Aktuell 26. Januar 2017, 19.00h

Filmzeit: Escape to Life

Der Film Escape to Life beginnt mit einem spielerischen gegenseitigen Interview, entnommen dem gleichnamigen, 1939 von Erika und Klaus Mann gemeinsam verfassten Buch. An einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Lebensläufe, dem Beginn der Exiljahre in Amerika, denken sie über ihre Vergangenheit und die jüngsten Ereignisse nach, die sie in dieses riesige, fremde Land gebracht haben. Eine fiktive Szene nach Motiven Klaus Manns führt in die Vorstellung der unbeschwerten, glücklichen Kindheit, die Erika und Klaus tatsächlich erlebt hatten. Diese Rückkehr in die hermetische, innere Welt der Kindheit, die Suche nach Zuflucht vor einer feindlichen, unerbittlichen Welt zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke Klaus Manns.

Mit sorgfältig ausgewähltem, seltenem Archivmaterial, Originalinterviews mit Erika Mann, Gesprächen mit Zeitzeugen - dem Schauspieler Igor Pahlen, der Fotografin Marianne Breslauer, der jüngsten Schwester Elisabeth Mann Borgese -- und in prominent besetzten Spielszenen, u.a. nach Motiven aus Der fromme Tanz, Der Vulkan und Speed, haben Andrea Weiss und Wieland Speck eine ebenso spannende wie berührende Hommage an zwei faszinierende Menschen geschaffen, deren Überzeugungen und Ziele nichts an Aktualität eingebüßt haben. Das Geschwisterpaar Vanessa und Corin Redgrave (englische Texte) sowie Barbara Nüsse und Ulrich Matthes sprechen die Originaltexte von Klaus und Erika Mann, die die Chronologie des Films bestimmen. In den Spielszenen sind u.a. Cora Frost, Maren Kroymann, Christoph Eichhorn, Guido Kleineidam und Jean Loup zu sehen. Die kongeniale Filmmusik schrieb John Eacott.

Escape to Life gewann den Preis für Bester Dokumentarfilm beim Seattle Lesbian & Gay Film Festival, 2001 und war eine Koproduktion von Jezebel New York und zero film Berlin. Am 26. Januar wird er in Anwesenheit des Ko-Regisseurs Wieland Speck und BeV StroganoV im Schwulen Museum* gezeigt.

Aktuell 09. Februar 2017, 19.00h - 09. Februar 2017

Im Gedenken an Alice Carlé und ihre Familie

Am 9. Februar 2017 richtet das Schwule Museum* gemeinsam mit der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft und dem Lesbenarchiv Spinnboden einen Benefiz-Abend aus. Die Veranstaltung findet im Vorfeld der Verlegung von vier Stolpersteinen für Alice Carlé, ihre Schwester Charlotte und ihre Eltern Nathan Moritz und Margarete Carlé im März 2017 statt. Nach einer kurzen Begrüßung durch Katja Koblitz im Namen des Schwulen Museum* wird Raimund Wolfert über die Wege der Forschung zur Familie Carlé sprechen. Im Anschluss liest die Schauspielerin Sigrid Grajek zwei Erzählungen der lesbischen Journalistin Eva Siewert (1907–1994), in denen Siewert sich dem Schicksal ihrer Freundin Alice Carlé gewidmet hat.

Näheres zu den Lebenswegen Alice Carlés und ihrer Angehörigen konnte erst im letzten Jahr ermittelt werden. Alice Carlé (1902–1943) war die jüngste Tochter des jüdischen Berliner Kaufmanns Nathan Moritz Carlé (1872–1942) und seiner Frau Margarete (geb. Salomon, 1871–1943). Sie hatte eine ältere Schwester, Charlotte Carlé (1901–1943), und einen älteren Bruder, der nach dem Ersten Weltkrieg eine Laufbahn als Schauspieler einschlug. Hans Carlé (1899–1950) verließ Deutschland um 1934 und verstarb 17 Jahre später in Tel Aviv.

