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Nachruf: Michael Fehlhaber (1941-2025)

14. November 2025

Wir nehmen Abschied von Michael Fehlhaber, der sich ehrenamtlich seit 2016 in unserem Archiv engagiert hat und noch 2024 die vollständige Aufarbeitung unseres Bestandes zur „Homo-Ehe“ abschließen konnte. Eine Arbeit, die er als „eine Hommage an Freiheit und Wille zur Partnerschaft“ verstanden wissen wollte.

Michael wurde 1941 in Berlin geboren, hat in Aachen Architektur und Stadtplanung studiert und dort Mitte der 1960er Jahre die erste schwule Studentengruppe in Deutschland mitgegründet. 1972 beteiligte er sich, obwohl er in seinem Architektenberuf nicht geoutet war, an einer Fragebogenaktion von Martin Dannecker, aus der sich schließlich die soziologische Untersuchung „Der gewöhnliche Homosexuelle“ (1974) entwickelte. Anfang der 1980er lernte Michael den jungen Kunsthistoriker Andreas Sternweiler kennen und verfolgte aus der Distanz, wie dieser mit Freunden zusammen 1985 das Schwule Museum gründete und eine international beachtete Sammlung mit queeren Kunstwerken und Dokumenten aufbaute. Michael selbst zog nach der Wende aus beruflichen Gründen wieder in seine Geburtsstadt zurück. Als er erfuhr, dass sich sein in den USA lebender Großneffe geoutet hatte, fasst er den Entschluss, sich im Schwulen Museum für ein Ehrenamt im Archiv zu bewerben: „Zwar war mir damals nicht so klar wie heute, dass das Museum nur durch die ehrenamtlichen Kräfte existieren kann, aber ich hatte das Bedürfnis, quasi den Mut meines Großneffen zu belohnen“, erzählte er uns später.

2017 wandte sich Michael dem großen Projekt der Erschließung des Gesamtbestandes zur „Homo-Ehe“ zu. Er selbst war zwar nie verheiratet oder verpartnert, aber die Erfahrung eines Freundes, der von den Eltern seines verstorbenen Partners die Wohnungskündigung erhielt und alle Wertgegenstände an sie abtreten musste, überzeugte ihn von der Relevanz der juristischen Gleichstellung queerer und heterosexueller Beziehungen. „Partnerschaft generell, Zweisamkeit, zu wählen und 30, 40, 50 Jahre zusammen zu sein… Das finde ich anerkennenswert und mutig, damals wie heute noch, egal unter welchen Gesichtspunkten, ob verfasst oder nicht, ob freiwillig oder mit dem Ehesiegel“, erzählte Michael uns aus Anlass des Abschlusses seines Projekts, zu dem dank seines jahrelangen Engagements nun ein Findbuch existiert, das allen Menschen, die heute zum Thema recherchieren, die Arbeit ungemein erleichtert.

Wir hatten uns darauf gefreut, dass Michael Fehlhaber mit dem gleichen Elan, so, wie er es vorgehabt hat, an sein nächstes Archivprojekt geht. Leider kam ihm eine kurze und schwere Krankheit dazwischen.

„Michael fehlt, mir persönlich – keine ehrenamtliche Person hat mich so viele Jahre im Archiv begleitet –, aber auch wegen seines Einsatzes für die Belange des Schwulen Museums und des Archivs“, würdigt ihn Kristine Schmidt, wissenschaftliche Mitarbeiterin im SMU-Archiv. „Er hat den Bestand zur Homo-Ehe mit so viel Akribie, Sachverstand, Freude und tiefgehendem Interesse erschlossen, dass der regelmäßig wiederkehrende Austausch zwischen Michael und mir, neben der Freude über einen derart genau erschlossenen Bestand, auch die augenzwinkernde Befürchtung beinhaltete, dass Michael insgeheim doch plante, eine Doktorarbeit daraus zu mache. Das Ehrenamt stützt die Arbeit des Archivs und der Bibliothek in jeder Hinsicht. Michael hat sein Ehrenamt in ganz besonderem Maße ernst genommen und ausgefüllt.“

Foto: Yasmin Künze, 2024