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Objekt des Monats Juli: Artefakte von Petra Gall

1. Juli 2020

Der Drang nach Bewegung prägte ihr Leben. Petra Gall wurde 1955 im Saarland geboren, studierte Geschichte, Politik und Slavistik in Konstanz und kam 1981 nach Westberlin.  Das Fotografieren hatte sie sich selbst beigebracht – so gut, dass schnell die taz, Zitty und die Courage auf sie aufmerksam wurden. Sie gründete auch die Fotoagentur Zebra. 1982 gab Gall unter dem Pseudonym Petra Panther den ersten Lesbenkalender heraus. Während der 80er und 90er Jahre hat Petra Gall die Berliner Frauen- und Leobenszene dokumentiert, mit besonderem Fokus auf die Underground-Frauen-Musikszene. Sie war bei den Walpurgisnacht-Demonstrationen dabei, hat Annie Sprinkles „Sex Kitchen“ 1991 in der Berliner UFA Fabrik festgehalten oder den ersten CSD in St. Petersburg 1992 fotografiert. In den 1990er Jahren wandte sie sich ihrer großen Leidenschaft, dem Motorradfahren. Sie produzierte Tourenreportagen aus der ganzen Welt, vor allem aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion.

Im Jahr 2012 wurde Petra Galls Sammlung ins Museum überführt. Seit 2020 werden in einem von dem Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS) geförderten Projekt 4.000 Negative aus der Sammlung digitalisiert. Insgesamt umfasst der Nachlass schätzungsweise 200.000 Negative. 

Die drei Objekte des Monats, die ab Juli im Museumscafé ausgestellt werden, stammen aus der frühen Phase ihres Schaffens um 1982 und zeichnen den Beginn einer großen Laufbahn nach.

1: Der erste Lesbenkalender von Petra Gall wurde noch in Kontanz in Galls Eigenverlag unter dem Namen Petra Panther veröffentlicht. Unter diesem Namen hat sie auch geschrieben. Im Kalender finden sich Texte zur feministischen bzw. Lesbengeschichte, Listen mit Adressen, Filmen und Büchern.

2: Die Postkarte mit der Aufschrift ‚,Die Zukunft ist weiblich‘‘ stammt aus einer ganzen Serie feministischer Postkarten, die Petra Gall ebenfalls noch in Konstanz drucken ließ.

3: ATROPiN – frauen-foto-zeitung  (nr. 0, september 1982, DM 6,00). Petra Gall war hier Teil des Redaktionsteams; Fotos von ihr sind aber in dieser Ausgabe nicht abgedruckt. Hucky Fin Porzner, die wie Gall die Berliner Frauen- und Lesbenszene lange begleitet und fotografiert hat, ist mit Bildern beteiligt und hat auch das Foto auf dem Titel gemacht. Auch Marianne Breslauer, eine bekannte Fotografin und Kunsthändlerin, war Teil der Redaktion. Als Adresse ist Petra Galls Anschrift in der Potsdamer Straße angegeben, was bedeutet, dass sie zu dem Zeitpunkt schon in Berlin lebte.