„It was nice but now it’s over“, steht auf der orangefarbenen Kopiervorlage (DIN A4), unserem Fundstück. Am unteren Rand der vier potentiellen Flyer im Postkartenformat folgt wie zur Bekräftigung: „Ende – finito – end – fin – ultimo – over…“. Gemeint ist das Pelze Multimedia in Schöneberg. Der selbstorganisierte Aktionsraum existierte von 1981 bis 1996 in einem von FrauenLesben instandbesetzten Haus in der Potsdamer Str. 139. 2026 jähren sich seine Eröffnung zum 45. und seine Schließung zum 30. Mal.
Das West-Berlin der 1980er stand für besetzte Häuser, anarchische Kunst und queeren Aufbruch. Die Potsdamer Straße war ein Zentrum der FrauenLesben- und Schwulenbewegung: Verlage, Cafés, das Begine (Nr. 139), und in Nr. 131 sendete Eldoradio ab 1985 queeren Rundfunk – und eben das Pelze Multimedia. Aus dem ehemaligen Pelzladen ging rasch ein subkultureller Treffpunkt für feministische wie lesbische Künstlerinnen und Aktivistinnen hervor – kollektiv organisiert, minimalistisch eingerichtet in Metall und Leder, mit 5,40 Meter hohen Decken und ochsenblutfarbenem Linoleumboden, bedeckt mit Strandsand!
Das Pelze bot Raum für experimentelle Kunst, Musik, Filmabende, Lesungen, Performances und avantgardistische Modenschauen. (Elfriede Jelinek las hier noch vor ihrem Nobelpreis; Filme von Elfi Mikesch, Monika Treut, Barbara Hammer oder Joan Jonas liefen parallel zur Berlinale, Jahre vor dem Teddy Award.) Ab 1986 kamen eine Bar und ein Frauen-Darkroom für sexpositives lesbisches Begehren hinzu. Workshops, Vorträge und Diskussionsabende boten geschützte Räume für Themen wie BDSM oder Frauen & Aids. Gearbeitet wurde mit den Medien der Zeit: Polaroid, Super 8, Rauminstallationen, Copy Art… Wie viele Pelze-Arbeiten entstand auch unser Fundstück am hauseigenen Kopierer.
1996 strich der Senat die Förderung, der Hausverein kündigte. Die letzten Pelze-Betreiberinnen räumten den Raum leer und warfen den Schlüssel in den Gully.
Drei Schwarzweiß-Fotografien von Heike Overberg aus dem Pelze-Leben rahmen das Fundstück – eine Ergänzung zu unserer Ausstellung „Feuer + Flamme dem Patriarchat“ (Raum 2).