Die Eltern Nathan Moritz und Margarete Carlé kamen Ende 1942 bzw. Anfang 1943 im Ghetto Theresienstadt ums Leben. Daraufhin versuchten die in Berlin verbliebenen Schwestern Charlotte und Alice Carlé unterzutauchen. Sie quartierten sich als vermeintliche Feriengäste in Kladow ein, wurden aber im Sommer 1943 von der Gestapo gefasst, verhört und ins KZ Auschwitz deportiert. Dort wurden sie noch im selben Jahr ermordet.

Eva Siewert hat nach dem Zweiten Weltkrieg ihrer Freundin Alice Carlé und der Beziehung zu ihr in wenigstens zwei Erzählungen ein berührendes und würdevolles Denkmal gesetzt.

Die vier Stolpersteine werden am 22. März 2017 um 10:05 Uhr morgens vor dem Haus Beuthstraße 10 (Nähe Spittelmarkt), dem letzten Wohnsitz der Familie Carlé, verlegt.

Die Einnahmen aus dem Eintritt zur Benefiz-Veranstaltung dienen der Finanzierung der Stolpersteine und ihrer Verlegung. Spenden darüber hinaus sind herzlich willkommen.

Aktuell 12. Februar 2017, 14.30h

12. Elledorado ArtCharity

Am 12. Februar 2017 findet im Schwulen Museum* die 12. ArtCharity statt.

Elledorado konnte seit Gründung 1998 mehr als 120 Projekte unserer Stadt mit über 170.000 € unterstützen. Ein großer Teil dieser Gelder akquiriert sich über die jährliche ArtCharity.

38 Berliner_innen sowie internationale Künstler_innen, private Sammler_innen als auch das Schwule Museum* haben eine beachtliche Auswahl an Werken zur Verfügung gestellt, um elledorado e.V. dabei zu unterstützen, weiter als lesbisch-schwuler Förderkreis Projekte der queeren Community zu fördern.

Stolz laden wir am Samstag, den 4. Februar zur Vernissage im Schwulen Museum* ein. Ab 18:00 beginnt dort die einwöchige Vorbesichtigung der Werke.

Diese ist So, Mo, Mi, Fr 14 bis 18 Uhr und Samstags von 14 Uhr bis 19 Uhr, Donnerstags bis 20 Uhr öffentlich zugänglich.

Am Sonntag, den 12. Februar, beginnt um 14:30 Uhr die Registrierung und um 15 Uhr die Versteigerung mit der Auktionatorin Karen Scholz.

Die Schirmherrschaft des Projektes übernimmt in diesem Jahr Boris Dittrich, Advocacy Director, Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender Rights Program, von Human Rights Watch.

Der Katalog erscheint Mitte Januar und wird berlinweit verbreitet. Bei Interesse am Katalog kontaktieren Sie bitte elledorado e.V. über die Veranstaltungsseite oder via vorstand(at)elledorado.de.

Weitere Informationen über uns finden Sie unter www.artcharity.de

Führung 01. März 2017 - 30. April 2017

Öffentliche Führungen im Schwulen Museum*

Samstag, 1. April um 16:00 Uhr Kurator_innenführung zu Siegfried Wagner auf Deutsch.

FÄLLT LEIDER AUS Donnerstag, 6. April um 18:00 Uhr Führung zu Lightest Shade of Aflatoon auf Englisch.

Samstag, 8. April um 16:00 Uhr Kurator_innenführung zu ğ – queere Formen migrieren auf Englisch.

Donnerstag, 13. April um 18:00 Uhr Führung zu Lightest Shade of Aflatoon auf Deutsch.

Samstag, 15. April um 16:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.0 ("Rock Hudson und die AIDS-Krise") auf Deutsch.

Donnerstag, 20. April um 18:00 Uhr Kurator_innenführung zu Siegfried Wagner auf Deutsch.

Samstag, 22. April um 16:00 Uhr Kurator_innenführung zu ğ – queere Formen migrieren auf Englisch/Türkisch.

Donnerstag, 27. April um 18:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.0 ("Rock Hudson und die AIDS-Krise") auf Englisch.

