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In Gedenken an Rita Süssmuth (1937-2026)

1. Februar 2026

Das Schwule Museum gedenkt Rita Süssmuth. Angesichts der Aids-Epidemie scheute die damalige Bundesministerin, spätere langjährige Bundestagspräsidentin und Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung, nicht den Konflikt mit der eigenen Partei. Sie setzte sich auch gegen große innerparteiliche Widerstände für eine Pandemiepolitik ein, die auf Menschlichkeit und Prävention statt Repression und Stigmatisieriung setzte. Das sie dabei leitende Prinzip fasste sie einmal prägnant zusammen: „Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Kranken“.  Die sich langsam ausbreitenden Selbsthilfe- und Aufklärungsorganisationen, prominent die Aids-Hilfen, konnten dank der Unterstützung und in Kooperation mit ihrem Haus die Arbeit professionalisieren und betroffenengerechter gestalten. Süßmuth selbst betonte Ende der 1980er auf ihrer Abschiedspressekonferenz als Bundesministerin, dass es aus ihrer Sicht keinen Gesundheitsschutz gäbe, ohne in erster Linie mit den Betroffenen selbst zu arbeiten – eine für die damalige Zeit mit einem autoritätszentrierten Gesundheitssystem immer noch sehr seltene Position.

Für viele queere Personen, vor allem schwule Männer, wurde sie in Zeiten der Krise und Unsicherheit zu einer wichtigen Symbolfigur für feministisch und humanistisch motivierte Unterstützung auch aus der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft. Mit ihrer Ablehnung einer Politik der Isolation und Ausgrenzung hat sie Menschenleben gerettet.

Die Berufung Süssmuths zur Bundesministerin erfolgte nur wenige Wochen vor der Gründung unseres Hauses.  Aids war seit jeher auch wichtiger Bestandteil queerer Geschichte und der Ausstellungs- und Archivarbeit des Museums, in dem Spuren ihres Wirkens bis heute immer wieder sichtbar wurden und werden. Wir danken für ihr Engagement.

Foto: Deutscher Bundestag Pressezentrum, 1980er Jahre (Archiv der Siegessäule im Schwulen Museum)