten zwischen Berlin und Los Angeles, 1900-1960

Auf Basis einer achtmonatigen Forschung inden Archiven des Schwulen Museums* als auch in weiteren Institutionen in Berlin und Kalifornien stellt dieser Vortrag von Ben Miller die Entwicklung der Genealogie queerer Identität in den Kontext der Nationenbildung und verschiedener Auffassungen von gleichgeschlechtlichen Identitäten.

Viele weiße queere Aktivist_innen griffen lange auf anthropologische und ethnographische Forschungen zu indigenen Bevölkerungen zurück (oft dargestellt als "Naturvölker" oder "primitive Eingeborene"), um ihre eigenen Analysen von "Queer-sein" und ihren sozioökonomischen Bedingungen aufzustellen. Jedoch gingen nicht alle diese Analysen auf den Rassismus und Kolonialismus ein, der Teil ihrer Entstehungsbedingungen war.

Der Vortrag wird die folgenden Fragen stellen und versuchen, zu beantworten: Bis zu welchem Maße suchten diese Aktivist_innen Staatsbürgerschaften für sich selbst und für ihre Community? Bis zu welchem Ausmaß versuchten sie, eine neue Welt zu schaffen? Welche Verbindungen lagen zwischen Berlin und Los Angeles und was machte diese Orte zu einem fruchtbaren Boden für die Entwicklung radikaler, gleichgeschlechtlicher Identitäten?

Aktuell 17. August 2017, 19.00h

"Unzüchtiges in Pindarschem Stil“ - Winckelmanns Lektüren

Wie schon in seiner viel beachteten, aber auch umstrittenen Winckelmann-Biografie „Der verworfene Stein“ (2005) untersucht der Berliner Germanist und Kunsthistoriker Wolfgang von Wangenheim, selbst leidenschaftlicher Kunstsammler und Kuratoriumsmitglied der Winckelmann-Gesellschaft in Stendal, die Wechselwirkungen zwischen Winckelmanns Schriften und seinen homosexuellen Neigungen. In der Abendveranstaltung wird er aus erotischer Literatur, die der Antikenforscher nachweislich gekannt und goutiert hat, „Unzüchtiges im Pindarschen Stil“ vortragen und zur Diskussion stellen, darunter einschlägige Passagen aus dem von Winckelmann geschätzten damaligen Skandal-Roman „Fanny Hill“.

Diese Veranstaltung ist Teil der Ausstellung "Winckelmann - das göttliche Geschlecht".