Samstag, 29. April um 16:00 Uhr Führung zu Lightest Shade of Aflatoon auf Englisch.

Die Führungen sind kostenlos, bezahlt werden muss nur der Eintrittspreis für das Museum* selbst.

Führungen für private Gruppen, Bildungsreisen etc. können unter fuehrungen(at)schwulesmuseum.de angefragt und gebucht werden. Für Führungen durch das Museum und seine Ausstellungen empfehlen wir eine Gruppengröße von maximal 25, für Führungen durch das Archiv maximal 15 Personen.

Aktuell 05. März 2017, 16.00h

Lesung: FRIDA! mit Gülây Akın

Gülây Akın ist gebürtige Kreuzbergerin. In ihren Texten verbindet sie ihren Alltag mit autobigraphischen Erinnerung an ihre Kindheit und Jugend in Berlin-Kreuzberg. Die Figur Frida ist die Tochter türkischer Eltern der ersten Gastarbeitergeneration und auch die Hauptprotagonistin der Geschichten Akıns. Aktuell arbeitet Gülây Akın mit dem Filmemacher und Regisseur Mıraz Bezar (u.a. Min Dît) an der Realisierung ihres Drehbuchs “FRIDA!”.

Event auf Facebook | Tickets

Aktuell 05. März 2017, 18.30h

Queer Kitchen: Queer Forms Migrate - Art & Politics of LGBTIQ* Migrants in Berlin

Queer Kitchen is happy to welcome Emre Busse and Aykan Safoğlu for our next event. Emre and Aykan are the curators of „ğ – the soft g“, a new exhibition on the politics of queer transcultural arts that opens on March 2nd at Schwules Museum*. We are looking forward to a curtors’ guided tour through the exhibition with them. Afterwards there will be time for drinks and chats in the kitchen.

Every first sunday of the month the café of the Schwule Museum* turns into a space for the queer and lgbti communities in Berlin: "Queer Kitchen". With different presenters, alternating topics and free snacks we want to discuss current problems and conflicts in our communities, as well as encourage exchange about our desires and utopias. Where do we stand, for what do we fight, how do we live? - and moreover: What´s next?

Aktuell 09. März 2017, 18.30h

Lesung: »Sag es niemand, möchte gern mal allein mit Dir sein!« Manfred Callsen liest Briefe von Siegfried Wagner

Vor einigen Jahren tauchte in einem Münchner Antiquariat ein Konvolut von über vierzig Briefen Siegfried Wagners an den Gymnasiasten und späteren Dirigenten Werner Franz auf, der nach seinem Abitur in Berlin Musik studierte. Dem Konvolut beigefügt war folgendes Typoskript:

„Als ich Siegfried Wagner im Februar 1922 vor einer Orchesterprobe mit den Philharmonikern in Berlin kennen lernte, war ich ihm kein Fremder mehr. Uns verband, wenn ich so sagen darf, bereits seit zwölf Monaten eine rege Korrespondenz. Der Danziger Musikerverband veranstaltete 1921 – ich drückte damals die Schulbank der Oberprima – ein Wagnerkonzert, das etwa 120 Musiker unter dem Taktstock Siegfrieds vereinigte. Damals schon, wie heute noch, einer Kunstanschauung huldigend, deren Inhalt und Leitstern Richard Wagner hieß, schrieb ich in der Nacht nach dem Konzert einen begeisterten Brief an den Erben von Bayreuth und erzählte auch darin von meinen Plänen, Dirigent werden zu wollen. Wenige Tage darauf hielt ich ein Schreiben in der Hand und las mit stolzer Freude: Absender Wagner, Bayreuth, Wahnfried. Dieses erste Schreiben Siegfrieds enthielt die Worte: „Solch jugendlicher Enthusiasmus ist ein schönes Ding! Wahren sie sich es nur für das ganze Leben!” […] Von nun an hielt Siegfried Wagner seine schützende Hand über meiner weiteren künstlerischen Entwickelung. […] Im Frühjahr 1924 flatterte mir das große Los in Gestalt einer Postkarte ins Haus. Siegfried Wagner teilte mir mit, dass ich als Volontär und Bühnenassistent zu den Festspielen kommen und dort an den Proben teilnehmen dürfte. Ich vergesse nicht den Augenblick, als Siegfried das gesamte Personal auf der Bühne des Festspielhauses sich versammeln ließ, um an sie die Worte zu richten: ‚Leben wir nicht in einer Zeit, die alles Andere gebietet als Feste feiern? Und doch: Festspiele! Ich fasse den Sinn anders, ich empfinde sie als Befestigungsspiele! Befestigungsspiele für den Geist, für den Deutschen Geist!’“

