Führung 01. Januar 2018 - 28. Februar 2018

Öffentliche Führungen im Schwulen Museum*

Donnerstag, 04. Januar um 18:00 Uhr Führung zu Queer City: Geschichten aus São Paulo auf Deutsch.

Samstag, 06. Januar um 16:00 Uhr Führung zu Fenster zum Klo auf Englisch/Französisch.

Donnerstag, 11. Januar um 18:00 Uhr Kuratoren-Führung zu Tapetenwechsel 2.03 auf Deutsch.

Samstag, 13. Januar um 16:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.03 auf Englisch.

Donnerstag, 18. Januar um 18:00 Uhr Führung zu Fenster zum Klo auf Deutsch.

Samstag, 20. Januar um 16:00 Uhr Führung zu Faszination Sex: Der Theoretiker und Aktivist Martin Dannecker auf Deutsch.

Donnerstag, 25. Januar um 18:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.03 in Deutsch.

Samstag, 27. Januar um 16:00 Uhr Führung zu Faszination Sex: Der Theoretiker und Aktivist Martin Dannecker auf Englisch.

Donnerstag, 1. Februar um 18:00 Uhr Führung zu Fenster zum Klo auf Deutsch.

Samstag, 3. Februar um 16:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.03 auf Deutsch.

Sonntag, 4. Februar um 16:00 Uhr Kuratorenführung zu Fenster zum Klo auf Englisch und Frazösisch (mit Marc Martin)

Donnerstag, 8. Februar um 18:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.03 auf Englisch.

Samstag, 10. Februar um 16:00 Uhr Kutaror_innenführung zu Faszination Sex auf Deutsch (mit Patsy l‘Amour laLove).

Donnerstag, 15. Februar um 18:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.03 auf Deutsch.

Samstag, 17. Februar um 16:00 Uhr Führung zu Faszination Sex auf Englisch.

Donnerstag, 22. Februar um 18:00 Uhr Führung zu Tapetenwechsel 2.03 auf Englisch.

Samstag, 24. Februar um 16:00 Uhr Führung zu Faszination Sex auf Deutsch.

 

Die Führungen sind kostenlos, bezahlt werden muss nur der Eintrittspreis für das Museum* selbst.

Führungen für private Gruppen, Bildungsreisen etc. können unter fuehrungen(at)schwulesmuseum.de angefragt und gebucht werden. Für Führungen durch das Museum und seine Ausstellungen empfehlen wir eine Gruppengröße von maximal 25, für Führungen durch das Archiv maximal 15 Personen.

Lesung 04. Januar 2018, 19.00h

Klappen: Verlorene Paradiese schwuler Sexualität oder Treffpunkte von „Klemmschwestern“?

Die „Umwidmung“ öffentlicher Bedürfnisanstalten zu „Klappen“ durch schwule Männer, also  zu Orten, an denen Sexkontakte gesucht und gefunden wurden, ist ein fast abgeschlossenes Kapitel in europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Aussschnitthaft soll die Funktionsweise von Klappen anhand einer pionierhaften US-amerikanische Studie und anhand von englischen und französischen Untersuchungen dargestellt werden. Beobachtungen an West-Berliner Klappen von den 1980er Jahren bis zu ihrer Schließung nach den 1990er Jahren schließen sich an.

In Erinnerung sollen die Klappen als Orte schwuler Lebenswelten gerufen werden, die sich durch eine einmalige soziale Durchmischung auszeichneten: Es trafen sich dort homo-, bi- und heterosexuelle Männer und es waren Orte, an denen viele gesellschaftliche Konventionen außer Kraft gesetzt waren.

