burger Button

Täterkunst schreddern! – Kritische Perspektiven auf Sammlungen aus Gewalt- und Missbrauchskontexten

1. Oktober 2026 18:00

Sammlungen aus Gewalt- und Missbrauchskontexten stellen Museen und Archive vor besondere Herausforderungen. Wie gehen wir mit dem Wissen um gewaltvolle Provenienzen und Herstellungskontexte um – und mit Werken von Täter*innen? Wie werden solche Werke in Archiven und Datenbanken erfasst und markiert? Wer sollte sie ausstellen – und wenn überhaupt, wie?

Die gewaltvolle Wirkung von Bildern und Objekten ist nicht einfach von ihrer ästhetischen oder historischen Bedeutung zu trennen. Im Ausstellungsraum kann die Art der Präsentation Gewalt, Machtmissbrauch und Übergriffe verdecken und dadurch zu ihrer Verharmlosung oder Normalisierung beitragen. Zugleich werden die Perspektiven und das Wissen betroffener Personen häufig ausgeblendet oder als bloß subjektiv zurückgewiesen.

Die Konferenz „Täterkunst schreddern!“ fragt nach Möglichkeiten eines kritischen Umgangs mit solchen Sammlungen und Darstellungen. Im Zentrum stehen dabei Erfahrungen aus der Auseinandersetzung mit kolonialen und rassistischen Sammlungen, mit Bildern aus NS- und Holocaust-Gewaltkontexten sowie mit künstlerischen Arbeiten, die sexualisierte Gewalt oder Pädokriminalität normalisieren. Welche Praktiken der Kontextualisierung, Intervention und Verfremdung können dazu beitragen, etablierte Bildpolitiken und museale Routinen zu hinterfragen? Und welche spezifischen Herausforderungen entstehen dort, wo problematische künstlerische Positionen mit progressiven oder emanzipatorischen politischen Anliegen verbunden wurden?

Der erste, öffentliche Tag der Konferenz eröffnet diese Diskussion mit einer Begrüßung durch Birgit Bosold (Stiftung Schwules Museum) und Susanne Wernsing (Kuratorin in Wien und Hamburg) sowie Impulsen der Gruppe MATHILDA und Daniel René Hartmann. Anschließend widmet sich Kristina Jaspers in ihrer Keynote „Die Komplizenschaft des Blicks. Gewaltfotografien und ihre Betrachtenden nach Susan Sontag“ der Frage, welche Rolle diejenigen einnehmen, die Bilder von Gewalt betrachten. Eintritt: kostenlos!

Die Konferenz wird von der Stiftung Schwules Museum in Zusammenarbeit mit dem Projekt „InQueery Emancipation“ der ASH und HTW Berlin veranstaltet und aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

Der zweite Konferenztag am 2. Oktober richtet sich an angemeldete Teilnehmer*innen und vertieft die Diskussion in Keynote, Panels und einem Roundtable zum Stand der Debatte in Museen. Anmeldungen sind derzeit leider nicht mehr möglich!

 

Bild: Vernissage „Aufarbeiten“, Schwules Museum, fotografiert von Yu Mitomi (2023)