Die Briefe Siegfrieds an sein „lieb Wernerchen” sind eines der wenigen erhaltenen und heute zugänglichen Dokumente zu Siegfrieds Beziehung(en) zu jungen Männern. Alle anderen Schriftstücke sind entweder vernichtet oder der Öffentlichkeit verschlossen.

Im Rahmen der Ausstellung „Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste“ wird der Schauspieler Manfred Callsen erstmals öffentlich Auszüge aus diesen Briefen lesen.

Der Abend wird eingeleitet und moderiert von Peter P. Pachl, Biograf Siegfried Wagners und Mit-Kurator der Ausstellung.

Event auf Facebook | Tickets

Event 18. März 2017, 19.30h - 19. März 2017

„Operette für zwei schwule Tenöre“

Preview des neuen Musikprojektes von Florian Ludewig und Johannes Kram

Eine „Operette für zwei schwule Tenöre“ entsteht gerade in Berlin Schöneberg. Florian Ludewig, der langjährige Komponist und Pianist von „Malediva“ sowie der Nollendorfblogger und Theaterautor Johannes Kram bringen die Geschichte eines Männerpaares auf die Bühne, die sich zwischen der Klischeewelt einer Landidylle und der Berliner Fetischszene bewegt. In einer ersten Preview präsentiert das Schwule Museum* am 18. und 19. März eine ca. einstündige konzertante Aufführung mit Liedern aus dem Stück.

Die Präsentation findet als Begleitveranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste“ des Museums statt, die sich gezielt der Frage der Möglichkeiten von "Homosexualität und Musiktheater" im Wandel der Zeiten widmet.

„Es wird keine Operetten-Parodie oder -Verarsche“ sagt Johannes Kram. „Wir nehmen das Genre sehr erst, was für uns bedeutet, dass es albern und vor allem auch lustvoll zur Sache geht. Aber weder wir noch die beiden Protagonisten des Stücks schämen sich für große Gefühle, zumal die Welt der Operette ihren Fans noch etwas schuldig ist, auf das diese seit über 150 Jahren warten mussten: Ein ganz unironischer, unmissverständlicher, unverdruckster Hauptrollen-Kuss samt Liebesarie von Mann zu Mann.

Florian Ludewig wird die Präsentation der Lieder durch Daniel Philipp Witte und Eric Rentmeister am Flügel begleiten. Dr. Kevin Clarke, einer der Kuratoren der Wagner-Ausstellung und Direktor des Operetta Research Center Amsterdam wird eine kurze Einführung sprechen.

Ludewig und Kram haben schon bei mehreren Musikprojekten zusammengearbeitet. Zusammen mit Sebastian Pagel haben sie 2014 „Love Is Not For Propaganda“ geschrieben, die Hymne zur „Rainbow Flag“-Aktion von „Enough is Enough“, die von Shon Abram, Romy Haag, Stefan Kuschner und Wilhelmine Schneider gesungen wurde. Im Juni 2017 gibt es eine Workshoproduktion ihres ersten Musicals „Khao San Road“ in Wien. Krams medienkritisches Theaterstück „Seite Eins“ wurde bisher in fünf verschiedenen Inszenierungen produziert, u.a. mit Ingolf Lück, Boris Aljinovic und Eric Rentmeister.

Samstag, 18. März 2017 & Sonntag, 19. März 2017, jeweils 19:30 Uhr

Karten können nur im Vorverkauf und nur noch für den 19. März im Ticketshop erstanden werden.