Michael Bochow, Jg. 1948, Dr. rer. pol., Soziologe, von 1978 bis Ende 1986 tätig in der Bildungsforschung und Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, seitdem engagiert in   der sozialwissenschaftlichen AIDS-Forschung und Minderheitenforschung. Tätig am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung von September 2005 bis Juni 2012,  seitdem freiberuflich aktiv.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur AIDS-Prävention für schwule Männer/andere MSM und zu den Lebenswelten schwuler Männer, u.a.: „Schwules Leben in der Provinz - Zum Beispiel Niedersachsen“ (Edition Sigma, Berlin 1998). Veröffentlichungen zur sozialen Situation von Migranten mit muslimischem Hintergrund und gleichgeschlechtlichen Sexkontakten, (zusammen mit Rainer Marbach): "Homosexualität und Islam" (MännerschwarmSkript, Hamburg 2004)

Eintrittskarten

Event 07. Januar 2018, 17.00h

Mavi Veloso: Quase Show (Finissage "Queer City")

Fast Musik, fast Performance, fast Show. Fast menschlich, fast pervers, fast Liebe, fast glückliche Seele. Die Frau-der-Zukunft, der Mann dazwischen, das transgressive Arschloch, das uns alle streichelt. 2016, 2017, 2018… der Mann und die Maschine, der Cyber, der wächst.

Fast Kopf, fast Fotze, fast Vagina, fast Füße, fast nackt, fast meine Seele, wenn ich nicht mehr bin, fast Comeback.

„Quase“ bedeutet aus Portugiesisch „fast“. Wir fangen an zu singen ohne zu wissen, wie man musiziert, wir schreiben Romane und erzählen Geschichten. Es geht ums Lernen-durch-Machen: während wir fast existieren in einer normativen Gesellschaft, voller Kontrollmechanismen, schreien wir, um Vibrationen zu erzeugen, um unsere Körper zum Virbrieren zu bringen. Wir eignen uns andere Stimmen an, wir lauschen und kopieren, um eine Stimme zu finden, mit der wir unsere verschiedenen Ichs ausdrücken können. Denn wir wollen uns ausdrücken. Die Stimme erheben, als Statement und Manifest. Basierend auf unseren persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen unserer Umgebung. Wir wollen sprechen von marginalisierten, fremden, seltsamen, trans* und queeren Körpern und deren Verdrängung. Und über ihre Re-Installation.

Quase Show ist Teil des Projekts #iwannamakerevolution, ein transdisziplinäres Projekt mit Arbeiten in verschiedenen Medien, die sich mit den Themen Migration, Transition und Mutation des Körpers (den MTF-Transitionsprozess) beschäftigen: als Form der Performance und Performancemethode.

#iwannamakerevolution begann als Post-Master-Forschungsprojekt am A.PASS in Brüssel (2015/16). Es wird nun fortgesetzt in Form eines Master-of-Voice- Programms am Sandberg Instituut, Amsterdam. Es ist ein Project in Residence der ArtsEverywhere Online Platform sowie ein Fellowship der Free Home University in Lecce, Italien, und Queer City São Paulo (alles laufende Musagetes Programme).  Das Projekt wird außerdem unterstützt von DansMakers, Amsterdam.

Die Performance von Mavi Veloso ist das Abschlußevent der Ausstellung Queer City: Geschichten aus São Paulo. 

Aktuell 12. Januar 2018, 20.00h - 13. Januar 2018

Symposium: (Homo)Sexualität und Psychoanalyse

Symposium: (Homo)Sexualität und Psychoanalyse
International Psychoanalytic University (Stromstr. 3B, 10555 Berlin)

Fr., 12. Januar, 20.00 Uhr & Sa., 13. Januar, 10.00 - 18.00 Uhr

im Rahmen der Ausstellung Faszination Sex im Schwulen Museum!

Kostenfreie Anmeldung unter: info(at)ipu-berlin.de

Programm:

Fr., 12.01., 20.00 Uhr: Eröffnungsvortrag von Martin Dannecker
Zur Lage des Homosexuellen

Sa., 13.01., 10.00 Uhr: Begrüßung

1. Panel: Historische Perspektiven
10.15 Uhr: Mario Erdheim - Adoleszenz, Homosexualität und Paranoia
11.15 Uhr: Dagmar Herzog - Die bemerkenswerte Beständigkeit der Homophobie in der Psychoanalyse

2. Panel: Triebschicksale und ihre Theorien
13.15 Uhr: Monika Gsell - Vom Schmusekätzchen zur aggressiven Bestie. Bisexualität, vollständiger Ödipuskomplex und das Triebschicksal des passiv-genitalen, sogenannt "weiblichen" Wunsches
14.15 Uhr: Ralf Binswanger - Wiederholt sich die Geschichte? - nicht nur! Zu den Widerständen der Psychoanalyse gegen die Entpathologisierung erwachsener Sexualorganisationen
15.15 Uhr: Herbert Gschwind - Tatsächlich hängt die von Freud beschriebene Kategorie von Homosexualität mit der Pädophilie zusammen

