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Objekt des Monats Oktober: Paillettenklied von Renata Ravell

1. Oktober 2020

Schöne Dinge sind etwas Wunderbares! So erreichte uns dieses schillernde Paillettenkleid erst vor kurzem – im September dieses Jahres, um genau zu sein. Ihre Vorliebe für extravagante Mode beweist hiermit die Berliner Größe Renata Ravell (1964-2014). Unter dem bürgerlichen Namen Olaf Plotzky absolvierte Ravell eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Eine in der DDR begonnene Ausbildung zum Dekorateur vollendete er in West-Berlin und erschuf wunderbare Schaufensterdekorationen. Aber Olaf hatte ganz andere Träume – er wollte Schauspieler und Sänger werden! Mit Gesangsunterricht bei Kammersänger Maxim Rossi-Rissmann und der Berliner Kabarettkünstlerin Ada Hecht absolvierte er bereits kleinere Auftritte, bei denen er sehr erfolgreich die Stimmen bekannter Künstler*innen imitierte. Bei einem dieser Auftritte sah ihn eine Künstleragentin und überredete Olaf, Conférencier zu werden. Sie sähe eine große Bühnenkarriere für Olaf, allerdings unter einer Bedingung: die Männerklamotten müssten glitzernden Damenkostümen weichen.

Ab da war Renata Ravell geboren, die ihr Publikum unterhielt, sang und tanzte – immer begleitet von dem Verwirrspiel um Mann oder Frau. Im Rückblick meinte Renata selbst über diese Zeit:

„Es war eine verdammt harte Zeit, aber ich traf so außergewöhnliche Menschen, hatte die Gelegenheit zu wunderbaren Engagements und tingelte durch ganz Deutschland – inzwischen bin ich dankbar, dass mir nichts geschenkt wurde, ich mir jeden Erfolg hart erarbeiten musste.“

Ab 1975 reist Ravell mit ihren Shows durch Deutschland und stürmt auch die Bühnen in England, Frankreich und den USA. Sie veröffentlicht zwei eigene CDs, hat einen Filmauftritt und legt Zeitzeugnis ab in Rolf Edens Biografie „Immer nur Glück gehabt“.

Was machte Renata Ravell so erfolgreich? Was hebt sie ab von anderen Travestie-Künstler*innen? Es war ihr feiner, damenhafter Witz, der feminine Charme, das wohlüberlegte Wort, das niemals unter die Gürtellinie ging, die Fähigkeit sensibel mit einer geballten Ladung Situationskomik mit ihrem Publikum zu spielen. Hinzukamen die warme, ausgebildete Stimme, jahrzehntelange Erfahrung und die schillernd-elegante Bühnengarderobe.

Wir freuen uns, eines dieser Stücke als Objekt des Monats für den gesamten Oktober im Museumscafé auszustellen und somit ein bisschen Travestie-Geschichte erzählen zu können.