Eintritt: 4 EUR

Aktuell 19. März 2017, 16.00h

Lesung: "Seltsame Sterne starren zur Erde" bei 'Emine' Sevgi Özdamar

'Emine' Sevgi Özdamar wurde 1946 in der Türkei geboren. Als junge Erwachsene kam sie aus Interesse am deutschen Theater nach Deutschland. Mitte der siebziger Jahre arbeitete sie an der Volksbühne Ost-Berlin, in Paris und Avignon bei dem Brecht-Schüler Benno Besson. Anschließend war sie Ensemblemitglied des Bochumer Schauspielhauses unter Claus Peymann, in dessen Auftrag sie 1982 ihr erstes Theaterstück schrieb. Karagöz in Alamania (Ü: Schwarzauge in Deutschland). Nach der Publikation des Erzählbands Mutterzunge (1990) und eines weiteren Theaterstücks wurde ihr 1991 der Ingeborg-Bachmann-Preis für einen Auszug aus ihrem ersten Roman verliehen Das Leben ist eine Karawanserai (1992).

Özdamars Die Brücke vom Goldenen Horn (1998) reflektieren die 68er-Zeit in der Türkei und in Deutschland bis zum Deutschen Herbst. In ihrem von bürgerkriegsähnlichen Zuständen geplagten Heimatland befiel Özdamar auch ein Widerwillen gegen die eigene Sprache. Sie floh nach Deutschland. Dort lernte sie die deutschen Wörter, in denen sie später schreiben würde, in der freundlichen und intensiven Atmosphäre des Theaters kennen, aber auch feministische und queere Weggefährtinnen. Und so schön erzählt Özdamar von dieser Zeit in ihrem Roman Seltsame Sterne starren zur Erde (2003).

 

Event auf Facebook | Tickets

Aktuell 23. März 2017, 18.30h - 23. März 2017

Vortrag von Prof. Michael Zywietz: „Wie der Vater so der Sohn?“

Es ist ein Phänomen, dass die Musik Richard Wagners ein schwules Publikum so extrem anzieht. Zwei von Wagners frühestens Bewunderern waren König Ludwig II. und Friedrich Nietzsche. Bereits 1873 veröffentlicht Dr. Th. Puschmann Richard Wagner: Eine psychiatrische Studie und meint, der Komponist sei „psychisch nicht mehr normal“ wegen seines Interesses an „Männerliebe“. 1895 beschreibt Oskar Panizza in Bayreuth und Homosexualität den Parsifal als „Ersatzbefriedigung für Päderasten“. Der italienische Kriminologe Cesare Lombroso nennt Wagner 1897 in Genio e degenrazione „un psicopatico sessuale“. Walter Pater – Lehrer von Oscar Wilde – schreibt 1877 über den Tannhäuser-Mythos.

Wobei Tannhäuser als Geschichte zwischen Sinnestaumel im Venusberg und keuscher Ritterwelt von Homosexuellen gern als Metapher auf ihr eigenes Leben interpretiert wurde. Auch von Oscar Wilde in Das Bildnis des Dorian Gray (1890/91). Ein berühmter späterer schwuler Wagnerianer war Thomas Mann, dessen Tod in Venedig von Wagners Tod in Venedig inspiriert ist. Auch in der Neuzeit haben sich schwule Künstler wie Craig P. Russell oder Barrie Kosky wiederholt mit Wagner auseinandergesetzt.

Seltsamerweise hat Siegfried Wagner mit seinen Bühnenwerken keine vergleichbare schwule Fangemeinde aufbauen können, obwohl seine stark autobiografischen Opern einem schwulen Publikum viele Identifikationsmöglichkeit<wbr />en bieten.