3. Panel: Queer und Psychoanalyse?
16.30 Uhr: Victoria Preis - Sexualität in der queeren Psychoanalyse - Eine Bestandsaufnahme
17.15 Uhr: Sophinette Becker - Geschlecht und sexuelle Orientierung in Auflösung - was bleibt?

„Zur Homosexualität gehört nicht selten jene Unangepaßtheit im sexuellen Bereich, vor der die schaudernd zurückschrecken, die gerade noch bereit waren, sich tolerant zu verhalten.“
(Martin Dannecker, 1971)*

Als Sigmund Freud die Sexualtheorie als Herzstück der Psychoanalyse auszuarbeiten begann, ließ er sich nicht von der Vorstellung einer natürlichen Sexualität leiten. Die heterosexuelle Objektwahl galt ihm als nicht weniger erklärungsbedürftig als die homosexuelle. Doch was trotz begleitender Widersprüche mit Impulsen von Neugierde und kritischem Denken anhob, verkehrte sich in den Folgejahren der psychoanalytischen Theoriebildung zum Festhalten an der Norm einer vermeintlich reifen genitalen Heterosexualität. Die daraus entspringende feindselige und pathologisierende Haltung gegenüber Homosexuellen hat ihre Ausläufer bis in die jüngere Vergangenheit.

Heute ist eine offene Ablehnung der Homosexualität in der psychoanalytischen Community jedoch die Ausnahme und zaghaft setzte sogar eine Aufarbeitung des homosexuellenfeindlichen Erbes ein. Da allerdings die Sexualtheorie allgemein ihren Status zugunsten anderer Paradigmen eingebüßt hat, in den theoretischen Debatten folglich leisere Töne angeschlagen werden, bleibt zu diskutieren, was die Psychoanalyse heute zur (Homo)Sexualität zu sagen hat. Unser Symposium möchte hierzu eine Auseinandersetzung anregen.

Nicht ohne Grund laden wir zu dieser Diskussion im Zusammenhang mit der Ausstellung „Faszination Sex“ über den Theoretiker und Schwulenaktivisten Martin Dannecker. Als einer der bedeutendsten deutschen Sexualwissenschaftler ist sein theoretisches Arbeiten seit den 1970er Jahren von Grund auf geprägt von der freudschen Psychoanalyse. Auf deren Verständnis der Triebtheorie und des Subjekts beharrend, kritisiert Dannecker seit jeher die Ressentiments gegen Homosexuelle in der psychoanalytischen Theorie und Praxis.

Ausgehend von Danneckers umfangreichen Studien geben wir mit dem Symposium Anlass, um an zwei Tagen über das spannungsgeladene Verhältnis der Psychoanalyse zur (Homo)Sexualität zu diskutieren und neue psychoanalytische Theorieentwürfe in diesem Feld zu erforschen. Nicht zuletzt möchten wir das zentrale Anliegen Danneckers aufgreifen, eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Erscheinungen des (Homo)Sexuellen fortzuführen.

Wir freuen uns auf spannende und anregende Diskussionen.

Aaron Lahl, Victoria Preis und Patsy l‘Amour laLove

*Martin Dannecker: Wer lächelt schon, wenn er aus dem Schlaf gerissen wird? In: Fernsehspiele Westdeutscher Rundfunk: Januar – Juni 1972. Veröffentlicht 1971.

Aktuell 17. Januar 2018, 19.00h

Eröffnung: 12 Monde Film Lounge

Wir feiern das Themenjahr Jahr der Frau_en mit der Eröffnung der Filmlounge 12 Monde!

1. Mond: 17.1. – 14.2.2018
Am Anfang die Mütter

Der erste Mondzyklus des „12 Monde“-Programms widmet sich den Beziehungen der Filmemacherinnen und Protagonistinnen zu ihren Müttern. Es werden fünf Filme gezeigt, u.a. Small Talk, der Gewinnerfilm des queeren Filmpreises Teddy auf der Berlinale 2017. Darin nähert sich die taiwanesische Regisseurin Hui-chen Huang ihrer verschlossenen, lesbischen Mutter an.

