Birga Meyer kennt das Schwule Museum wie kaum eine andere Person: im Interview erzählt sie von ihren vielfältigen Rollen im SMU, vom ehrenamtlichen Engagement bis zur Geschäftsführung (zusammen mit Luan Pertl). Dann wird es nochmal ganz persönlich, wenn Meyer über ihre Leidenschaft für Museums- und Community-Arbeit, Teilhabe und queeren Aktivismus spricht und ein Objekt aus dieser Zeit an das Archiv des Schwulen Museums übergibt. Selbstverständlich haben wir uns auch nicht die Chance nehmen lassen, Birga über die Geschichte und Gegenwart des SMUs, sowie über Resilienz in politisch härter werdenden Zeiten auszufragen – die SMU-Geschäftsführung steht Rede und Antwort!
Yasmin: 50% der Geschäftsführung sitzt vor mir; hallo Birga! Nachdem wir diesen Termin ausgemacht haben, musste ich dich natürlich erstmal googeln. Online steht, du bist Historikerin und Kulturwissenschaftlerin. Willst du uns von diesem Werdegang erzählen?
Biga: Ja! Rückwirkend gesehen ist der total gradlinig verlaufen, aber mittendrin hat es sich überhaupt nicht so angefühlt. Nach der Schule wusste ich, ich will in jedem Fall was mit Kultur und Geschichte machen. So kam es dann zum Studium in Bremen. Die Städtewahl war etwas zufällig, ich habe zwischen Berlin, Bremen und Leipzig überlegt. Bremen fand ich dann super sweet. Ich habe relativ früh angefangen, an Ausstellungen zu arbeiten und diese mitzugestalten; schwerpunktmäßig zu den Themen Antisemitismus und deutscher Täterschaft. Für meine Promotion bin ich dann nach Kanada gegangen, wo ich zur Repräsentation von Geschichte im Museum in Österreich, Ungarn und Italien geforscht habe. Meine spätere berufliche Laufbahn am Museum hat sich also früh abgezeichnet. Museen haben mich fasziniert! Wie gesagt, rückblickend macht das alles Sinn und passt gut zusammen, aber ich finde es schon interessant, wie das mit Lebensläufen ist, man kann die ja so oder so schreiben.
Y: Das stimmt! Die Erzählung ergibt sich meistens erst im Nachgang…
B: Genau! In Vancouver habe ich am Holocaust Education Centre gearbeitet und schnell gemerkt, wie viel schöner, spannender und kreativer ich die Museumsarbeit gegenüber der Arbeit an der Universität fand – aber es hätte auch ganz anders kommen können. Nach sechs Jahren bin ich wieder nach Deutschland gekommen und in Berlin gelandet. Eine Woche nach der Verteidigung meiner Dissertation bekam ich dann ein Stellenangebot für das Museum Friedland. Ohne dieses wäre ich vielleicht auch in die Forschung gegangen, aber zum Glück hat diese Stelle mich ganz ins Museum geführt.
Y: Ich habe dich schon in ein paar Rollen hier am Museum erlebt; ich erinnere mich an dich in der Kuration und im Vorstand. Habe ich etwas vergessen?
B: Projektmanagement habe ich auch mal gemacht (lacht).
Y: Gut, dass ich nachgefragt habe! So oder so bist du deine Stelle als Geschäftsführung mit einer ziemlich guten institutionellen Innenperspektive angetreten. Inwiefern informieren deine vorherigen Rollen deine jetzige Arbeit?
B: Gute Frage! Mir hilft es, einen vielfältigen und auch längeren Bezug zum Haus zu haben, der nicht nur durch die kurzen drei Jahre als Geschäftsführung bestimmt ist. Mein Blick auf die Einrichtung ist größer. Ich weiß beispielsweise, was es bedeutet, sich hier ehrenamtlich einzubringen oder als freie Mitarbeiterin hier zu arbeiten. Das prägt unter anderem, wie ich Wertschätzung gebe und mit den Menschen umgehe. Meine Zeit als Vorstandsmitglied hat gerade am Anfang meiner Leitungszeit meine Ziele beeinflusst; also all das, was ich am Haus machen und auch verändern wollte. Auch besonders war, dass ich ziemlich genau wusste, wie der Laden läuft (lacht). Dieses Insiderwissen darüber, was auf mich zukommt, war ein wertvoller Bonus!