Prof. Michael Zywietz lehrt seit 2005 an der Hochschule für Künste Bremen und hat dort 2016 die Tagung „Homosexualität und Musik“ veranstaltet. Dabei hielt er einen Vortrag über die Schwierigkeiten, die die „heterosexuelle“ Musikwissenschaft in Deutschland mit Forschungsprojekten zu schwul-lesbischen Aspekten hat – besonders wenn es dabei „ums Eingemachte“ und um „die Fleischtöpfe“ geht, nämlich die großen Klassiker Händel, Schubert, Wagner usw. Denn dann macht sich Panik breit und beginnen die Verteilungskämpfe, weil viele fürchten, die „Schwulen-Lobby“ könnte die entsprechenden Komponisten ausschließlich für sich reklamieren und Gelder von öffentlichen Förderern würden dann nur noch in „Gay and Lesbian Studies“ fließen – oder noch ‚schlimmer‘, in „Queer Studies“.

Seinen ausgesprochen persönlichen, emotionalen und grundsätzlichen Vortrag aus Bremen wird Professor Zywietz für Berlin modifizieren und im Rahmen der Ausstellung „Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste“ über Richard Wagner und seiner Männerfreundschaften sprechen - und darüber, wie die Forschung damit umgeht.

Anhand von Richard Wagners autobiographischer Schrift Mein Leben unternimmt Prof. Zywietz den Versuch einer Typologie dieser „Freundschaften“ zu erstellen. Die Freundschaftsforschung untersucht die verschiedenen Formen von Freundschaft: aus strategischem Kalkül, Nutzfreundschaften vs. Tugendfreundschaften usw.  Freundschaft wird hierbei als Teil von Intimitätsdiskursen verstanden, die u. a. Affektgemeinschaft und Seeleneinheit voraussetzen können. Die Spielräume der Intimität erschließen sich nicht nur darüber was erzählt wird, sondern auch wie es erzählt wird.

Um den aufkommenden Homosexualitäts- bzw. Sodomieverdacht, der passionierten Liebe, der passionierten Freundschaft zu vermeiden, werden Vorkehrungen getroffen um davor zu schützen.

Die Art und Weise, wie in einer Epoche über Männerfreundschaft gedacht, erzählt und geurteilt wurde, hatte stets auch damit zu tun, wie die Einstellung der betreffenden Zeit gegenüber der Homosexualität war und ist. Wagners Mein Leben bietet reiches Material, um die verschiedenen Formen der Freundschaft zu analysieren.

Prof. Michael Zywietz arbeitet derzeit an einem Buch zur Gesamtheit der Freundschaften Wagners auf der Basis einer breiten Quellenanalyse. Dies ist eine erste öffentliche Präsentation seiner Forschungsergebnisse.

Veranstaltung auf Facebook | Tickets

Aktuell 26. März 2017, 16.00h

Künstlergespräch: Hasan Aksaygın & Yener Bayramoğlu

Yener Bayramoğlu führt ein Künstlergespräch mit dem Künstler Hasan Aksaygın über queerness, Migration und künstlerisches Schaffen in Berlin.

Hasan Aksaygıns Wandbild, das er für ğ hergestellt hat, ist – wie seine anderen Werke – der Versuch eines Selbstportraits. In diesem Bild setzt sich Aksaygın mit archäologischen Funden aus Zypern auseinander, die ihm in der Sammlung «Im Fokus: Zypern, Insel der Aphrodite» im Neuen Museum begegnet sind. Das Bild, das denselben Namen trägt wie die Originalsammlung, wurde in Acrylfarbe direkt an eine Wand des Schwulen Museums* aufgetragen. Es versteht sich als Intervention in die Debatte über migrantische Männlichkeit, wie sie in Deutschland geführt wird, und die verbreitete Wahrnehmung von Maskulinität.

Yener Bayramoğlu forscht an der Freien Universität Berlin und doziert an der Alice Salomon Hochschule. Er forscht in Bereichen queerer Migration, queerer Repräsentation, Cultural Studies, Diskursanalyse und digitaler Ethnographie. Seinem jüngsten Forschungsprojekt Imaginaries of gender and sexuality on the move wurde ein Stipendium von Margherita-von-Brentano-Zentrum für Gender Studies verliehen.  Es war eine komparative Analyse der Bedeutung digitaler Medien für queere Geflüchtete in Deutschland und der Türkei. Er hat mehrere Artikel in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Sein demnächst erscheinendes Buch, das auf die Ergebnisse seiner Doktorarbeit beruht, analysiert den historischen Wandel der queeren Repräsentationen in der türkischen und deutschen Boulevardpresse.

