1892 betritt eine junge Frau eine Arztpraxis. Sie hat Schmerzen. Der Arzt erklärt sie zum Mann. Sie geht zu einem anderen Arzt und verlässt ihn als Frau, geht zum dritten Arzt und verlässt ihn als ‚Hermaphrodit‘. Louise Julie Anna heißt die junge Frau und ihre Suche nach dem Grund für die Schmerzen findet statt, während ein wachsender Teil der europäischen Ärzteschaft sich darüber streitet, ob es inter*Personen gibt oder nicht. Über Louise‘s Körper werden detaillierte Berichte geschrieben, die diesen Streit befeuern und Louise‘s vermeintliche Trickserei beweisen sollen. Laut den Ärzten hat Louise – wie viel inter*Personen ihrer Zeit – das Entkleiden zur Profession gemacht. Sie zieht sich in Bars und Hinterzimmern aus, andere lassen sich bezahlen, um für sogenannte Lehrzwecke zu posieren, wieder andere sind Schausteller*innen. Dieser Vortrag widmet sich der komplexen Geschichte derer, die ihre fetischisierten Körper zu Geld machen konnten. Anhand von Archivmaterialien der Jahre 1700-1900 erzählt Roux die Geschichte der öffentlichen Obsession mit inter*Körpern und der Kunst, diese zu nutzen, um etwas Unabhängigkeit von einer binären Welt zu erlangen. Basierend auf der Recherche für Roux‘s Performance JUICE fokussiert sie sich auf die Leben von inter*identen Sexarbeiter*innen und Performer*innen, die sich zwischen erotischer und medizinischer Performance bewegten.
River Roux ist Performerin, Autorin und Tänzerin an der Pole. Ihre Arbeit zentriert die Überschneidungen von Arbeit, Gender, Care und Sex. Roux’s Performances beginnen in Archiven, wo sie die Leben von trans* und inter* Personen nachverfolgt. Seit der Spielzeit 26/27 ist Roux Teil des Ensembles der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Dort inszenierte sie 2024 mit Bibiana Mendes das Solo JUICE. Im folgenden Jahr recherchierte und konzeptualisierte Roux ‚ANDROGYNOUS’ in Kollaboration mit Lola Arias am Maxim-Gorki-Theater. Mai 2026 feierte Mendes & Roux‘s zweite gemeinsame Arbeit, ‚prick prick boom‘, Premiere im 3. Stock der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Von 2021 bis 2023 war Roux Teil des Berlin Stripper‘s Collective. Roux‘s Arbeiten wurden zum 6 TAGE FREI Festival, auawirleben Festival, in die Schwankhalle Bremen, Münchner Kammerspiele, Gessnerallee Zürich und den Gropiusbau eingeladen.
Dieses Event findet auf deutscher Lautsprache statt. Eintritt: Kostenlos!
Dieses Event ist Teil der Reihe „A History of Sneaking„, Vorträge zu inter* Geschichte von Juliana Gleeseon, Jako Wende und River Roux. Ein Projekt des Schwulen Museums Berlin.
Bild: River Roux