Y: Und das hauptamtliche Team war dir auch nicht fremd!
B: Das stimmt, wobei ich mir da gar nicht sicher bin, ob das ein Vor- oder Nachteil ist. Ich habe mir Mühe gegeben, die Menschen hier nochmal neu und offen kennenzulernen. Welche Arbeit wird gemacht, wer hat welche Stärken, wie kann das Museum wen fördern? Ob das gelungen ist, musst du aber andere Personen im Team fragen (beide lachen).
Y: Kannst du dich daran erinnern, wie du überhaupt mit dem Schwulen Museum in Berührung gekommen bist?
B: Ja! Das war zwei Jahre, bevor das Jahr der Frau_en im SMU durchgeführt wurde. Als das Projekt anlief, hat Panda Ortmann mir vom SMU erzählt. Panda und ich kennen uns aus dem AStA der Universität Bremen, und Panda war damals schon mit dem Museum verbunden. Und so hieß es eben, es solle etwas geben zu BDSM und FLINTA, und ob ich nicht Lust hätte, mich auf eine Ausstellung zu bewerben – zumindest ist das das, was ich verstanden habe! In Wirklichkeit handelte es sich aber nur um eine Veranstaltung zur FLINTA BDSM Szene, die Birgit Bosold gern machen wollte. Ich aber bin da aufgerockt mit einem fertigen Pitch für eine Ausstellung in der Tasche (lacht). Den habe ich vorgestellt, ich dachte ja, darum geht es! Offenbar hat der Pitch so gut funktioniert, dass Birgit die Schau wirklich umsetzen wollte, auch wenn keine Ausstellung in Planung war.
Y: Oh mein Gott, daraus ist dann Proudly Perverted geworden!
B: Genau. An dieser habe ich dann ehrenamtlich gearbeitet, weil einfach keine Gelder dafür da waren. Ich war aber so begeistert von der Idee und wollte es unbedingt machen. Zu der Zeit hatte ich eine Teilzeitstelle am Haus der Wannseekonferenz, und meine freie Zeit habe ich dann in Proudly Perverted gesteckt.
Y: Und zack ist man im SMU-Netzwerk!
B: Ich bin dann auch relativ schnell dem Verein beigetreten, habe Rosarot in Ost-Berlin mitkuratiert und ehrenamtlich den Vorstand beraten – aus Begeisterung für das Haus. Und so wurde ich reingezogen!
Y: Und wir haben nie wieder losgelassen (beide lachen).
B: Die Beratung des Vorstands war 2021, ganz kurz nachdem ich ein Kind bekommen habe. Allem Anschein nach dachte ich mir während meiner Schwangerschaft, es wäre total super, mir mit einem Neugeborenen ganz viel ehrenamtliche Arbeit aufzuladen, und 2022 habe ich mich dann auch noch zur Wahl für den Vorstand aufstellen lassen (lacht).
Y: Okay krass, los ging es also 2017. Nächstes Jahr ist also Zehnjähriges für dich!
B: Ach, das klingt jetzt etwas ernst, aber na gut (beide lachen).
Y: Du hast vor kurzem auf der ICOM-Jahrestagung gesprochen, wo du einen Input mit dem Titel „Was macht die Community im Museum – was macht das Museum in der Community? Teilhabe und Engagement im Schwulen Museum“ gegeben hast. Wie sieht Teilhabe am Schwulen Museum aus?