Event auf Facebook | Tickets

Aktuell 02. April 2017, 18.30h

Queer Kitchen: Reih' dich ein in die queere Einheitsfront?

Nach den Erfolgen rechter Bewegungen in den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und der AfD in Deutschland rufen Akteur_innen in lesbischen und schwulen Zusammenhängen vermehrt zu Geschlossenheit auf, um effektiv gegen den Backlash vorzugehen. Dies wird häufig mit der Kritik verknüpft, Teile der Bewegung würden lieber spalten, indem sie mit Rassismus- und Transphobie-Vorwürfen um sich werfen, Sprechverbote verhängen und überhaupt die Political Correctness übertreiben anstatt die wirklichen Gegner_innen zu bekämpfen.

Wir laden zu einem offenen Austausch ein, um darüber zu diskutieren, worum es in diesen Auseinandersetzungen eigentlich geht und warum die Rhetorik der Geschlossenheit gerade jetzt Konjunktur hat. Erinnert das nicht irgendwie an das altbekannte Muster, die Anliegen marginalisierter Gruppen als "Nebenwiderspruch" zu disqualifizieren, ganz so wie einst die linken Männer Feministinnen in ihre Schranken zu weisen suchten? Wird die Kritik an Ungleichheiten und Machtverhältnissen in unseren Zusammenhängen inhaltlich weniger berechtigt und diskussionswürdig, weil die Form und Tonalität, in der sie manchmal artikuliert wird, durchaus auch problematisiert werden kann? Und schließlich: Wie könnten politische Bündnisse aussehen, die den Kampf gegen Diskriminierung in der Mehrheitsgesellschaft mit dem Kampf gegen Diskriminierung in unseren eigenen Reihen verbinden anstatt diese Kämpfe gegeneinander auszuspielen?

Event auf Facebook | Eintritt frei

Aktuell 16. April 2017, 16.00h - 16. April 2017

Lubunca* mit Demet Demir

„Ich will erzählen, wie es vor zwanzig Jahren war. Die Pioniere der türkischen LGBT-Bewegung kamen aus der Trans-Community. Als ich zum ersten Mal in der Gegend um den Taksim ausging, lernte ich Leute kennen, die so waren wie ich. Als ich gerade anfing, diesen Traum zu genießen, passierte der Staatsstreich vom 12. September. Der Militärputsch unterbrach unsere Leben. Zu dieser Zeit verdienten viele feminine Homosexuelle und Transpersonen ihren Lebensunterhalt als Sänger_innen auf der Bühne.  Einige waren auch Sexarbeiter_innen. Die Räume für Transpersonen waren damals, wie auch schon vor den Achtzigern, sehr eingeschränkt. Es gab ein paar Clubs und Bars, und dann gab es noch die Abanoz-Straße, wo biologisch weibliche Personen und Transpersonen arbeiteten. Die Transpersonen hatten außerdem einige Straßenstriche in Harbiye übernommen und fingen an, sich von dort aus auszubreiten. Noch vor der Ülker-Straße hatten Transpersonen zum ersten Mal seit 1985  eigene Viertel gebildet. Zu dieser Zeit war es sogar möglich, Kunden in den Clubs oder auf der Straße zu finden. Später dann nahmen sie die Kunden mit nach Hause und diese Straße wurde ein offenes Bordell.“