Die anderen Filme sind: Matriarchy (USA 2017), Mothership goes to Brazil (Schweden 2016), I am (Indien 2012), Mutterstücke - Mothers (Deutschland 2006).

Ein Raum des Schwulen Museums wird zur Filmlounge mit einem wechselnden Programm zu jedem Neumond. Während der regulären Öffnungszeiten des Museums können sich die Besucher_innen in einem installativen Raumkonzept Zeit nehmen für unterschiedliche filmische Formate und internationale feministische Positionen.

Die Reihe ist ein ganzjähriges Statement gegen die mangelnde Sichtbarkeit von Frau_en und weiblichen* Sichtweisen - sowohl in audiovisuellen Medien und musealen Kontexten als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Sie wirft Fragen nach der Darstellung und Konstruktion von Weiblichkeit_en und der Möglichkeit eines anderen Blicks auf.

Das Jahr wird keine monosubjektive Übersichtsschau, sondern ist als breite Suche angelegt, auf die wir uns in Zusammenarbeit mit wechselnden Gastkurator_innen begeben. Eine einjährige Suche nach ungesehenen Geschichten, den Klassikern lesbischer und feministischer Filmhistorie, zeitgenössischen queeren Positionen und den Stimmen von Women* of Color. Wir wühlen uns durchs Internet, fragen die OWLs (die older wiser lesbians), die Pornfilmexpert_innen, die Community, Festivals und Archive nach Input zu den Themen, die uns bewegen.

Das Programm der 12 Monde eröffnet Einblicke in Alltagsleben und Begehren, hinterfragt Beziehungsstrukturen und Machtgefüge. Die gesellschaftlichen Zumutungen werden ebenso gezeigt wie die Zeiten des Aufbegehrens, des Widerstandes gegen die Geschlechterordnung und die darin aufscheinenden heilenden Momente und utopischen Phantasien. Die Monde präsentieren damit Zeugnisse des globalen Kampfes von Frauen* um Respekt, Selbstbestimmung und Entfaltungsräumen.

Team:
Kuratorin: Vera Hofmann
Szenografie: with Carolin Gießner und Théo Demans
Programmplanung: mit wechselnden Ko-Kuratorinnen*
Mond 1: Assistenz: Felix Scharr

Vera Hofmann arbeitet als Künstlerin und ist im Vorstand des Schwulen Museums.

Eintritt frei!

12 Monde wird im Rahmen des Jahres der Frau_en von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.

Aktuell 18. Januar 2018, 19.00h

Schon wieder Freud? Zur Aktualität der „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“

Was lässt sich heute – 113 Jahre nach Erscheinen von Sigmund Freuds „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ (1905) – überhaupt noch über diesen Text sagen, ohne lediglich zu wiederholen, was schon längst irgendwo gesagt oder geschrieben wurde? Wenig und doch so einiges: Getreu dem Motto: Wer nichts weiß, der weiß Bescheid, wird gerade wenn es um Sexualität geht immer wieder Bescheid gewusst, normiert, vermessen und sortiert.
Freuds Versuch, sich dem Rätsel der menschlichen Sexualität zu stellen, ist schon deswegen noch heute diskussionswürdig, weil er „erhellend scheiternd“ (Peter Passet) Sexualität entlang des Körpers denkt, ohne sie in Biologie aufgehen zu lassen. Er denkt so zwischen Konstruktivismus und Biologismus hindurch.
Angeregt durch die auf Freuds Konzept der Bisexualität fokussierende Anmerkung Martin Danneckers zu den „Drei Abhandlungen“ (Martin Dannecker 2005) will der Vortrag erörtern, wie das gehen könnte und warum das heute noch interessant ist. Dabei geht es zentral um Freuds Begriff der psychischen Bisexualität der mit Rekurs auf das Konzept der Nachträglichkeit gelesen wird.

Christine Kirchhoff ist Professorin an der IPU, an der unsere Tagung stattfindet.