B: Ich finde, Teilhabe funktioniert am Schwulen Museum anders als an anderen Orten. Ganz allgemein gesprochen, sind viele Häuser Teil der Mehrheitsgesellschaft, ohne das politisch zu benennen oder sich kritisch mit dieser Position und den damit verbundenen Privilegien auseinanderzusetzen. Darum findet dann auch selten eine klare Stellungnahme zu dominanten Diskursen in der Gesellschaft statt. Wir machen das anders! Natürlich sprechen wir zum einen für unsere Rechte und kämpfen die Kämpfe, von denen wir Teil sind, das ändert schon einiges. Aber generell gilt, dass wir ein aufrichtiges Interesse an den Menschen, den Communities haben, die über unser Programm repräsentiert werden: was ist die Lebensrealität dieser Menschen, wie sieht ihre Geschichte aus? Was brauchen sie auch über das Projekt mit uns hinaus? Durch die Ausstellungen zu Sexarbeit sind wir z.B. eng mit Sexarbeitenden verbunden und ein klarer Ally. Heute heißt das für uns, wenn Sexarbeitende in Berlin angegriffen werden, wenn es um den Kampf für die Rechte von Sexarbeitenden geht, ist das Schwule Museum am Start! Auf eine Art werden wir Teil dieser Communities, und deren Kämpfe sind auch relevant für uns. Mein Wunsch ist es, unsere Position bestmöglich zu nutzen, um auf kulturellem Wege, also über die Sammlung, die Ausstellungen oder die Vermittlung, eben über kulturgeschichtliche Formate, die gesellschaftlichen Diskurse mitzuprägen und zu verändern.
Y: Und gelingt uns das?
B: Das kommt natürlich drauf an, mit wem oder was man sich vergleicht! Und Museen sind natürlich auch nicht so weltbewegend wie andere Einrichtungen. Aber unter den Museen sind wir schon besonders – und ich erlebe schon den positiven Effekt, den Selbstwirksamkeit, Sichtbarkeit, Gesehen-Werden und Erinnert-Werden hat. Das Haus verändert Sachen in Debatten und erfährt gleichzeitig selbst Veränderung. Luft nach oben gibt es trotzdem immer, diese Gleichzeitigkeit besteht.
Y: Jetzt feiert das Schwule Museum 40-jähriges Bestehen und eine Geschichte, die eng mit Selbstermächtigung, Sichtbarkeit und Aktivismus verbunden ist. Welche dieser Gründungswerte sind noch aktuell und welche sind eventuell dazugekommen?
B: Aktuell sind alle drei, wobei ich denke, dass sich die Form des Aktivismus durch die Professionalisierung des Hauses verändert hat. Trotzdem bleibt es durch die Einzelpositionen, die die Leute im Museum beziehen, sehr aktivistisch! Wir haben viele der internen queeren Auseinandersetzungen mitgemacht, mitgeführt und -geprägt; darin auch unsere Position gefunden und ausgehandelt. In dieser sind wir nicht nur selbstbestätigend oder -vergewissernd, sondern fragen auch: Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Wie wollen wir leben? Und die Aspekte Archiv und Sammlung waren und sind darin ganz zentral; wir bewahren und halten fest und wir sichern auch Geschichte, für uns, die Forschung und damit auch die Nachwelt.
Y: Was bedeutet es für dich persönlich, den Geburtstag des SMUs nicht nur zu feiern, sondern auch kritisch und historisierend begleiten zu können?
B: Es hat mir total Spaß gemacht, die Chance zu bekommen, etwas tiefer in diese Anfangszeit des Museums blicken zu können. Es ist beeindruckend zu sehen, was vor 40 Jahren aufgebaut wurde, und zu wissen, dass es das alles noch gibt. Das ist schon stark! Die Interviews, die wir mit den Gründungspersonen und den engen Leuten um die Gründung herum geführt haben, haben sich auch ein bisschen wie eine Übergabe angefühlt. Gerade im Gespräch mit Wolfgang Theis gab es ein paar Momente, in denen er gesagt hat: Ja gut, jetzt müsst ihr halt weitermachen. Das hat eine Verbindung hergestellt und so ein Gefühl gegeben von: „Ja klar, heute ist vieles anders als vor 40 Jahren, aber gleichzeitig gibt es viel Gemeinsames.“
Y: Die gefilmten Interviews sind wichtige Bestandteile der Ausstellung „… und damit fingen dann die Probleme an“ – Die Gründung des Schwulen Museums 1985“. Warum waren dir und Luan Pertl in der Kuration das Sprechen aus deren Perspektive so wichtig?
B: Am Anfang war ich einfach schockiert darüber, wie wenig unsere „Gründungsmütter“ in unserem eigenen Archiv präsent sind. Daraus entstand der Wunsch nach Interviews mit ihnen. Die geschichtliche Perspektive ist darin genauso wichtig wie ihre eigene Sicht auf das Museum. Es gab unsererseits ein ehrliches, aufrichtiges Interesse zu erfahren, wie finden sie die Institution heute. Daraus ist im Endeffekt eine, wie ich finde, schöne, kleine und wertschätzende Ausstellung geworden. Ich bin zufrieden, insbesondere in Anbetracht der Zeit und der Doppelbelastung, unter der Luan und ich als Geschäftsführung und Kuration standen.
