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Pressebereich: Krzysztof Jung Zeichnungen

7. März 2019

Mit Krzysztof Jungs zeichnerischem Œuvre zeigt das Schwule Museum erstmals einen Künstler aus Polen. Jung wurde 2010 in der großartigen Ausstellung Ars Homo Erotica, die Paweł Leszkowicz  im Nationalmuseum Warschau kuratierte, als ein wichtiger Akteur homosexueller Kunst gewürdigt. Noch vor der Show Queer British Art 1861 – 1967, die im Jahr 2017 in der Tate Galerie in London stattfand, war die Warschauer Ausstellung ein Fanal. Unvorstellbar bisher, dass die Neue Nationalgalerie in Berlin eine Ausstellung nur zu diesem Thema präsentieren könnte. Der Performance-Künstler Krzysztof Jung wurde 2016 in der Galerie Salon Akademii an der Akademie der Schönen Künste in Warschau vorgestellt. Jungs Performances rücken den bis dahin tabuierten nackten menschlichen Körper in den Fokus. In seinen Aktionen geht es um Nähe , Solidarität, Kommunikation und deren Dekonstruktion. Jung webte zwischen den Akteuren Netze aus Baumwollbindfäden, die Zusammenschnüren, Trennen, Verbinden und Grenzen schmerzhaft erfahrbar machen. Von diesen Happenings existieren nur noch Rezensionen, Reste der Fäden und Fotos.

Im Mittelpunkt unserer Ausstellung steht Krzysztof Jungs Serie über den Heiligen Sebastian, die wahrscheinlich von Derek Jarmans Film „Sebastiane“ aus dem Jahr 1976 inspirierte wurde. Das Thema hat ihn seit Mitte der 1970er Jahre bis in die 1990er Jahre beschäftigt. Auch bei ihm ist das Faszinosum der männliche Akt, die Hingabe an den Schmerz. Von Blatt zu Blatt wechseln feinste Bleistiftschraffuren mit furios aufgetragenem Ölpastell, zartem Aquarell in Rosa und akribisch gestricheltem Kugelschreiber. Das Thema der Hingabe zum Tode kommt ganz ohne Pfeilspitzen aus. Der Tod scheint in diesen Variationen ausgespart, unsichtbar. Der eiserne Vorhang schützte die polnischen Homosexuellen vor AIDS. Im Westen wütete das Humane Immundefizienz Virus vor allem unter homosexuellen Männern. Ob in Krzysztof Jungs Sebastian-Arbeiten AIDS eine Rolle spielt, bleibt Spekulation. Evident ist nur der zeitgleiche Rahmen.

Krzysztof Jungs schönste homoerotische Werke, eine große Sammlung männlicher Aktzeichnungen, blieben bisher einem breiten Publikum unbekannt. Diese Arbeiten, die im Museum der Warschauer Akademie der Schönen Künste im Depot liegen, werden nun zum ersten Mal im Schwulen Museums gezeigt. Berlin war in den 1980er Jahren für Jung ein wichtiges Reiseziel, ein Symbol der persönlichen Freiheit und vor allem der freien Entfaltung auch seiner schwulen Wünsche. Dass diese Ausstellung zustande kam, verdanken wir Krzysztof Jungs Nachlassverwalterin Dorota Krawczyk-Janisch und seinem langjährigen Freund Wojciech Karpiński, die beharrlich den Plan dieser Schau verfolgten.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Dorota Krawczyk-Janisch, Wolfgang Theis und Raimund Wolfert.

Eine Ausstellung im Schwulen Museum kuratiert von Wolfgang Theis


Pressefotos:

Die Bilder können ausschließlich zur Berichterstattung verwendet werden, unter vollständiger Nennung der Quelle.