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Love at First Fight! Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall

19. Juli 2019 – 30. September 2020

Love at First Fight! Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall

Ab 19. Juli 2019 im Schwulen Museum
Vernissage: 18. Juli 2019, ab 19 Uhr

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 stürmt die Polizei die New Yorker Bar Stonewall Inn – wiedermal, aber einmal zuviel. Denn die Gäste haben genug: queere Menschen aller Geschlechter, darunter viele People of Color, wehren sich gegen die routinierte Schikane. Jahrzehnte aufgestauter Wut entladen sich in einem tagelangen Aufstand rund um die New Yorker Christopher Street. Und setzen von dort aus einen Impuls zur queeren Emanzipation auf der ganzen Welt.

Schon oft wurde diese Geschichte erzählt, meist als schwule Erfolgsgeschichte mit Happy End in bürgerlicher Anerkennung. Doch für viele hat der Kampf nie aufgehört. Deswegen will die Ausstellung Love at First Fight! im Schwulen Museum neue Wege und Perspektiven öffnen: auf (mehr als) 50 Jahre queeren Widerstand in der BRD, der DDR und schließlich im wiedervereinigten Deutschland.

Auftritt der Theatergruppe Hibaré, Ostberlin, 1970er, Schwules Museum
Auftritt der Theatergruppe Hibaré, Ostberlin, 1970er, Schwules Museum

Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Bundeszentrale für Politische Bildung: als etwa 100 Exponate umfassende Wanderausstellung, die überall auf der Welt gezeigt werden kann und soll, kuratiert von Birgit Bosold und Carina Klugbauer vom Schwulen Museum in Berlin. Gezeigt wird manifestierter Widerstand: Plakate aus anderen Zeiten, Flyer, gedruckte Protestaufrufe, Underground-Fanzines, Streitschriften – denn die Ausstellung schaut auch überall dorthin, wo es geruckelt hat in der Bewegung: zu den frühen Lederschwulen-Treffpunkten in Kreuzberg etwa, oder zur feministischen Szene der DDR, zum legendären Tuntentstreit der linken Schwulen, zum so genannten Hexenprozess von Itzehoe, zur Gründung des Netzwerks Schwarzer Frauen in Deutschland, oder auch zu den heutigen Protestaktionen der trans* Bewegung.

Audre Lorde bei einer Lesung in München, 1987, Foto: Daniela Tourkazi
Audre Lorde bei einer Lesung in München, 1987, Foto: Daniela Tourkazi

Im Rahmen des Multimedia-Projektes Queer as German Folk des Goethe-Instituts wird die Ausstellung zunächst in mehreren Goethe-Instituten in Nord- und Mittelamerika gezeigt – in Washington, D.C., Toronto, New York, Montreal, Chicago, San Francisco, Mexiko Stadt und Guadalajara. Im Schwulen Museum wird die Ausstellung schließlich ab dem 19. Juli für mindestens sechs Monate zu sehen sein. „Unser Ziel war es, einen Erlebnisraum zu schaffen“, sagt Georg Blochmann, der das New Yorker Goethe-Institut leitet und „Queer as German Folk“ mit initiiert hat. „Wir wollen Geschichte und Gegenwart der Bewegung erleb- und erfahrbar machen, und das auf ganz neuen Wegen.“

Demonstration gegen § 218, Westberlin, um 1974, Foto: Anke-Rixa Hansen (Vedant)
Demonstration gegen § 218, Westberlin, um 1974, Foto: Anke-Rixa Hansen (Vedant)

Das Besondere: Love at First Fight ist eine Ausstellung „on demand“ – sie existiert komplett digital und kann überall auf der Welt mit einfachsten Mitteln aufgebaut werden. Die von den renommierten Berliner Szenografie-Agentur chezweitz entworfene Ausstellungsarchitektur ist so raffiniert wie simpel: Die Exponate lassen sich auf Träger wie Leinwände, Plakate, T-Shirts, Flyer oder Klebebänder drucken und dann auf mobilen Ständern im Raum installieren. „Wir haben uns dagegen entschieden, einfach irgendwas an die Wände zu hängen“, sagt Birgit Bosold, die schon für die legendäre SMU-Ausstellung Homosexualität_en mit chezweitz zusammengerabeitet hat. „Unsere Ausstellung soll ihren eigenen Raum erzeugen und eine Stimmung herstellen, die den Grundton unserer Narrative spiegelt.“

Und damit ist auch eine Lust am Wilden, am Chaotischen gemeint. „Wir zeigen ja auch nicht die eine chronologische Geschichte, die den Anspruch auf alleinige, objektiv historische Richtigkeit vertritt“, sagt Co-Kuratorin Carina Klugbauer. „Wir legen den Fokus auf verschiedene Konflikte und Interventionen in der Bewegungsgeschichte, auch innerhalb der Bewegung selbst. Auf die Debatten, die geführt wurden oder weiter geführt werden müssen, auch mal in rauerem Ton. Und der kann sich gern auch in der Ausstellung wiederfinden.“

Wird er.

 

Mehr über Queer as German Folk beim Goethe Institut: https://www.goethe.de/ins/us/de/kul/wir/swl.html?wt_sc=usa_queer