Y: Der Titel der Ausstellung deutet bereits Konflikte und Schwierigkeiten an…
B: Das Zitat im Titel ist von Wolfgang Theis und ist in der Ausstellung auch zu hören. Wenn man ihn hört, versteht man auch, wie ironisch er das gemeint hat. Eigentlich sagt er: Ja, und damit haben wir uns einen Haufen Arbeit, Ärger und Stress ans Bein gebunden. Ich fand das super toll (lacht). Das fängt den Spirit der Gründungszeit ein, der bis heute präsent ist. Ich meine damit diese Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit. Wenn man was tun, bewegen, verändern will, egal, ob intern oder extern, ist es natürlich immer erst mal mit Aufwand verbunden.
Y: Hast du im Zuge dieser Interviews über einen Aspekt gelernt, der dich besonders überrascht oder bewegt hat?
B: Ja, die Sammlung von Andreas Sternweiler! Von der wusste ich zwar schon, aber richtig gekannt habe ich sie nicht. Sternweilers Sammlung zum Thema der Homoerotik ist unglaublich umfangreich und divers. Trotz inhaltlichem Fokus überspannt sie viele Objektgruppen, die in faszinierender Weise zueinander passen, obwohl sie so verschieden sind. Ich finde es beeindruckend, wie in der Sammlung Liebe, Zuneigung und Intimität gezeigt werden. Andreas Sammlung so kennenlernen zu dürfen, war einfach toll.
Y: Wenn ich das richtig verstanden habe, übergibst du dem Archiv des Schwulen Museums was aus deiner privaten Sammlung und hast davon auch etwas mitgebracht. Zeig mal her!
B: Ja! Eigentlich bin ich ja total schlecht im Sammeln, ich habe das Gefühl, dass ich weiß, wie unmöglich Vollständigkeit ist. Ich habe da so einen Perfektionismus, der mich beim Sammeln frustriert (lacht). Aber hier habe ich ein Andenken aus meinen frühen queeren Jahren im Aktivismus. Das ist ein Siebdruck der Partycrew „Team Orange“ aus Bremen, zu der ich gehört habe. Den habe ich also quasi selbst gemacht! Eigentlich war das mal ein Shirt, das habe ich aber zerschnitten, um es zu einem Aufnäher im Patchwork-Style umzufunktionieren. Heute vielleicht etwas peinlich, aber da steht drauf „reboot da system“, und zeigt auch einen Totenkopf mit angedeuteter Orange…
Y: Was hat Team Orange in Bremen gemacht und wo befinden wir uns zeitlich gerade?
B: Los ging es Anfang der 2000er, und mit dabei war ich bis etwa 2006. Wir haben vor allem Undergroundpartys organisiert, illegale Raves also. Unter irgendwelchen Brücken oder in verlassenen Häusern, aber teilweise auch in Kulturzentren oder an anderen Orten. Eine Zeit lang hatten wir sogar einen eigenen Ort in der Alten Post in Bremen, wo wir ein paar Jahre lang Partys gemacht haben. Gefeiert wurde ungefähr im monatlichen Takt, es gab DJ und VJ sets, aber auch Auftritte von Bands oder Performances, und der Zusammenhalt der Crew und was wir gemacht haben, war sehr wichtig für mich. Die Crew und auch das Publikum war gemischt, also nicht nur queer, aber queere Aspekte waren ganz selbstverständlich mit dabei, und wir haben auch viele explizit queere Veranstaltungen organisiert. Neben der Partyreihe haben wir einfach Kulturpolitik gemacht und einiges gerissen. Ich finde es spannend, wie solche Gruppen funktionieren, wenn trotz der Unterschiede es ganz klaren Support in bestimmten Anliegen gibt. Inhaltlich haben wir uns immer gegenseitig getragen!
Y: Was war so prägend an diesen Jahren für dich?
