Ein Künstler*innen-Gespräch mit Alizé Rose-May, Cécil Ludwig Röski und Pancho Assoluto
Moderation: Collin Klugbauer
Zeit: 18.00 Uhr bis 19.40 Uhr
Ort: Schwules Museum, Raum 2
In deutscher Lautsprache
Eintritt: kostenlos
Ein Subaru Taschenmesser an einer Kette, zwei Bauern im Melkstand im gleichen Overall, ein trans* König im Tresenwald auf dem Weg zu einem Date – die künstlerischen Arbeiten von Alizé Rose-May, Pancho Assoluto und Cécil Ludwig Röski situieren Queerness in ländlichen Umgebungen. Alizé Rose-Mays Kunstwerk „Did You Know That The Edelweiss Isn’t A Flower, But A Set Of A Thousand Florets Gathered Into Several Heads?” umkreist die Facetten des Aufwachsens zwischen Bergpanorama und queerer Selbstfindung. Pancho Assoluto erzählt in seinen Fotografien „out there“ von der Arbeit und dem Leben schwuler und queerer Menschen in der Landwirtschaft. Und Cécil Ludwig Röski siedelt den Plot seines Romans „Trizeps Royal“ um die Selbstfindung nach einer Trennung eines Königs in die ländliche Abgeschiedenheit. Im Künstler*innengespräch wird es um die Erschaffung von queeren Archiven als künstlerische Praxis gehen, um die Vermischung von biografischen und fiktionalen Elementen und um die Frage, welches Potential ein queerer Bezug auf das Ländliche hat. Außerdem wird es – ganz der Titel der Ausstellung – darum gehen, wie Cruising als queere Praxis in den künstlerischen Arbeiten vorkommt.
Bios
Alizé Rose-May (*1990)
Alizé Rose-May arbeitet und lebt in Bern. Dey wuchs in den Schweizer katholischen Alpen auf, in einer Bergfamilie der Arbeiter:innenklasse. Deren künstlerische Praxis umfasst Video, Fotografie, Objekt, Forschung, Kuration und Teaching. In „Did You Know That The Edelweiss Isn’t A Flower, But A Set Of A Thousand Florets Gathered Into Several Heads?“ wird ein persönliches Archiv als kollektive Erinnerung inszeniert. In einer Objektsammlung von wegbegleitenden Dingen wie Briefen, Kleidungsstücken, Textpassagen oder Fotografien werden die eigene biografische Spurensuche und der Prozess queerer Identitätsfindung dokumentiert. Codes lesbischer und schwuler Geschichte, wie beispielsweise ein weißes Tanktop, der Hankycode, Unterwäsche von Calvin Klein oder Kunstleder, verweisen auf unterschiedliche Lebensstationen aus Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter und halten Momentaufnahmen fest. Einiges bleibt verborgen, Anderes ist erfunden oder lässt Zweifel an seiner Authentizität. Alizé Rose-May zeigt ein intimes Vokabular für zwischenmenschliche Beziehungen und queere Alltagsaspekte und schreibt sich damit in die Geschichte queerer Archivierungspraxen ein.
Cécil Ludwig Röski (*1994)
Cécil Ludwig Röski (*1994) studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und schreibt Romane, Drehbücher und Lyrik. Für das Drehbuch der Serie „Haus Kummerveldt“ (arte) erhielt er den Grimme-Preis. Sein Roman „Poussi“ (Hoffmann und Campe, 2023) wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Aktuell arbeitet er an seinem zweiten Roman „Trizeps Royal“ und seinem Spielfilmdebüt. Er lebt auf dem Land in Sachsen-Anhalt. „Trizeps Royal“ erscheint im Herbst 2026 bei Leykam. Es ist ein queerer Roman über Dedo II. von Sachsen, einem trans König der Gegenwart, der nach einer Trennung versucht, seinen Körper, seine Rolle und seine Zugehörigkeit neu zu ordnen. Zwischen ländlicher Abgeschiedenheit und öffentlicher Erwartung verhandelt der Text Einsamkeit, Macht und Begehren.
Pancho Assoluto (* 1970)
Pancho Assoluto ist ein deutscher queerer Fotograf. Er studierte Sonderpädagogik und Kommunikationsdesign (Fotografie). In der Serie „nod – East of Eden“ untersucht er das öffentliche Sexualverhalten in Paralleluniversen, wobei er sich auf Begegnungen an Orten wie Autobahnen und Rastplätzen konzentriert. 2014 wurde die Arbeit u. a. in Arles beim „Voies Off“ Festival gezeigt. Sie gewann den „Pride Photo Award“ und wurde in der „Oude Kerk“ in Amsterdam ausgestellt. Im selben Jahr präsentierte er während des Europäischen Monats der Fotografie ein Projekt über undokumentierte Geflüchtete in Paris. Assoluto versteht sich als Porträtfotograf und Geschichtenerzähler. Er arbeitet sowohl im Journalismus als auch in der Kunst und unterrichtet. Im Rahmen seiner Initiative „Selfiegrafen“ mach er Projekte in der politischen und kulturellen Bildung. Sein Interesse am queeren Leben in der Landwirtschaft entstand durch sein eigenes Leben mit einem schwulen Landwirt in NRW, mit dem er seit 1996 zusammen ist. Er selbst melkt sonntags Kühe. Die Serie „Out There“ zeigt eine spannende Reise durch Deutschland und die Niederlande, bei der er auf andere queere Menschen in der Landwirtschaft trifft.
Foto (c) Patricia Sevilla Ciordia