Giuseppina Lettieri (Spinnboden), Helmut Metzner (Bundesstiftung Magnus Hirschfeld), Birga Meyer (Schwules Museum), Karen Nolte (Hannchen-Mehrzweck-Stiftung)
Bis in die 1990er-Jahre waren „pädoaktivistische“ Gruppen akzeptierte politische Bündnispartner der Schwulen- und teilweise auch der Lesbenbewegung. Obwohl in queeren Communities die Bereitschaft wächst, diesen verstörenden Aspekt unserer Geschichte aufzuarbeiten, fehlt es noch an einer umfassenden und tiefgreifenden Auseinandersetzung. Bislang haben nur wenige queere Institutionen Initiativen zur Aufarbeitung ergriffen. Auch wenn es wünschenswert ist, dass individuelle Akteur*innen sich proaktiv und öffentlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, darf es nicht von der Entscheidung Einzelner abhängen, ob Aufarbeitungsprojekte konsequent umgesetzt werden und angemessene Resonanz im öffentlichen Raum finden.
Die Aufarbeitung der Verharmlosung und Legitimierung sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, die Teil der queeren Geschichte ist, ist eine wichtige Aufgabe unserer Communities. Dies gilt besonders für Institutionen, die sich der Bewahrung queerer Geschichte und Kultur verschrieben haben. In dem Panel wollen wir Erfahrungen austauschen und diskutieren, welche Verantwortung Institutionen haben und wie sie diese wahrnehmen können. Viele der für die Veranstaltung angefragten queeren Organisationen haben unsere Einladung nicht angenommen – was ebenso bedauerlich ist, wie es zugleich die Dringlichkeit dieser Diskussion unterstreicht.
Die Veranstaltung ist das Auftaktpanel der Konferenz „(Mit) Widerstände(n) umgehen: Ein Update zur queeren Aufarbeitung“. In dieser Konferenz, die von der Stiftung Schwules Museum veranstaltet wird, diskutieren Betroffene, Forschende und Multiplikator*innen sowohl bereits abgeschlossene als auch aktuell laufende Aufarbeitungsprojekte sowie die historischen Verbindungen, politischen Allianzen und gemeinsamen ideengeschichtlichen und kulturellen Grundlagen von „Pädoaktivismus“ und homosexuellen Emanzipationsbewegungen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, Motive und Strategien zu analysieren, die darauf abzielen, Aufarbeitung zu verzögern, zu sabotieren oder gar zu verhindern. Gemeinsam soll darüber nachgedacht werden, wie mit diesen Widerständen umgegangen werden
kann – beziehungsweise wie sie umgangen werden können.
Die Konferenz findet in einem geschützten Raum mit geladenen Gästen statt und wird gefördert von der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung.
Bild: Les Grenades