B: Ich habe in den 1990er Jahren bereits klassischen linken Aktivismus gemacht, aber irgendwie hat mich der Dogmatismus der deutschen Linken abgeturnt. Zudem kommt, dass meine Zeit im Team Orange unter eine Art glorifizierte Studienjahre fällt… Die waren persönlich einfach ein tolles Erlebnis (lacht). Heute empfinde ich diese Textilien als kulturelles Zeugnis, auch wenn mir die historische Relevanz erst ein paar Jahrzehnte später klar wurde. Wir haben für queere Sichtbarkeit gesorgt und einen Raum für die queere Community vor Ort, für queeres Feiern und damit queere Freude und Zusammenhalt geschaffen. Ich gebe neben diesem Stück hier noch weitere Shirts und Patches ins Archiv, wie dieses Shirt der Queerruption Vancouver, die 2007 auf Salt Spring Island stattfand und die ich in Teilen mitorganisiert habe, oder dieses von der FLINTA BDSM Osterkonferenz von 2010 – die erste, an der ich in Berlin teilgenommen habe. Ich finde, diese Teile müssen nicht mehr länger in meinem Schrank liegen, sondern sollen ins Archiv des Schwulen Museums und da queere Geschichte erzählen.
Y: Das ist ja oft so, dass man erst mit etwas Abstand sieht, welche alltäglichen Objekte queere Leben einfängt. Wie cool, dass du uns das übergibst! Wenden wir den Blick von der Vergangenheit jetzt aber in die Zukunft: was erwartet uns im neuen Jahr am SMU?
B: Wir haben ein super Jahr vor uns! Im April kommt eine Ausstellung zu queerem Leben auf dem Land. Da guckt Berlin dann endlich mal nicht nur auf sich selbst, sondern untersucht, wie queere Realitäten außerhalb der ‚Out and Proud-City‘ aussehen. Ich freue mich total darauf, und die Ausstellung ist zudem super humorvoll und toll gestaltet. Danach steht eine Ausstellungsübernahme zu Susan Sonntag aus der Bundeskunsthalle Bonn an, die wir um einige queere Aspekte und Susan Sontags Bezug zu Berlin erweitern. Und im Herbst kommt dann Dis/Kontinuitäten von Tarek Shukrallah. In dieser Ausstellung wird queerer BIPoC-Aktivismus in Vergangenheit und Gegenwart in Deutschland erzählt und in den queeren Bewegungen verortet. Das ist eine ungemein wichtige Ausstellung. Und neben den Ausstellungen passiert in der Bildungsabteilung total viel, und auch im Archiv gibt es mehrere Forschungs- und Kooperationsprojekte, die absolut fantastisch sind.
Y: Ein volles Jahr! Eigentlich setzen wir damit ein starkes Zeichen, angesichts der Kürzungspolitik der vergangenen Jahre.
B: Klar, aber die Herausforderung bleibt. Die Frage, wie wir mit geringer werdenden öffentlichen Mitteln umgehen, besteht immer noch. Aus Perspektive der Geschäftsführung ist es mir ein wichtiges Anliegen geworden, über Strategien der Resilienz nachzudenken: wie begegnen wir diesen politischen Veränderungen als Schwules Museum? Die finden in Deutschland, aber auch global statt. Das Klima wird immer härter und menschenfeindlicher, weshalb ich umso mehr eine humane, empathischere gemeinsame Politik pushen möchte. Wie das konkret aussieht, müssen wir im Detail noch rausfinden, aber vielleicht bedeutet es auch einfach, weiterhin sichtbar zu sein und das zu machen, was wir sowieso tun. Es stehen aber definitiv Kämpfe an, die auf uns zukommen. Eine Wahl haben wir nicht. Aber ich glaube, wir können uns darin gut positionieren.
Y: Das ist also das Motto für 2026: resilient werden!
B: Ich kann das jetzt so nicht für das gesamte Museum setzen, aber für mich persönlich und meine Arbeit vielleicht schon. Resilient werden – oder eher bleiben – und Kraft für alte und neue Kämpfe haben. Im besten Fall das Ganze mit Wärme mit und für uns selbst.
Y: Ein guter Vorsatz! Danke Birga, für diese Einblicke in deinen Aktivismus, deine Arbeit im SMU und dein anstehendes Jahr!
Interview und Bild: Yasmin Künze