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Vier Fragen: Dorota Krawczyk-Janisch über Krzysztof Jung

10. April 2019

Ein persönlicher Blick auf einen großen polnischen Künstler

Dorota Krawczyk-Janisch, gezeichnet von Krysztof Jung (privat)

Wer war Krzysztof Jung?
Vor allem ein freier Mensch und Künstler, der versucht hat, sich selbst treu zu bleiben! Ein polnischer Maler, Zeichner und Performer, der nach der Ausstellung Ars Homo Erotica (2010 in Warschau, 12 Jahre nach seinem Tod) zum Pionier der schwulen polnischen Kunst genannt ernannt wurde. Die homoerotische Strömung in vielen seiner Arbeiten war neu und mutig für die damalige Zeit in Polen und zugleich in bester Kunst-Tradition verankert! Für mich bildet sein Schaffen eine symbolische Brücke zwischen dem Künstler und seiner intimen Welt – und auch zwischen Deutschland, Polen und anderen Ländern, die Kunst und Schönheit lieben und ihre Mitmenschen beachten und achten.

Hat er mit anderen Künstler*innen zusammengerabeitet?
Wichtige künstlerische Persönlichkeiten, mit denen Krzysztof Jung im Dialog stand, waren: Grzegorz Kowalski, Wiktor Gutt, Barbara Turkiewicz-Gutt, Daniel Wnuk und andere, die im Kreis der Galerie Repassage tätig waren. Die Idee, die dort gelebt wurde, war: einen Dialog auf einer nicht-verbalen Ebene zu führen. Jungs „Pariser Kreis“ bildeten freie Exil-Intellektuelle, die er über seinen Freund, den Schriftsteller Wojciech Karpiński, kennengelernt hat.

• Von wem war Jung inspiriert oder beeinflusst?
Er verehrte Hockney und ließ sich von seiner Kunst inspirieren. In Paris lernte Jung den betagten Maler Józef Czapski kennen, dessen Persönlichkeit und Werk ihn sehr beindruckt haben. Jung liebte auch die Alten Meister: Caravaggio, Pontormo. Inspiration schöpfte er auch aus der Literatur und der Natur!

• Gibt es eine Verbindung zwischen Jung und Berlin?
Er gehörte zur Familie und besuchte mich und meine Nächsten in den 80er und 90er Jahren sehr oft. Er liebte Berliner Museen, Buch- und Musikhandlungen, wo er stundenlang Musik hören konnte. Er hatte hier aber auch seine intimen Wege und gewann Freunde in der homosexuellen Szene.

 

Dorota Krawczyk-Janisch kommt aus Warschau und lebt seit 1981 in Berlin. Sie studierte Angewandte Linguistik an der Warschauer Universität und arbeitet als Übersetzerin, Dolmetscherin und Dozentin für polnische und deutsche Sprache. Mit Krzysztof Jung war sie seit ihrer Studienzeit über 20 Jahre eng befreundet. Sie verwaltet seinen künstlerischen Nachlass.