„Das Leben ist Kunst – nicht umgekehrt.“
Das Zitat stammt von Andreas Karayan (*1943 in Nikosia, Zypern), Maler, Schriftsteller und Mediziner. Nach seinem Medizinstudium in Athen zog er 1967 zum Psychiatriestudium nach London. Inmitten von „Flower Power“ und „Gay Liberation Front“ erkannte er seine Liebe zur Malerei und zu Männern. Nach seinem doppelten Coming-out entschied er sich 1970 gegen die Medizin und für ein Kunststudium – zuerst an der Central School of Art, dann an der Camberwell School of Art. In London lernte er Helmut kennen, seine erste „schwule Liebe“. Er folgte ihm nach Stuttgart und setzte sein Kunststudium fort an der Kunstakademie.
1978 kehrte Karayan nach Zypern zurück und setzte sich offen für die Rechte von Homosexuellen ein – in einem Land, in dem männliche Homosexualität noch bis 1998 strafbar war. Seine Ausstellungen und Publikationen lösten kontroverse Debatten aus.
Seine besondere Verbindung zu seiner „Traumstadt“ Berlin begann 1981 mit der DDR-Show „Zeitgenössische Kunst aus Zypern“. Beim Mauerfall berichtete er als Kulturjournalist für zypriotische Medien aus der Stadt. Durch seine Bekanntschaft mit Galerist Friedrich Rothe konnte Karayan 1990 und 1995 jeweils eine Einzelausstellung in dessen Galerie am Savignyplatz präsentieren. Die Zeitschrift ‚Magnus‘ zog Parallelen zur Malerei Edward Hoppers.
Karayan zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern Zyperns. Seine Arbeiten sind in internationalen Sammlungen vertreten und wurden etwa auf Biennalen in Venedig (2001) und Kairo (2006) gezeigt. Als Autor veröffentlichte er zahlreiche preisgekrönte Romane und schloss 2023 eine mehrbändige fiktionale Autobiografie ab – sein Vermächtnis.
Und 2025 ehrte ihn die Republik Zypern mit einer großen Retrospektive und dem „Stasinos“-Preis für sein künstlerisches Werk, sein gesellschaftliches Engagement für queere Rechte und seine „revolutionäre Lebenshaltung“.
Unser aktuelles Fundstück ist ein Geschenk Karayans an unsere Sammlung: ein in Öl gemaltes Aktgemälde zweier Männer aus der Serie „Kavafis“.
Bild: „Der Künstler und sein Modell“ (1990), aus der Serie „Kavafis“, Andreas Karayan