Ausstellung 20. Januar 1999 - 11. April 1999

Nobody is perfect - Filmidole von Lesben und Schwulen

Wussten Sie, dass Bruce Willis ein lesbisches Idol ist?
Wussten Sie, dass die wahre Gemeinsamkeit von Schwulen und Leben in der Fetischisierung von verschwitzten gerippten Träger-Unterhemden besteht?
Was macht Idole von Schwulen und Lesben eigentlich aus?
Kann man Zarah Leander und Elvis Presley tatsächlich  in einem Atemzug nennen?
Oder ein Bild von Jean-Claude van Damme neben eines von Hildegard Knef hängen?

Wir – fünf schwule und lesbische FilmhistorikerInnen, FestivalmacherInnen, JournalistInnen, vor allem aber Filmfreaks und leidenschaftliche TräumerInnen – tun es! Denn Sehnsüchte, Träume und große Gefühle überwinden Zeit, Raum und sogar die Grenzen jeden guten Geschmacks.  

Die Ausstellung Nobody is perfect, deren Titel dem Schlusswort von Manche mögen's heiß entlehnt ist, verweist auf den Makel, dass wir selbst alle keine HeldInnen, Sexsymbole, Diven oder große Leidende sind wie unsere angeschmachteten Leinwandidole. Diese aber oft widerwillig oder gar heimlich von uns verehrt werden. Welche Lesbe gibt schon gerne zu, für den konservativen dümmlichen Bruce Willis zu schwärmen? Welcher Schwule sagt offen, er wäre gerne so tragisch wie Joan Crawford, bekommt es aber nicht halb so gut hin? Eigentlich ist Clark Gable zu schnulzig, Sigourney Weaver eine miese Schauspielerin, Jean-Claude van Damme wahrscheinlich homophob und Jodie Foster bis heute nicht out – niemand ist perfekt, am wenigstens unsere Idole. Aber schließlich gehen wir ins Kino, um uns eine andere Welt vorgaukeln zu lassen.

Das Schmachten und Schwärmen für unsere Idole soll in dieser Ausstellung Niederschlag finden. Dabei soll es vor allem sinnlich zugehen. Das geneigte Publikum kann seufzend, schmachtend und schmunzelnd (vielleicht mir einem imaginären Popcornbecher in der einen, mit einem tränendurchweichten Taschentuch in der anderen Hand) durch die Traumwelt der Schönen, Starken und Leidenden wandeln.

In den zwei großen Räumen des Schwulen Museums sind unsere liebsten vierzig Filmidole mit großen Fotos, Fakten, Anektdötchen sowie ihrem "Homofaktor" präsentiert. Desweiteren sind entscheidende Filmausschnitte auf Zelluloid, Video, Foto, Plakat und Dia zu bestaunen. Den sprichwörtlichen Höhepunkt der Ausstellung bildet ein überladener, pubertärer, masturbationsgeschwängerter Teenage-James-Dean-Tapete und jeder anderen Form von James-Dean-Devotionalien. Ein Raum, den jede und jeder von uns einmal bewohnt haben könnte. Und auch die Kunst hat unsere Idole entdeckt: Wir zeigen 12 Arbeiten aus Rinaldo Hopfs Serie Golden Queers, die eigentlich Andy Warhol hätte machen sollen, wenn er sich getraut hätte.

40 Filmidole, die Vorbilder, Alpträume oder feuchte Träume für viele Schwule und Lesben verkörpern. Von Marlene Dietrich über James Dean bis Bruce Willis, von Bette Davis über Gina Gershon bis Marlon Brando. Emma Peel, Marilyn Monroe, Montgomery Clift, Barbara Streisand, Joe Dallesandro, David Bowi, River Phoenix - sie alle sind Objekte unserer Sehnsucht.

Kurator: Wolfgang Theis