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Ulrich Dörrie (1958-2026) – Eine Würdigung

11. Februar 2026

Der Galerist und Kunstakteur Ulrich Dörrie ist am 22. Januar 2026 verstorben. Er war von 2005 bis 2010 Mitglied des Vorstands des Schwulen Museums und hat dort zu dieser Zeit zentrale Weiterentwicklungen angestoßen und begleitet, die wesentlich für die weitere Professionalisierung des Museums waren.

Geboren wurde Ulrich 1958 im Emsland. Er studierte Kunstgeschichte in Westberlin und Hamburg. Von 1981 bis 1983 war er Mitarbeiter von „Buch Handlung Welt“ von 1984 bis 1987 gehörte er zum Team von „weltbekannt e.V.“, zeitweise auch als Geschäftsführer. Beides waren wichtige Orte der Hamburger Off-Szene. Als Gründungsmitglied von westwerk e.V. und mit der gemeinsam mit Holger Priess betriebenen Galerie Dörrie*Priess hat Ulrich Dörrie zu Erhalt und Entwicklung des Kunststandorts Fleetinsel in Hamburg beigetragen. Er war im Vorstand des Kunstvereins in Hamburg, in der Kunstkommission und als Galerienvertreter in der Arbeitsgruppe Bildende Kunst eine wichtige kulturpolitische Stimme in der Stadt.

2005 ging Ulrich nach Berlin und gründete in der Yorckstraße eine Dependance von Dörrie*Priess. Im gleichen Jahr begann er, sich für das Schwule Museum zu engagieren, in dem zu diesem Zeitpunkt eher selten zeitgenössische Kunst ausgestellt wurde. Er kuratierte 2009 mit „First Service“ und 2011 mit „(Selbst-)Portrait – Abbilder und Netzwerke“ zwei Ausstellungen mit Positionen zeitgenössischer Kunst, die das Museum an die damals aktuelle Kunstszene anbanden. Heute etablierte Künstler*innen wie Harry Hachmeister, Sophie von Stillfried oder Jean-Ulrick Désert stellten erstmals Werke im Schwulen Museum aus. Ulrich arbeitete erfolgreich daran mit, u.a. durch eine Auktion bei Grisebach, mit einem Stand auf dem Art Forum Berlin und die mit dem Kunsthändler Wolfgang Wittrock organisierten „Abende für das Schwule Museum“ Spendengelder in einem beachtlichen Ausmaß zu akquirieren, die den Ankauf der Sammlung Sternweiler (2008) mitermöglichten und im Zuge dessen auch die institutionelle Förderung durch den Berliner Senat (2010) plausibel machten. Er stellte außerdem den Kontakt zum Architekten Carsten Wiewiorra her, der die Räume am aktuellen Museumsstandort für unsere Zwecke umgestaltete.

Ulrich Dörrie kam in einer Zeit des Auf- und Umbruchs an das Schwule Museum: Er unterstützte die strategischen Überlegungen zur Professionalisierung, institutionellen Förderung und der Suche nach neuen Räumen. Er schaffte eine neue Öffentlichkeit für die Sammlungsbestände, stellte seine Beziehungen in die Kunstwelt zur Verfügung und erschloss uns neue Netzwerke. Vielen dürfte er außerdem als Kurator der erfolgreichen Rio-Reiser-Ausstellung „Allein unter Heteros“ ans Herz gewachsen sein.

Für all das sind wir ihm sehr dankbar. 2011 schloss er seine Berliner Galerie und ging wieder nach Hamburg. Er starb nach kurzer, schwerer Krankheit. Wir trauern um ihn und denken an seine Hinterbliebenen.

 

Dank an Holger Priess, Karl-Heinz Steinle, Andreas Sternweiler, Heiko Pollmeier und Birgit Bosold für die einzelnen Bausteine zu dieser Würdigung.

Foto: Holger Priess