Ausstellung 06. Dezember 2011 - 31. März 2012

HirschFeldforschung. Fundstücke aus neuester Zeit - Objekte, Bücher, Dokumente

Fotos aus Indien, einen Koffer aus Hongkong, ein Gästebuch aus Frankreich, Geschirr aus Berlin und einen Reisepass von 1928 – dies und vieles mehr zeigt das Schwule Museum vom 7. Dezember 2011 bis zum 31. März 2012 in den Räumen der Dauerausstellung.

Es handelt sich um einige Beispiele aus dem Ertrag langjähriger Forschungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft nach den Resten des früheren Instituts für Sexualwissenschaft und dem Nachlass seines Gründers und Leiters Magnus Hirschfeld (*1868). Das Institut wurde im Mai 1933 geplündert und geschlossen, Hirschfeld starb 1935 im Exil in Nizza.

Die Ausstellung zeigt beispielhaft Stücke aus drei größeren Konvoluten, die die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren geschenkt erhielt bzw. erwerben konnte:

Der erste Teil stammt aus dem Nachlass von Li Shiu Tong (1907–1993), Hirschfelds letztem Freund. Li Shiu Tong lebte nach Hirschfelds Tod zunächst in Zürich, später in Hongkong und Vancouver, wo er 1993 starb. Dort konnte der Fotograf Adam Smith einen Koffer voller Nachlassgegenstände aus dem Müllkeller des Hauses retten, in dem Li ein Apartment besaß.

Das zweite Konvolut stammt aus dem Nachlass von Ernst Maass (1914–1975), einem Großneffen Hirschfelds. Ernst Maass hatte sich 1935 in Nizza um Hirschfelds Hinterlassenschaft gekümmert. Er hat eine große Zahl persönlicher Dokumente Hirschfelds – etwa das Kolberger Abiturzeugnis, die Approbation aus Würzburg, den Reisepass – bewahrt, dazu eine große Zahl von Familienbriefen.

Einen dritten Schwerpunkt der Ausstellung bilden Gegenstände aus dem Besitz von Adelheid Schulz (1909–2008). Frau Schulz war von 1928 bis 1933 in der Hauswirtschaft des Instituts für Sexualwissenschaft tätig und bei dessen Plünderung am 6. Mai 1933 zugegen. Sie hat aus der Zeit ihrer Tätigkeit im Institut viele Briefe und Fotos bewahrt und auch einige Geschirrteile vor dem Zugriff der Nazis retten können.

Ergänzend zu diesen Beständen zeigt die Ausstellung das Gästebuch Magnus Hirschfelds aus dem Exil in einer Arbeitskopie von Dr. Marita Keilson-Lauritz. Das Original dieses Gästebuchs liegt im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Die rund 300 Einträge der Gäste lesen sich wie ein Who is who der Kulturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am 6. Dezember übergibt Professorin Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ein Exemplar des Buches „Mein System“ von Gustav Jäger als Dauerleihgabe. Dieses Buch stammt aus der von den Nazis geplünderten Bibliothek des Instituts für Sexualwissenschaft und hat nach 1945 seinen Weg in die Berliner Stadtbibliothek gefunden. Jetzt wurde das Buch bei Recherchen nach NSRaubgut im eigenen Bestand entdeckt.

Kurator: Dr. Jens Dobler