Dieser Vortrag widmet sich den Siegen, Ideen und Expressionen der frühen Inter*-Bewegung. Seit ihren Ursprüngen in der feministischen Kritik an klinischer Medizin am Anfang der 1990er-Jahre hat sich unser Verständnis der Menschen, die an den „unscharfen Rändern“ geschlechtlicher Differenz leben, grundlegend verändert.
Julianas Vortrag und das anschließende Gespräch (mit einer lokalen Inter*Aktivist*in) stellen Archivmaterial der Anfänge der Inter*-Selbstorganisation vor – von Protestfotografien über Underground-Zines bis hin zu einer VHS-Kassette mit dem Titel Hermaphrodite Speak!. Dieses Material aus den 1990er-Jahren wird mit heutiger Inter*-Interessenvertretung in Beziehung gesetzt, um sowohl Kontinuitäten als auch Unterschiede sichtbar zu machen.
Julianas jüngstes Buch Hermaphrodite Logic (erschienen im vergangenen Sommer bei Verso Books) versucht, sowohl die Schärfe als auch die Abstumpfung der frühen Inter*-Bewegung einzufangen. Anstatt auf Schockeffekte zu setzen, bevorzugte sie eine kühlere Form der Argumentation und arbeitete in weitgefächerten Bündnissen statt mit eindeutigen Berufungen auf fixe Identitäten. Anstatt das Mitgefühl ihres Publikums unmittelbar anzusprechen, bemühten sich Inter*-Aktivist*innen vielmehr darum, ihre Vertrautheit mit der medizinischen Fachsprache zu demonstrieren – jener Sprache, mit der sie zuvor (oft durch ihre verunsicherten Familien) dominiert worden waren.
Warum entwickelten Inter*-Personen gerade diesen nüchternen und zugleich provokanten, fast spöttigen Stil des Aktivismus? Welche langfristigen Folgen hatte dies für unser Verständnis von Geschlecht? Diese Veranstaltung geht diesen und weiteren Fragen nach.
Juliana Gleeson ist Autorin aus West London und lebt heute in Berlin. Nach der Mitherausgabe der wegweisenden Anthologie Transgender Marxism veröffentlichte Juliana mit Hermaphrodite Logic das erste umfassende Werk zur Geschichte der Inter-Befreiungsbewegung von 1990 bis 2025.
Derzeit arbeitet Juliana an drei Büchern: einer Philosophie des Weiblichen mit Listening Like A Girl (Pluto Press), einer Sammlung von Dialogen über Geschlecht mit dem Titel Inner Secretions (Becoming) sowie einer antikolonialen Untersuchung lesbischer Aufstände, Dyke Dialectics (gemeinsam mit Alex Adamson).
Julianas Schreiben bewegt sich zwischen schwuler Geschichte, lesbischer Lyrik, vergleichender Psychologie, mystischer Theologie, inter* Ästhetik, expressiver Philosophie, Meeresbiologie und revolutionärem Denken. Mit dieser thematischen Bandbreite ist Juliana weltweit sowohl als politischer Denkerin als auch als Stand-up-Comedian aufgetreten.
Seit rund zehn Jahren organisiert Juliana außerdem Veranstaltungen des Nachtlebens. Zuletzt gehörte Juliana zu den Gründer*innen des DTF-Zelts beim Whole Festival. Heute kuratiert Juliana gemeinsam mit Ben Miller die Reihe Whole Talks sowie den monatlichen Sonntags SM Munch.
Dieses Event findet auf englischer Lautsprache statt. Eintritt: Kostenlos!
Dieses Event ist Teil der Reihe „A History of Sneaking„, Vorträge zu inter* Geschichte von Juliana Gleeseon, Jako Wende und River Roux. Ein Projekt des Schwulen Museums Berlin.
Bild: ILGA-Europe, Protect Inter Children