Demet Demir ist eine türkische Aktivistin, die seit den 1980er Jahren für die Rechte von Transmenschen eintritt. Nach dem türkischen Militärputsch von 1980 wurde sie mehrfach inhaftiert und gefoltert. Sie war Teil des Kampfes um gesetzlich festgeschriebene Rechte für Transpersonen und trat 1999 bei den Kommunalwahlen als Kandidatin an. Demet gehörte zu den Verantwortlichen einer Bewegung für den Schutz und die Aufrechterhaltung des Ülker-Sokak, einem Viertel im Stadtzentrum von Istanbul, das Transgender, Schwule und Cis-Frauen als Sexarbeiter_innen beherbergte. Sie war außerdem aktiv an der Verbreitung von Lubunca beteiligt, einem Trans-Slang, der dem Schutz der Menschen in Ülker Sokak dient. Lubunca hat seine Wurzeln im Romani und im Griechischen und entstand aus der Notwendigkeit, die Gespräche rund um die Sexarbeit zu tarnen zu müssen. Während ihrer Zeit in Berlin verfasste Demet zusammen mit [ihren Freund_innen] Koray Yılmaz-Günay und Ulaş Yılmaz ein Lubunca-Wörterbuch, das mehr als 400 Wörter enthält. In der Ausstellung „ğ - queere Formen migrieren” findet sich ein QR-Code, der zu einer von Ulaş Yılmaz entwickelten Smartphone-App zu Demets Lexikonprojekt führt. Wir freuen uns, zusammen mit den Ausstellungsbesucher_innen die Form dieses historischen Slangs in die heutige digitale Umgebung migrieren zu können. Am 16. April wird Demet Demir einen biografischen  Vortrag über Lubunca halten. Der Vortrag wird auf Türkisch mit englischer Übersetzung stattfinden.

Aktuell 20. April 2017, 20.00h

Thomas Manns „Der Erwählte“ – eine heteronormativitätskritische Lektüre

Hartmanns von Aue Verserzählung Gregorius, die von der Verstrickung ihres Protagonisten in einen doppelten Inzest berichtet, kann man um die Mitte des 20. Jahrhunderts kaum anders als psychoanalytisch lesen. Thomas Mann tut dies in seiner Gregorius-Adaption Der Erwählte denn auch genussvoll. Der Vortrag unternimmt es, diesen Erzähl-Weg anhand zentraler psychoanalytischer Begriffe (Kastrationskomplex, Urszene, Partialtrieb, Ödipuskomplex u.a.) zu rekonstruieren. An seinem Ende, so die These des Literaturwissenschaftlers Benedikt Wolf (Foto), formuliert dieses Erzählen Thomas Manns in Grigorß’ Erwählung ein Erlösungsbedürfnis aus, das in einen polymorph-perversen Möglichkeitsraum strebt, der die heteronormative Geschlechterbinarität tendenziell überschreitet.

In Zusammenarbeit mit dem Thomas Mann-Kreis Berlin.

www.thomasmannberlin.de

Aktuell 23. April 2017, 16.00h - 23. April 2017

Künstler_innengespräch: Elmgreen & Dragset

Elmgreen & Dragset (Michael Elmgreen, geb. 1961 in Kopenhagen/Dänemark und Ingar Dragset, geb. 1969 in Trondheim/Norwegen) leben in Berlin und arbeiten bereits seit 1995 als Künstler-Duo zusammen. Im Rahmen des Begleitprogrammes zur Ausstellung ğ – queere Formen migrieren, die im Schwulen Museum* gezeigt wird, halten die Künstler einen Vortrag über ihre Auseinandersetzung mit queeren Themen in ihrer künstlerischen Praxis. Sie werden über Kunstwerke, Ausstellungen und öffentliche Projekte der letzten zwei Jahrzehnte diskutieren und dabei auf ihre Ausstellungserfahrung in verschiedenen Ländern in der ganzen Welt eingehen. In vielen von Elmgreen & Dragsets Arbeiten finden sich queere Themen wieder – so zum Beispiel ein „Lust Haus“, das sie in einem schwulen Cruising Park errichtet haben, aber auch die theatralische Inszenierung  mit männlichen Darstellern auf den Biennalen 2009 in Venedig und 2011 in Singapur tragen queere Züge. Elmgreen & Dragset werden erzählen, wie sowohl ihre persönliche als auch berufliche Geschichte ihre queeren Realitäten beeinflusst hat und sie Identitäten heute als fluide wahrnehmen lässt.